gibt es garnicht . Wirklich ! Wir kennen nur Augenblicksgenüsse . Darum darf man sich nicht darauf beschränken , bloß große noch erhabene Gefühle zu suchen und zu pflegen - die kann man doch nicht immer haben . Man muß auch an allem , was klein ist , sich ergötzen . Sonst wird man sehr oft unbefriedigt und unglücklich sein . Da drüben die blanken Messingkessel und die bunten irdenen Tiegel - die sind mir auch allmählich lieb und wert geworden . Ich suche an jeder Kleinigkeit etwas zu finden . Deshalb esse ich auch so bedächtig - mit Verstand , wie Du zu sagen pflegst . Man muß sich an den Augenblicksgenüssen festklammern , als wären sie alles , was wir jemals erreichen könnten . Die großen erhabenen Stimmungen sind eigentlich auch nur für den Augenblick da . Ja - immer kann man sich nicht für große Dinge und für große Empfindungen - für das stark und heftig Erregende - begeistern - oder man lügt sich was vor - oder das Große ist nicht mehr groß . « » Ich möchte noch viel öfter « , bemerkt zaghaft die kleine Tarub , » mit Dir zusammen sein . Du mußt mir noch Vieles erklären . Ich verstehe Dich zuweilen nicht so rasch . Willst Du noch Wein , Safur ? « » Gutes Kind ! « entgegnet er freundlich , » ach ja ! ein wenig ! « Safur sitzt da in seinem braun und blau gestreiften Beduinengewande - wie ein hockendes Zebra . Er stützt den Kopf in die Hand . Das feine schmale Gesicht mit dem ganz schmalen feinen Nasenrücken sieht nachdenklich auf die schimmernde große Muschel , in der noch wie eine große grüne Perle eine Olive ruht . Aus Saids Garten weht ein starker Blumenduft in die Küche . Vom Feuer her riecht man jetzt das kochende Fleisch - ganz schön ist das . Im rußigen Schornstein hängen geräucherte Lammrippen . Der rote Ziegelboden ist sauber gescheuert . Neben dem Herde steht noch der schmutzige Scheuereimer . Und die Tarub in ihrem grünen Wollrock wirtschaftet in ihrer Küche so eifrig herum , daß Safur ganz erstaunt ist - der versteht niemals , wie man das Wirtschaften so wichtig nehmen kann . Wieder bringt sie Wein - aber sie hat ihn diesmal gewürzt mit alten getrockneten Kräutern , die sie aus alten Büchsen und Dosen hervorkramte . Der Wein duftet nun noch schöner als das Fleisch im Kochtopf - fast schöner als Saids Blumen . Safur und Tarub trinken . Der Wein macht den Dichter ganz tiefsinnig . » Der Mensch « , flüstert er - so als wenn er allein wäre , » kann nicht in einem fort lachen , kann auch nicht fortwährend weinen , kann nicht immer traurig sein und auch nicht ewig sich selig fühlen . Dieses glaube ich . Daher muß man die einzelnen Augenblicke des Lebens gesondert genießen und vor allem nicht immer geneigt sein , jeden Augenblick zu verlängern . Jede Lust währt ihre Zeit - wenn sie vorbei ist - dann ist sie vorbei . Daran muß man sich gewöhnen . An jedem Tage - in jeder Stunde sieht unser Wohlbehagen und unsre Erregung ganz anders aus . Oft ist uns auch die Unruhe und das Unbehagen nötig . Die schmerzlichen Empfindungen sind auch von manchen Genüssen garnicht zu trennen ... « Das alles ist nun nichts für die Tarub - die will ihn daher auf andre Gedanken bringen , er soll nicht soviel denken - sie erzählt ihm : » Du , Dichter ! Hör bloß ! Die Abla steht jetzt den ganzen Tag vor ihrem neuen Spiegel . Schrecklich ! Nicht ? « » Das verleidet ihr « , entgegnet der Dichter , » den Genuß . An einer und derselben Sache kann man nicht stets das nämliche Wohlgefallen empfinden . Der Genuß läßt sich nicht wie ein Gummiband verlängern . Wir müssen immer wieder neue Reize suchen - sonst stumpfen wir ab . Selbst gebratenen Windfisch kann man nicht alle Tage essen . « Der Dichter , der sich jetzt sehr weise vorkommt , erhebt sich , bewundert die Sauberkeit der Küche , vergleicht Tarubs Küche mit einigen andren , sehr schmutzigen Küchen und schaut dann nachdenklich in eine tiefe Holzwanne , in der sich ein paar dicke Aale wild herumtummeln ; sie winden sich durcheinander und hauen sich mit den Schwanzspitzen ... Tarub rührt Teig - aus dem dunkle Kronenklöße gemacht werden sollen - hurtig zurecht . Alles geht sehr flink ... Und beim Teigrühren erzählt die Tarub , daß sie des Morgens jene schöne gelbe Schüssel , aus der Safur zum ersten Male in ihrer Küche gegessen - und zwar junge Hühner in altmekkanischer Brühe - fallen gelassen habe und daß die schöne gelbe Schüssel zerschlagen sei . Diese Nachricht stimmt den Dichter sehr sehr traurig , er umarmt seinen Bären und wird ganz gerührt . Und die Tarub beginnt nun , in alten Erinnerungen zu kramen ; das Kramen mag sie für ihr Leben gern . » Safur « , hebt sie an , » weißt Du auch , daß Du mir damals noch die schöne Zuckerbüchse mit Deinem alten Säbelknauf verbeultest ? « » Ich weiß « , sagt der Dichter . Er berührt gleichzeitig mit den Fingerspitzen ein paar dicke blutige Rindskeulen , die an kräftigen Eisenhaken vor der weißen Kalkwand hängen . » Oh ! « fährt aber der Bär fort , » weißt Du auch noch , wie Du da drüben an der Wand auf den weißen Mehlsäcken saßest , mit den Füßen strampeltest und mir Dein erstes Gedicht an Deine Tarub vorlasest ? Weißt Du noch ? Mir waren gerade die Speckstücke ins Feuer gefallen . « » Ich weiß « , ruft lachend der Dichter . Er schiebt einen leeren Weinschlauch mit dem rechten Fuße an die Wand , nimmt das Beil vom Nagel und hackt seiner braunen Köchin ein bißchen Holz klein . Das Kochgeschirr