- morgen weiter ; ich habe einmal den Befehl vom Grafen und Alberten , Sie von unserem Leben im Detail zu unterrichten und Sie dann schönstens zu bitten , es recht bald selbst bei uns anzusehen . Adieu , meine Liebe , für heut ' . Später . Ich bin soviel herumgesprungen , daß ich ganz müde bin . Nie hätte ich geglaubt , daß unsere ernsten jungen Herren so beweglich sein könnten , den kleinen Leopoldus ausgenommen , an dessen Quecksilbernatur ich nie gezweifelt . Aber auch der ernste William , der ruhige Valer - ich habe zu meinem Staunen erfahren , daß sie alle Turner gewesen sind ; sie haben in der Stadt einen poetischen Verein gehabt , da ist immer zuerst eine Stunde gedichtet , gelesen und kritisiert , die nächste Stunde gefochten oder geturnt worden . Ich erinnere mich , als kleines Mädchen noch einige Nachzügler jener Turnzeit gesehen zu haben , und gestehe , daß mir diese leinwandnen Burschen wenig behagten . Unsere jungen Herren fassen dies wie alles romantischer auf ; Herr William sprach dabei von Deutschland , Einheit und Vaterland und geriet sehr in Ekstase , Valer lächelte ernsthaft und sagte mir , Deutschland sei einst von edlem Weine trunken gewesen und habe das edle Herz auf der Zunge , den Verstand in der Tasche getragen und dumme Streiche gemacht . Es habe eine lang verlorene schöne Geliebte gesucht und mit schwimmenden Augen ihren Schatten dafür angesehen und ihn brünstig umarmt . Verstehen Sie das ? - » Herr , dunkel war der Rede Sinn . « - Ich muß ihn beim Tee bitten , mir ' s deutlicher zu machen ; des Abends ist er immer am zugänglichsten , da tritt er mit mir in den Fensterbogen und spricht allerliebst über lauter kleine unbedeutende Dinge ; aber er sieht alles so eigen , ich möchte sagen so groß an , daß man lauter Neuigkeiten hört . Fatal ist ' s mir , daß man uns nie lange allein läßt ; denn allein schwatzt er viel zutraulicher . Namentlich ist Herr William immer gleich bei der Hand . Irre ich mich nicht ganz , so macht mir dieser lebhaft den Hof . - Was sagen Sie dazu , und was wird er sagen , den Sie kennen ? Ich glaube kaum , daß William auch unter anderen Verhältnissen Glück bei mir machen kötmte . Sein Äußeres ist im Grunde gar nicht übel : er ist hoch und schlank gewachsen , indessen fehlt dem Wuchse die eigentliche Konsistenz , er ist gertenartig . Dunkelblonde , schief gescheitelte Haare legen sich schlicht an einen ziemlich kleinen Kopf , der durch ein schönes blaues Auge interessant wird . Sein Anzug ist von weitem angesehen modern ; guckt man aber in der Nähe danach hin , so sieht man , daß er nach der vorletzten Mode , gewissermaßen schon altfränkisch ist . Das kann , ich an einem jungen Manne durchaus nicht leiden : Halstuch , Halskragen , Jabot , Weste , - das alles , obwohl vom feinsten Stoffe , sitzt so verwirrt und unordentlich durcheinander , daß man kaum eines aus dem andern herausfindet . Er ist sehr rigoristisch und von äußerst strenger Moral ; das macht mir Todesangst ; ich liebe den Leichtsinn und die leichteste Beurteilung über alles . Übrigens besitzt er unleugbare und große Vorzüge ; er spricht schön und geordnet , ist äußerst unterrichtet , selbst nach Valers Zeugnisse sehr verständig , dichtet reizend , spielt die meisten musikalischen Instrumente vortrefflich , er ist mitunter sogar äußerst liebenswürdig , besonders wenn er lacht . Seine Manieren sind hart wie seine Moral , aber bestimmt , fest , ohne Verlegenheit . Denken Sie sich ihn stets im blauen Frack . Der kleine Leopold ist sein Pol . Sie wissen , daß dieser schon früher hier war und uns wörtlich die Zeit vertrieb . Der Graf hatte ihn im Theater in einer Ecke der Loge gefunden , wo er zusammengekauert wie ein kleiner Gnom sitzend auf die Ouverture der Dame blanche gehorcht hatte . Plötzlich war er lebendig geworden , hatte wie ein Regenwurm gezappelt , wenn eine schöne Stelle darangekommen , und war bald darauf ohne weitere Einleitung mit dem Grafen in ein Gespräch über Oper und Musik geraten . Mit Alberta , die auch da war , machte er sich alsbald bekannt , ist beweglich , gefällig , redselig , liebenswürdig , daß ihn der Graf zum Souper bittet , und binnen achtundvierzig Stunden ist er mit hieher nach Grünschloß gefahren , hat tausend Geschichten erzählt , zehn Sonette gemacht , ist häuslich eingerichtet und wie ein Glied der Familie , wie ein gern gesehener bunter Papagei , dem man Zucker schenkt . Es ist ein pudelnärrisch Kerlchen , romantisch vom Scheitel bis zur Sohle , gewandt und beweglich wie ein Püppchen , verliebt und hübsch wie eine Amorette . Er ist klein und zierlich gewachsen , ein schwarzer Krauskopf , hat schwarze , muntere Augen , ein scharmantes ovales italienisches Gesichtchen , ein weiches angenehmes Organ und den schönsten deutschen Akzent , den nur Valers an Richtigkeit , nicht aber an Schönheit übertrifft . Es ist nicht das schneidend scharfe Norddeutsche , sondern die südliche Weiche hat sich sanft um die nordische Schärfe gelegt , so daß man sie nur zuweilen ahnt , aber nie unangenehm empfindet . In Valers Akzent tritt sie schon mehr hervor . Dazu kommt , daß Leopoldus , der Provenzale , wie er meist genannt wird , fortwährend in poetischer Schwebelei zappelt und von Blumen und Düften redet ; Valer aber nur selten eine lodernde Fackel aus seinem Gemüte holt . Sie sehen , es steckt an , ich schreibe auch sogleich emphatisch . Übrigens ist der Kleine nicht so unangenehm in dieser steten Verzückung , als man glauben sollte ; er besitzt viel Geist und ist keineswegs ein gewöhnlicher Wortklimperer . Was mir an William so sehr mißfällt , ist , daß er ihn