schuldig , den jungen Schriftsteller fernzuhalten . Sie war wieder ganz schwankend geworden . Zur Probe nur wollte sie den Brief aufsetzen - unter dem Vorbehalt , ihn nicht abzuschicken . Sie tauchte die Feder ein . Dabei sah sie den Diamantring an ihrem Finger blitzen , der das erste Geschenk ihres Bräutigams gewesen . Wie hatte damals das hübsche Kleinod sie gefreut - durch seine geheimnis- und weihevolle Bedeutung gefreut : der Verlobungsring , das Pfand des gegebenen , für das Leben bindenden Wortes ... Leise bewegte sie die Hand hin und her , um die Steine funkeln zu machen . Und ist ein Wortbruch nicht auch eine häßliche Handlung ? Wahrlich , sie wußte nicht , wo ihre Pflicht lag ... Immerhin , der Brief konnte ja für alle Fälle geschrieben werden . Sie tauchte die wieder trocken gewordene Feder ein zweites Mal in die violette Tinte : » Mein lieber Graf Delnitzky - - « Sonderbar , wie ihre Hand zitterte - das war ja gar nicht ihre Schrift ... » Verzeihen Sie den Entschluß , zu dem mich reifliche Überlegung brachte - weder ich noch Sie könnten glücklich werden - « Sie strich die ganzen Zeilen wieder durch . Wie war das matt ausgedrückt ... Einem Menschen einen Dolch ins Herz stoßen und höflichst um Entschuldigung bitten , für diesen reiflich überlegten Entschluß ... So geht es nicht ... es geht überhaupt nicht ! Sie sprang von ihrem Sitze beim Schreibtisch auf und lief zum Bett , an dessen Rand sie sich auf die Knie warf , das Gesicht in die Decken vergrabend . Beten wollte sie und - weinen . Sie stöhnte laut auf : » Toni , Toni , lieb ' ich Dich denn nicht mehr ? Und doch , ich kann - ich kann Dir nicht Lebewohl sagen . Beides ist so schrecklich traurig : der Verlust meines Glücksgefühls , meines Liebesrausches oder - der Abschied von Dir ! « Ihre schmerzliche Erregung löste sich in Tränen . Fast eine Stunde lang blieb sie auf den Knien liegen und schluchzte - zuerst heftig , dann immer leiser . Eine große Müdigkeit überkam sie und die vom Weinen brennenden Augen fielen ihr schlaftrunken zu . Dabei durchrieselte ihre Glieder ein eigenes erschlafftes Wohlgefühl . Sie raffte sich auf und machte ihre Nachttoilette , voll Sehnsucht nach der vollen Ruhe des Bettes . Sie wollte nichts mehr denken - nur schlafen . Das Gefühl des Unglücklichseins hatte sie verlassen ... Ein warmer , linder Strom von Zärtlichkeit stieg ihr vom Herzen auf zugleich mit Tonis Bild . Warum hatte sie ihn denn wie einen Toten beweint - er lebte ja und auch ihre Liebe atmete noch ... Und das Leben überhaupt , das große , reiche , hat ja so viel Schönes zu bieten , so viel Süßes - unter anderm den Schlaf ... wie köstlich würde es jetzt sein , das Bewußtsein zu verlieren und in tiefen , tiefen Schlummer zu versinken ... Sie schlüpfte zwischen die kühlen Linnen , löschte die Kerze aus , vergrub den Kopf in die Kissen und mit einem gemurmelten » Gute Nacht , Toni « schlief sie in wenigen Minuten ein . VI » Ist ' s wahr , Rudi - Du willst kandidieren ? Wie freu ' ich mich ! « Rudolf blickte überrascht von seiner Zeitung zur Sprecherin auf : » Woher weißt Du ? und warum freust Du Dich ? « Beatrix , die mit ihrem Frühstück noch nicht fertig war und sich eben eine Buttersemmel strich , machte eine ärgerliche Kopfbewegung . » Woher ich ' s weiß ? Von fremden Leuten - denn Du hast mich nicht wert gefunden , mir etwas so wichtiges mitzuteilen . Und ich freu ' mich wegen der Ehre - in der Politik läßt sich ja zu hohen Stellungen gelangen ... Vielleicht wirst Du Minister ... « » Das wäre mir nicht unlieb , denn in solcher Stellung könnte ich Einfluß üben , nach der Richtung , die ich träume ... Aber der Weg vom Abgeordneten zum Minister ist ein gar weiter . Und daß ich Dir nichts mitgeteilt ? Mein Gott , Trixi , Du interessierst Dich doch nicht für Politik ? « » Nein , Gott sei Dank , ich interessiere mich garnicht dafür - das heißt , wenn Du einmal dabei bist , da wird ' s mich schon unterhalten . « » Unterhalten ? « » Na ja , wenn ' s heißen wird : der Abgeordnete Graf Dotzky hat eine große Rede gehalten über ... von was redet man da ? ... über Salzsteuer oder über neue Gewehre - das wird doch spaßig sein . « » Spaßig ? « » Natürlich wirst Du unter die Konservativen gehen - « » Wie , Du kennst Dich in den Parteibildungen aus ? « » Das hat Mama gesagt und Herr von Wegemann - « Rudolf lächelte : » Der allerdings - diesmal ist es aber andrerseits . « Beatrix fuhr fort : » Leute von unserem Rang - scheint ' s - gehören immer zu den Konservativen - überhaupt alle anständigen Leute . « » Ich staune - « » Du wirst mir doch einen guten Platz auf der Galerie verschaffen , wenn Du Deine erste Rede hältst - das wird mir lieber sein , als ein Theater . « » Ich bin noch nicht gewählt . « » Als Großgrundbesitzer - auch das weiß ich durch Herrn von Wegemann - bist Du ja berechtigt ... « » Ja , wenn ich einer ihrer Parteien mich anschließe , was ich nicht tun will . Ich beabsichtige - - aber das verstehst Du wieder nicht ; über meine Gesinnungen und Pläne wird Dich Minister Allerdings nicht unterrichtet haben , denn die liegen außerhalb der Sphäre seines politischen Denkens . Ich habe ihm einmal ein paar Andeutungen gemacht , da schaute er mich aber so verständnislos an , als hätte ich japanisch gesprochen . Wenn ich