gefunden und für Hans aufgehoben habe ; Hans erwiderte , daß er das Nest in Ruhe lassen solle . Dann wies er ihm eine Hand voll Murmeln , die er ihm schenken wollte ; aber Hans schlug alles aus und ging weg . Er hatte aber eine Sehnsucht danach , recht fröhlich zu sein , obwohl doch seine Großmutter gestorben war , die er sehr lieb gehabt ; und weil er niemand fand , mit dem er hätte fröhlich sein können , so ging er traurig , niedergeschlagen und gereizt umher . Wenn wir das Leben eines Menschen betrachten , soweit es betrachtenswert ist , also seine Bildung , so kann es uns einmal so scheinen , als stelle es eine zusammenhanglose Reihe von Zufällen dar ; in andrer Geistesverfassung erblicken wir in demselben Leben ganz deutlich eine planmäßige Führung durch Gott ; und wiederum mögen wir einen unbeirrbaren Trieb sehen , der diesen Einzelnen durch die wirre Umwelt mit untrüglicher Sicherheit vorwärtsstieß , daß er durch diese Kraft sich das eine aneignete , das andre zur Seite ließ ; endlich ist sogar eine bewußte Gestaltung des Lebens durch diesen Willen des betreffenden Menschen zu finden . Wer hätte nicht , wenn er über die Schicksale von Menschen nachdachte , schon diese merkwürdige Entdeckung gemacht , daß man von derselben Sache als derselbe Mensch vier so ganz verschiedene Meinungen haben kann ! Ein solches inneres Erlebnis , wie der Haß gegen manche Menschen und das unbestimmte Gefühl gegen den andern Jungen , ist gewiß sehr wichtig für die Bildung . Aber wie soll man es deuten ? Es ist wohl am besten , die Deutung ganz zu lassen . Zur Schule ging Hans ins Dorf , etwa eine Viertelstunde den Berg hinunter . Ein Wässerlein rann aus dem Walde hinab auf dem Grunde eines langen und schmalen Tales ; an diesem entlang waren die Häuser gebaut , und die Felder zogen sich in schmalen Streifen zu beiden Seiten den Berg in die Höhe . Sehr beschwerlich war das Pflügen auf diesen abhängigen Feldern , und am schwersten war es , den Dung hinaufzuschaffen ; deshalb sahen die Leute alle verarbeitet aus und waren auch arm , aber sie hatten einen unverdrossenen Mut . In der Jugend lebte damals ein unruhiger Geist , denn die , welche gedient hatten und das leichte Leben draußen gesehen , litt es nicht mehr zu Hause ; dadurch kam viel Unfriede in die Familien , weil die Alten nichts von der Fremde hielten und wollten , daß die Jungen zu Hause blieben . Kirche , Pfarrhaus und Schulhaus waren eben solche hölzernen und unscheinbaren Gebäudlein wie die Bauernhäuser ; nur daß in der Pfarre alle Fenster mit Blumenstöcken besetzt standen und vor der Schule sich ein schmales Gärtchen mit blühenden Stauden und Sträuchern hinzog . Der Lehrer war ein alter hagerer Mann mit rasiertem Gesicht und mit straffem weißem Haar und leuchtenden Augen , und hatte eine aufrechte Haltung . Wenn er auf dem Katheder saß in seinem schwarzen Rock vor der weißgetünchten Wand , so sah Hans einen Heiligenschein um seinen Kopf glänzen , von welchem Gesicht er jedoch zu niemand sprach . Am schönsten war die Schule in den dämmerigen Winterstunden , wenn biblische Geschichte erzählt wurde , solche , wie der Engel des Herrn zu Abraham kam und zu seinem Weibe Sara . Und sprach Abraham : » Herr , habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen , so gehe nicht vor deinem Knechte über . Man soll Euch ein wenig Wasser bringen und Eure Füße waschen ; und lehnet Euch unter den Baum . « Und eilte in die Hütte zu Sara und sprach : » Eile und menge drei Maß Semmelmehl , knete und backe Kuchen « , und lief zu den Rindern und holete ein zart gut Kalb und gab es dem Knaben ; der eilete und bereitete es zu . Und er trug auf Butter und Milch , und von dem Kalbe , das er zubereitet hatte , und setzte es ihnen vor , und traten sie unter den Baum , und sie aßen . Da sprachen sie zu ihm : » Wo ist dein Weib Sara ? « Er antwortete : » Drinnen in der Hütte . « Da sprach er : » Ich will wieder zu dir kommen , so ich lebe , siehe , so soll Sara , dein Weib , einen Sohn haben . « Das hörete Sara hinter ihm , hinter der Tür der Hütte . Und sie waren beide , Abraham und Sara , alt und wohlbetagt , also , daß es Sara nicht mehr ging nach der Weiber Weise . Darum lachte sie bei sich selbst . Da sprach der Herr zu Abraham : » Warum lacht die Sara , und spricht : Meinst du , daß es wahr sei , daß ich noch gebären werde , so ich doch alt bin ? Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein ? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen , so ich lebe , so soll Sara einen Sohn haben . « Da leugnete Sara und sprach : » Ich habe nicht gelacht « , denn sie fürchtete sich . Er aber sprach : » Es ist nicht also , denn du hast gelacht . « Bei solchen Geschichten hörten alle still zu , wie der Lehrer erzählte , und keines rührte sich , und die Dämmerung nahm zu in der Schulstube . Hans wußte alle diese Geschichten auswendig , Wort für Wort , weil er so viel in der Bibel las , und darüber lobte ihn der Lehrer oft . Auch im Lesen und Schreiben war er der Erste , nur im Rechnen ging es bei ihm immer schlecht , und in der Erdkunde . In des Lehrers Garten stand ein Bienenhaus mit vielen Kasten voll Bienen , zu denen hatte Hans eine besondere Liebe . Wenn er die Erlaubnis bekam , so setzte er die Mütze auf , damit