; das Gold windet sich in Schlangenlinien hin und her - gekörntes Gold , blankes Gold und getriebenes Gold . » Das sind natürlich lauter bewegliche Sternriesen ! « erklärt die Liwûna . Die Goldkuppel ist von hellblauen und dunkelblauen Zackenringen umrändert . Die Ränder sind aber breit . Ein Kranz von kleineren spitzen Silbertürmen umzäunt die Zackenringe . Um diesen Mittelpunkt sind nun hellgrüne und dunkelgrüne Riesenwürfel herumgestreut - die liegen wie Steinfelder da - bilden aber gleichfalls einen regelrechten Ring - einen so breiten allerdings , dass es schwer fällt , ihn als solchen zu überschauen . Und um die grünen spitzen- und kantengrossen Würfel hat sich ein breiter grüner Wolkenring gelagert . Der Wolkenring ist im Innern sehr unregelmässig und zeigt viele tiefe Thäler , in denen das Wolkengrün beinahe schwarz erscheint . Und ganz breite funkelnde Glastürme ragen auf allen Seiten hinter den grauen Wolken in den Nachthimmel hinauf . 7Und die Glastürme sind ganz hell , als wären sie sämtlich innerlich erleuchtet ; an den vielen rechteckigen Kanten der Türme funkeln die Regenbogenfarben wie an Brillanten . Kaidôh kann nicht über die Türme hinüberschauen ; sie steigen alle rechteckig als breite Massen auf , die sich oben nicht verjüngen ; sie tragen auf ihrer ganz stumpfen Spitze auf ganz flachem Dach unzählige kleinere Türme , die wie Schornsteine aussehen und noch stärker funkeln , als die breiten rechteckigen Türme , die das Grundgemäuer bilden . Kaidôh schwebt noch schneller aufwärts - immer höher und höher . Der Mittelpunkt - das sieht er nun ganz deutlich - leuchtet in seinem eigenen Licht . Die goldene Mittelkuppel leuchtet wie heftige Sonnen . Milder leuchten die blauen Zackenringe und ganz milde die grünen Würfel ; die silbernen Türme zwischen beiden glimmen nur so wie Phosphor im Dunkeln . Die grauen Wolken erhalten ihre Helligkeit von den grünen Würfeln und den Glastürmen . Die ungeheuren Lichtmassen erscheinen in ihrer Wirkung so klein , da die Entfernungen so furchtbar gross sind . Und Kaidôh gelangt allmählich in so ferne Höhen , dass er auch über die Glastürme hinwegsehen kann . Und hinter den Glastürmen sieht er nun einen runden Reifen von gewaltigen Pyramiden - ein Diadem von gelben Topasen und lilafarbigen Amethysten , die sich abwechselnd folgen . Das Pyramidendiadem liegt weit hinter den Glastürmen . Und der Pyramidenring wird wieder von Perlenfeldern umrahmt . Es sind aber schwarze sehr höckrige Perlen , zwischen denen vereinzelt wie Thränentropfen kugelrunde rosafarbige Perlen schimmern . Und Kaidôh schwebt noch höher und empfindet das Ganze als grossen Tortenstern . Hinter den schwarzen und roten Perlen recken sich aber noch in der Runde in regelmässigen Abständen sieben weisse Zungen vor , deren lange lange Spitzen hoch aufragen - wie die Spitzen der Schnabelschuhe . Die spitzen Zungen sind weiss wie weisser Sammet und übersäet von vielkantigen dunkelrot glühenden Granaten ; das Weisse herrscht aber wie Schnee leuchtend vor - so viele Granaten sinds nicht . Neben den Zungen ist tiefschwarze Nacht ohne Stern . Ein siebenzackiger Tortenstern liegt unter Liwûna und Kaidôh . Von den Glastürmen sind nur die Kappen der balkenförmigen kleineren Türme zu sehen - die sprühen aber ihr buntes Licht in Scheinwerfern durch das Wolkenreich , sodass das auch zuweilen ganz bunt wird - bunter als alles Andre . Der Wolkenring wechselt jetzt immerzu die Farbe - öfters ist er schwarz und weiss gestreift . Auf den Spitzen der sieben weissen Schnabelzacken sitzen wie feine hohe Federsträusse blutrote Kometenschweife . Durch die hochaufragenden weissen Schnabelzungen mit den weit hinaus ins Weltall steigenden Blutkometen erhält das ganze Tempeldächerreich von oben gesehen die Form einer seltsamen Himmelsblüte . » Du hast wohl schon , « sagt Liwûna , » ganz und gar vergessen , dass du das Gewaltigste suchtest - nicht so , Kaidôh ? Du wolltest dich mal mit dem Unnennbaren , der alles ist , vereinen . Das liegt nun hinter dir , nicht wahr ? Du musst nicht so masslos in deiner Gier sein . Verbinde dich doch mit dieser Himmelsblüte ! « Kaidôh sieht die Tempeldächer noch lange an , lässt das Gold und das Silber , das Blau und Grün , die Würfel , Perlen , Pyramiden , Kometen , Granaten und die Wolken mit den bunten Glaslichtern so recht fest in seinen Augen wirken und erwidert dann langsam : » Diese Himmelsblüte ist ein grosses Glanzwunder - aber sie umschliesst nicht alles . Sie zeigt die Mannigfaltigkeit der Welt in sehr stark vereinfachter Form mit vereinfachtem Farbenspiel ; durch Regelmässigkeit ist alles vereinfacht . « » Die Welt ist , « spricht da hart die grosse Liwûna , » so entsetzlich grossartig , dass sie selbst von Sternriesen nur in einem vereinfachten Sinnbilde zu erfassen ist . Bedenke nur , was schon alles aus der blossen Vermischung von Farben und Formen entsteht . « » Ich empfinde , « fährt nun Kaidôh fort , » diese Tempeldächer als Bestandteile von Häusern . Und alles Hausartige hat für mich etwas Schneckenartiges . Dass selbst Sternriesen noch des Hauses bedürfen , verkleinert sie in meinen Augen um ein ganz Beträchtliches . Ich liebe es - ganz frei im All zu sein - ohne beengende Kräfte , die uns doch bloss die Aussicht ins All - ins Ganze - versperrt . Ich will nun mal im Ganzen aufgehen - und nicht in neuen Kapseln . Und daher fürchte ich , dass ich selbst dann , wenn ich mich mit dieser Himmelsblüte unlöslich für ewig verbunden hätte , genau dieselbe Sehnsucht haben könnte - wie bisher . « Nach diesen Worten ist es still im weiten All . Dann aber hört Kaidôh ein donnerndes Lachen neben sich . Und er fragt verwundert : » Kann Liwûna lachen ? « Doch das Lachen tönt so laut , dass seine Worte von dem Lachen verschluckt werden . Und während des fortwährenden Lachens neben sich wird die Himmelsblüte kleiner und kleiner - ziemlich rasch . Kaidôh steigt noch schneller empor . Ihm ist dabei