hat . Und von seiner Frau kann ich fast sagen , daß ich sie liebgewonnen habe . Es würde mir geradezu wehe tun , nicht rechtschaffen gegen sie sein zu dürfen . « » Pshaw ! Nicht rechtschaffen ! Was heißt rechtschaffen . Rechtschaffen hat man zunächst doch gegen sich selbst zu sein . Und wenn wir ein Geschäft machen wollen , welches uns , klug angefangen - - - « » Pst ! Still ! « warnte ihn der Andere . » Warum ? « » Der Alte könnte es hören . « Bei diesen Worten deutete er nach unserer Tür . » Der Alte ? « fragte Sebulon . » Du weißt doch , daß der täglich bis Punkt Mitternacht unten im Lesezimmer sitzt und dann noch bis ein Uhr hier oben in seiner Stube liest . Es brennt kein Licht ; er ist also noch unten . « » Trotzdem ! Und zudem bin ich müd . Ich gehe jetzt schlafen . Morgen früh nach Toronto und erst übermorgen zurück . Wir müssen ausgeruht haben . Komm ! « Sie standen vom Tische auf und gingen in ihren Raum . Es war nicht viel , was wir erfahren hatten , aber wir wußten nun doch wenigstens so viel , daß Hariman F. Enters es ehrlich mit uns meinte . Und wir waren überzeugt , daß Sebulon L. Enters , sein Bruder , wohl auch noch zu durchschauen sein werde . Als wir am nächsten Morgen zum Frühstück hinuntergingen , sagte uns der Kellner , daß unsere beiden Nachbarn das Hotel schon zeitig verlassen und die Weisung gegeben hätten , wenn Mrs. und Mr. May hier ankämen , ihnen zu sagen , daß die Gebrüder Enters nach Toronto gefahren seien und erst morgen am Abend wiederkommen könnten . Er machte eine geringschätzende Handbewegung und fügte hinzu : » Rowdys , diese beiden Enters ! Haben sich hier beinahe unmöglich gemacht . Diese Mrs. und Mr. May aus Germany , die nach solchen Leuten suchen , passen wohl nicht für uns . Werden keine Zimmer bekommen ! « Wie gut , daß ich einen andern Namen eingetragen hatte ! Auch diese Aeußerung des Kellners mahnte zur Vorsicht , obgleich ein Rowdy zwar ein roher , aber immerhin noch kein schlechter Mensch zu sein braucht . Dieses erste Frühstück war splendid im höchsten Grade : Kaffee , Tee , Kakao , Schokolade , eine Menge Fleisch- und Eierspeisen , Trauben , Ananas , Melonen und andere Früchte , so viel man wollte . Bedient wurden wir von unserm Zimmerkellner . Er hatte sich das von der Direktion ausgebeten . Mir war das lieb . Es gibt im Clifton-House nur Einzeltische , keine große , gemeinschaftliche Tafel . Am besten sitzt und speist es sich in einer langen , an den großen Saal stoßenden Veranda , die so schmal ist , daß da nur zwei Reihen von Tischen Platz finden . Es gibt von da aus eine prächtige Aussicht nach den Fällen . Wir hatten uns einen dieser Tische gewählt und beschlossen , ihn für uns zu belegen . Als wir den Kellner fragten , ob man das könne , antwortete er : » Gewöhnlich nicht , aber Mrs. und Mr. Burton können das . Ich werde es besorgen . Der beste Tisch wäre allerdings nicht dieser , sondern der hinterste , weil man da nur von einer Seite aus gesehen , gehört und belästigt werden kann . Den aber haben schon zwei Gentlemen in Beschlag genommen . Man schlug ihnen diesen Wunsch nicht ab . « Das hatte er in gewöhnlichem Tone gesagt . Mit gesenkter Stimme aber fügte er hinzu : » Sie bezahlen nämlich Alles nur mit Nuggets ! Sie haben eine ganze , schwere Tasche mit gediegenen Goldkörnern in Verwahrung gegeben ! « Viele , welche kamen und nach diesem Tische gingen , um dort Platz zu nehmen , wurden abgewiesen , bis wir fast am Schlusse der Frühstückszeit zwei Männer eintreten sahen , welche sofort Aller Augen auf sich zogen . Sie standen ungefähr im gleichen Alter und waren Indianer . Das sah man gleich beim ersten Blicke . Hoch und breitschulterig gebaut , mit scharf , aber , ich möchte beinahe sagen , edel geschnittenen Zügen , gingen sie , scheinbar ohne Jemand anzusehen , langsam und würdevoll nach dem erwähnten Tische und setzten sich dort nieder . Sie waren nicht indianisch gekleidet , sondern sie trugen seine Stoffanzüge nach gewöhnlicher Fassung , und ihr Haar war genau so verschnitten wie anderer Leute Haar ; aber man konnte unbesorgt die höchste Wette darauf eingehen , daß sie im Sattel , auf der Savanne und zwischen den Kolossen des Felsengebirges wohl noch gebieterischer erscheinen würden als hier . Jedoch trotz der tiefen Sonnenbräune ihrer Gesichter zeigte sich auf ihnen eine sehr sichtbare Spur jenes eigenartigen Hauches , den es nur bei Leuten gibt , welche viel nachgedacht haben und gewohnt sind , dieses ihr Nachdenken auf höhere Pfade zu lenken . Man pflegt bei solchen Personen von » durchgeistigten « Gesichtern , von » durchgeistigten « Zügen zu sprechen , und der Eindruck dieses » Durchgeistigtseins « ist um so größer , um so tiefer und um so dauernder , wenn dabei der Blick des Auges jene tiefe Schwermut , jene seelische Trauer bekundet , welche verschwindenden Jahren , zu Ende gehenden Tagen und sterbenden Völkern eigen ist . Diese stille , aber doch laut sprechende , unbeschreibliche Elegie des Auges war hier bei diesen Indianern vorhanden . » Das sind die Gentlemen , « sagte der Kellner . » Feine Leute , wenn auch nur Indianer ! Hochfein ! « Er schnippste dabei mit dem Daumen und Mittelfinger , um seinem Lobe Nachdruck zu geben . » Woher sind sie ? « fragte ich . » Weiß es nicht genau . Der Eine von weither , sehr weit , der Andere von näher . Kamen Beide über Quebek und Montreal den Fluß herauf . «