und wiegten unruhig die nackten Füßchen . Keiner sprach ein Wort , und alle , auch die Kinder , schauten ernst und geduldig gerade vor sich hin . Wenn das Wetterleuchten drüben eilig den Horizont erhellte , wies Wardein stumm mit der Pfeife zu ihm hinüber . Unten am Strande gingen ganz stille Liebespaare hin , sie gingen mit herabhängenden Armen nebeneinander her , träge die Füße über den Sand ziehend . Was sollten sie sich sagen , hier hatte immer seit Menschengedenken das Meer das Wort und wozu ihm unnütz dreinreden . Doralice und Hans wohnten jetzt fast den ganzen Tag in einer Einsenkung der Düne . Hans spannte dort seinen Malschirm aus , breitete eine Decke über den Sand , auf der Doralice liegen konnte , er selbst saß vor seiner Staffelei und malte das Meer . » Das ist das einzige « , behauptete Grill , » wir müssen es machen wie die Hühner , die sich Erdlöcher machen und sich kühlen . « Doralice schloß die Augen und murmelte , fast zu faul um die Lippen zu bewegen : » Ganz still liegen , sich nicht bewegen , denn , spürst du das auch ? in uns da zittert und flackert es immer so wie der Sonnenschein auf dem Wasser . Das macht müde . « » Gut , gut , lieg nur still « , sagte Hans väterlich und beruhigend . Sie schwiegen sie eine Weile , bis Hans seinen Pinsel fortwarf und sich auch auf den Sand ausstreckte . » Es will und will nicht werden « , sagte er ärgerlich . Doralice öffnete die Augen und schaute das Bild auf der Staffelei an und meinte : » Warum , es ist ja ganz gut , das ist durchsichtig , das ist grün . « Hans fuhr auf erregt und eifrig : » Durchsichtig und grün . Ein Stück Glas ist auch durchsichtig , ein Stück Stoff kann grün sein . Nein , das ist noch kein Meer . Das Meer muß gezeichnet werden , siehst du , nur die Linie hat Bewegung und Leben . Ich kann dein blaues Kleid malen , nichts leichteres als das , aber es so zu malen , daß jeder sieht , du steckst da drin unter dem Blauen , das ist die Kunst . Im Meer steckt eben auch unter dem Durchsichtigen und Grünen etwas , das lebt und sich bewegt , und das ist eben das Meer . « » Ah , so ist es « , sagte Doralice wieder mit geschlossenen Augen , » mach ' das doch , Lieber . « » Machen , machen « , wiederholte Hans , » das ist es eben . Ich möchte wissen , wo zum Teufel mein Talent hingekommen ist , es war doch da . « » Bin ich daran schuld ? « fragte Doralice ruhig und schläfrig . Hans antwortete nicht sogleich . Er lag da und starrte zum Himmel auf und dachte nach . Ja , wie war das denn ? Und er begann langsam zu sprechen , wie zu sich selber : » Schuld , eine Schuld kann da nicht sein , aber das ist es , du nimmst jetzt in mir einen so großen Raum ein , daß das Talent nicht mehr Platz hat . Natürlich , das ist es . Du bist doch in mein Leben hereingekommen wie ein Wunder und noch bist du jeden Augenblick ein unbegreifliches Wunder . Wie soll da etwas anderes Platz haben . Immerfort ein Wunder zu erleben , strengt an . « - » Und glaubst du « , unterbrach ihn Doralice ein wenig gereizt , » es strengt nicht an , immer , den ganzen Tag , ein Wunder zu sein ? « Hans lachte gutmütig : » Laß es gut sein , ich gewöhne mich schon an das Wunder . « - » O wirklich , du gewöhnst dich dran « , warf Doralice hin . » Sicher , « fuhr Hans fort , » alles , was uns jetzt selbstverständlich scheint , ist einmal ein Wunder gewesen . Du wirst mir auch selbstverständlich werden . Warte nur , bis wir in unserer Ordnung sind . « Doralice hob ihre Arme hoch über den Kopf empor und streckte sich : » Ach ja , deine Ordnung , nun also erzähle von deiner Ordnung . Ein Häuschen , nicht wahr , damit fängt es doch an ? « » Allerdings ein Häuschen « , begann Hans gereizt , » ein Häuschen irgendwo , sagen wir in einem Vorort von München , ein Häuschen , das deine eigenste Schöpfung ist , der Ausdruck deines Wesens , dort waltest du . Mein Atelier ist natürlich in der Stadt , ich komme zu Mittag heim und du erwartest mich - « - » Das weiß ich alles schon « , unterbrach ihn Doralice , » nur möchte ich wissen , was ich den ganzen Vormittag allein gemacht habe . « » Du hast eben deinen Wirkungskreis « , erklärte Hans , » du hast dein Hauswesen , dem du dein Gepräge gibst . « Doralice zuckte mit den Achseln : » Ach Gott , ich kann doch nicht den ganzen Vormittag allein dasitzen und dem Hauswesen mein Gepräge geben . « Hans errötete und machte ein Gesicht , wie jemand , dem es in allen Gliedern ruckt , weil er einen Knoten nicht aufbringen kann : » Allein , warum allein ? Da werden doch Menschen sein , wir schaffen uns unseren Kreis , unsere Gesellschaft , wir sind an keine Gesellschaft gebunden , wir sind die Schöpfer unserer Gesellschaft , das ist es . « Doralice richtete sich ein wenig auf und sah Hans an und ihre Augen wurden groß und bekamen einen hilflosen , angstvollen Ausdruck : » Menschen , « sagte sie leise , » du weißt doch , ich fürchte mich vor den Menschen . « Hans konnte sich vor dem schmerzhaften Mitleid