- kombinieren dürfen ? schaltete Elimar ein . Auch dagegen muß ich auf das entschiedenste protestieren ! rief Herr Wollberg . Ein solches Durcheinanderrühren der Stile ist schon das Kunstwidrigste , was es giebt . Jeder für sich und Gott für uns alle . Die Gesellschaft kann ja dann ihre Wahl treffen . Und wer die Wahl hat , hat die Qual , sagte Elimar . Indessen , Herr Wollberg , ich hoffe , daß dies noch nicht Ihr letztes Wort ist . Nun aber , meine Herrschaften , werden wir , um weiter zu kommen , wohl oder übel auf den Antrag des Herrn Wollberg eingehen müssen . Wollen Sie also , Herr Professor , die Güte haben , uns Ihre Vorschläge mitzuteilen ! Ich möchte denn doch gehorsamst bitten , sagte der Professor , sich abermals erhebend , diese Aufforderung zuerst an den zu richten , von dem der Antrag ausgegangen ist . Also , Herr Wollberg , bat Elimar . Ich werde mich hüten , mir zuerst die Finger zu verbrennen , murrte Herr Wollberg . Ja , aber , meine Herren , sagte Elimar , sie werden mir zugeben , daß wir so nicht von der Stelle kommen . Na , meinetwegen ! rief Herr Wollberg . Man soll wenigstens nicht sagen können , ich bin ein Spielverderber , wenn ich auch zum voraus weiß , daß - na , es wird sich ja gleich zeigen . Also , meine Herrschaften , ich habe hier einen ganzen Packen Blätter , wie Sie sehen - alles Reproduktionen von Gemälden aus unsern letzten Kunstausstellungen . Die habe ich gewählt , weil sie noch in Erinnerung von aller Welt sind , oder doch sein sollten . Und ich habe immer gefunden , die Leute sind nicht dankbarer , als wenn man ihnen Sachen zeigt , die sie kennen . Darin sind sie wie die Kinder . Ich werde die Blätter , eines nach dem andern , herumgehen lassen ; die Herrschaften können sich dann selbst überzeugen . Also ! Hier ist zuerst die Blinde von Piglhein . Ein Wort zum Lobe dieses ausgezeichneten Bildes zu sagen , ist wohl überflüssig . Ich darf also annehmen , daß die Blinde acceptiert ist . Hier erhob sich Professor Hederich : Mir scheint die Annahme denn doch etwas gewagt . Der Herr Kollege selbst hat eben erst jedes Kompromiß von der Hand gewiesen und der Gesellschaft nur die Wahl zwischen ihm und mir gelassen . Zwischen meinen und Ihren Vorschlägen , wollen Sie sagen ! rief Herr Wollberg höhnisch . Das dürfte auf dasselbe herauskommen , erwiderte der Professor , jetzt schon sichtlich gereizt . Übrigens unterbreche ich Sie nicht , wenn Sie das Wort haben , und darf mir wohl vice versa dasselbe von Ihnen erbitten . - Nun ist es aber ohne weiteres klar , es kann unter diesen Umständen von der Annahme eines einzelnen Bildes nicht die Rede sein , sondern nur von der ganzen Serie ; notabene , nachdem ich vorher ebenso meine Vorschläge gemacht habe und der Gesellschaft das ganze beiderseitige Material unterbreitet ist . Was speciell das Piglheinsche Bild betrifft , darf ich denn doch die Bemerkung nicht unterdrücken , daß es mir für unsere Zwecke völlig ungeeignet scheint . Nun hört aber verschiedenes auf ! rief Herr Wollberg . Denn , meine Herrschaften , fuhr der Professor fort , diesmal ohne auf die Unterbrechung zu achten ; der - nebenbei für meinen Geschmack stark gesuchte und raffinierte - Reiz des Bildes liegt in der die Nerven des Beschauers pickelnden , respektive auf seine Thränendrüsen berechneten Grausamkeit , mit welcher hier die hilflose Blindheit in schärfsten Gegensatz gebracht ist zu einer in allen Farben prangenden Welt um sie her . Nehmen Sie ein Glied des Gegensatzes weg , so ist es mit der Wirkung vorbei . Ich möchte aber wissen , wie Herr Wollberg es zustande bringen will , in seinem lebenden Bilde die Gestalt mit der hier völlig unentbehrlichen Landschaft zu umgeben . Das würde ja dann wohl meine Sache sein , sagte Herr Wollberg höhnisch . Meine gewiß nicht , gab der Professor nicht minder höhnisch zurück . Wir dürfen wohl annehmen , fiel hier Elimar begütigend ein , daß Herr Wollberg sich seine Vorschläge , auch hinsichtlich ihrer Ausführbarkeit , reiflich überlegt hat . Ich möchte ihn also bitten , fortzufahren . Schön ! sagte Herr Wollberg . Die beiden nächsten Blätter also , welche während der Rede des Herrn Professors Zeit genug gehabt haben , die Runde zu machen , sind die beiden pietá von Klinger und Stuck . Die Damen haben eine verwunderte Miene gemacht ; einige Herren die Köpfe geschüttelt , einige , offenbar nur aus Höflichkeit nicht gelacht . Ich habe es nicht anders erwartet . Die große Kunst ist eben noch nicht salonfähig , aber sie muß es werden ; die Welt will zur Anerkennung des wahrhaft Schönen allemal gezwungen sein . Gott sei Dank werden die Bänke , auf denen die Spötter sitzen , schon mit jedem Tage kürzer . Übrigens will ich zur Beruhigung der zarten Seelen doch bemerken , daß ich mir in dem lebenden Bilde den Leichnam des Herrn gemalt denke . Bis wir uns so weit aufgeschwungen haben , in dem in dem lebendigen , nackten Menschenleib ein für allemal das Meisterwerk der Schöpfung zu sehen und zu bewundern , wird wohl noch viel Wasser bergab fließen müssen . Nach dem Wagnis mit den beiden pietá hatte der junge Künstler für seine übrigen Vorschläge freie Bahn . Thoma ' s Versuchung Christi , Looschen ' s Luna und Abendstern , Skarbina ' s die Mansardentreppe hinabsteigender Blusenmann , Uhde ' s Schauspieler - man ließ die Blätter cirkulieren , ohne seinen Empfindungen , welcher Art sie auch waren , durch Worte oder Mienen einen Ausdruck zu geben . Es kam die Reihe an den Professor Hederich , nun seinerseits die Gesellschaft mit seinen Vorschlägen bekannt zu machen . Wie immer , wenn er