gezieret . Nimm , was du willst . Doch eilen sollst du , daß du wieder hinausgelangest , sintemalen die Schatzkammer nur über Mitternacht offen ; um ein Uhr tut sie sich zu , unter großem Krachen . Sei auch dessen wohlbedacht , daß beim Kochen der Zaubersuppen kein einzig Wörtlein werde geredet . Sonsten ist sie unmächtig , und der Herr der Berge möchte ergrimmen . Einem Tölpel ist er bei der Abendpurg erschienen als langbärtiger Riese , so auf einer Harfen gespielet hat , daß die Erde bebete , hat alsdann die Harfe wie einen Donnerkeil nach dem Tölpel geworfen . Der ist umgesunken und wäre nicht wieder erwacht , hätte ihn nicht seine Sippe heim geholet , wobei ein grausamer Hagelsturm tobete . Dies habe ich obgemeldeter Handelsmann von Regenspurg von dem Italiener vernommen , habe auch das Mülderlein gefunden , so der Pilgramstab aufweiset , und daselbst Goldkörner die schwere Menge . Doch in die Abendpurg einzudringen , habe ich nicht das Herz gehabt . Zu Schreibers Hau aber wohnet ein Mann , mit Namen Krebs , seines Zeichens ein Laborant , dem ist manch Geheimnis bewußt . Da frage nach , so der Alte oder sein Sohn Christoph noch am Leben . « » Genung ! « unterbrach mich der Oheim ; » laß uns nun zur Abendburg gehen . « Nahm aus meiner Hand das Walenbüchel und verwahrte es im Ranzen , worauf wir aufbrachen und quer durch den Wald immer bergan stiegen , um dann gen Mitternacht abzubiegen und den Kamm des Berges zu verfolgen . Hier ging der Pfad durch hohes Preißelbeergestäud , und ich merkte , daß wir auf dem beschriebenen Wege zur Abendburg waren . Oft mußten wir von Felsblock zu Felsblock hüpfen und Obacht geben , daß nicht der Fuß in einen Spalt gleite . Die Tannen griffen mit ihren unteren Ästen , kahl und hart wie Gerippe , zu mehreren Malen nach unserm Gewande , es zerfetzend . Unheimlich pfiff der Wind durch die Wipfel , und lauschend glaubte ich eines Waldgeistes Geheul zu vernehmen . Vor uns erhuben sich schroffe Felsen , und der Oheim sprach : » Siehe , das ist die Abendburg ! « Ich war etwas enttäuscht , da meine Phantasei mir die Abendburg gewaltiger und mehr einer Burg ähnlich ausgemalt hatte , und nun eine Steinmasse da lag , nicht größer , denn eine Scheuer . Wie ich aber das Düstere , Wüste , Einsame des Ortes empfand und dem wogenden Raunen des Windes lauschte , wandelte mich ein Staunen und Schaudern an . Ich spürete nun wohl , daß hier die Stätte von Abenteuern und Wundern sein könne . Wir kletterten um den Felsen herum und dann auf seinen Scheitel . So schaurig es unten bei der Abendburg war , hier oben lachte die Welt im Sonnenlichte . Trunken schweifte mein Aug über die Täler von Schreiberhau hinüber zum Breiten Berge und weiter links zum Kynast . Am Fuße dieses festen Bergschlosses dehnten sich lichtgrüne Felder , freundliche Haine , friedliche Dörfer . Aus dem Dufte der Ferne grüßten die Kirchtürme meiner guten Stadt Hirschberg . Ganz hinten waren ein paar blaue Maulwurfshügel ; so sahen die Falkenberge aus . Nach rechts mich wendend , sah ich das Reifträgergebirge und die ganze Kette der Riesenberge bis zur Schneekoppe und dem Landeshuter Kamme . Auch gen Sonnenuntergang schauten wir , und dort öffnete sich das waldige Tal des Queißflusses mit den Flinsberger Bauden . Nachdem wir unser Auge gesättigt , stiegen wir wieder vom Felsen . Der Oheim winkte mich zu sich und sprach : » Dies ist die Stätte , wo wir den Zauberkreis machen werden . Nun schau ! Siehest du den weißen Stein ? Das ist die Pforte ! « Er deutete auf ein Stück Flins , das verwachsen mit der schwärzlichen Granitwand , allerdings einer Pforte aus weißem Marmel ähnlich war . Ich starrte hin und sah im Geiste allbereits diese Pforte aufspringen , sahe den wüsten Felsen sich verwandeln in das strahlende Schloß und innerlich funkeln von Gold und bunten Steinen . Der Oheim säuberte die Stätte von Gestrüpp . Auf sein Geheiß sammelte ich derweilen den Vorrat dürren Holzes für das künftige Feuer des Zauberkreises . Nicht ohne Grauen betrachtete ich das weiße Gestein und überlegte , wie es nur geschehen könne , daß dieser harte Felsen von einer bloßen Zaubersuppen eröffnet werde . » Aber Oheim « , sagte ich , » ist dir denn auch bekannt , woraus man die Zaubersuppe bereitet ? « Unsicher schaute mich der Oheim an und hüstelte dumpf . Dann loderte sein Aug , als er entgegnete : » O , das werde ich schon herausbringen ! Ohne Sorge Johannes ! Ich weiß einen Mann hochgelahrt in geheimen Wissenschaften . Ist ein echter Italiener , Herr Doktor Giacomini mit Namen . Wohnet seit Wochen hier zu Schreiberhau in Preislers Glashütte . Hat den Vorwand , er wolle die Kunst der Glasmacherei studieren . Was er aber will , weiß ich besser . Nach Golde schnüffelt er im Gebirg umher . Hat beim roten Flosse etliche Körnlein Markasit ausgewaschen . « » Und du meinest , der Italiener verstehe sich auf die Zaubersuppe ? Wird er denn sein Geheimnis nicht für sich behalten wollen ? « » Närrchen ! « sagte der Oheim . » Ich werde ihm halt proponieren , er solle mir sein Geheimnis enthüllen und dafür das meinige nehmen . Gemeinsam mit ihm werden wir dann den Schatz heben und teilen . « Schweigsam traten wir den Heimweg an . Oft war mir , als webe in den Tiefen des Waldes ein Spuk . Zwischen den mächtigen Tannen stund der Rübenzagel , ein riesenhafter Köhler , dann plötzlich verwandelt in einen knorrigen Baumstumpf mit langem Moosbarte . Wenn ich so in den Wald starrte , ward Wächter unruhig und hub an zu knurren , was dann wiederum mein Zagen steigerte . Zwischen den Steinen und Baumwurzeln wisperte es