und doch ..... Es war etwas anwesend , ein Zweites , etwas Häßliches . Sie fühlte es , ohne es zu sehen . In diesem Augenblick glitt eine tastende Hand neben ihr hin . Hildegard stieß einen Schrei aus , sprang aus dem Bette und warf sich auf den schleichenden Feind . » Na nu , Se erdrücken mir ja , Hülfe , Hülfe ! « » Sie sinds , Sie ! .... Was suchten Sie hier ? « » Na , na , vorerst wenn ick bitten darf , lassen Se mir jefälligst los , ick bin keen Huhn nich , det man so mir nichts , dir nichts anpackt . « » Ich lasse Sie nicht los , bevor Sie - « » Um Gotteswillen , was geschieht hier ? « Fräulein Schulze , eine brennende Kerze in der Hand , stürzte herein . » Was geschieht , was ist los ? « » De Frau ist doll - « » Fräulein Schulze , Sie haben da eine Gaunerin im Hause . Zum zweiten Mal hat sie mir einen nächtlichen Besuch gemacht . « Und ohne eine Äußerung ihrer Wirtin abzuwarten , die zappelnde Magd mit sich schleppend , trat sie in das andere Schlafzimmer . » Leuchten Sie « herrschte sie die Zimmervermieterin an , und näherte sich dem Nachtkästchen . » Aha , hier ist die Lösung des Geheimnisses . Da liegt Ihre Börse . Liegt sie jeden Abend da ? « Fräulein Schulze erblaßte . » Jawohl . « » Det bitt ick mir aus « geiferte die Dienerin , von Hildegard freigegeben . » Ick bin eene anständige - « » Schweigen Sie sofort « sagte Hildegard ruhig , » in der Nacht , als wir unsere Schlafzimmer vertauscht hatten , ohne daß Sie davon wußten , erschienen Sie und suchten die gewohnte Börse Ihres Fräuleins , um sie zu erleichtern . Diese Nacht , als sich das Wechseln der Zimmer ohne Ihr Wissen wiederholte , erschienen Sie abermals an meinem Nachtkästchen , um den gewohnten Diebstahl zu begehen . Fräulein Schulze , ich fordere Sie auf , den Koffer dieser Person zu untersuchen . Das Geld , das sie Ihnen gestohlen hat , wird wol kaum darinnen zu finden sein , hingegen wer weiß , was alles sonst . « Die Direktrice schlug die Hände zusammen . » Aber Anna , nein - « » Lassen Se mir zufrieden , ick jeh noch diese Nacht ; mit eener Dollen - « sie deutete auf Hildegard , » bleib ick nich unter eenem Dach . « » Fräulein Schulze « wiederholte Hildegard bestimmt , » Sie sind mir , Ihrer Mieterin es schuldig , die Sachen dieser Betrügerin zu untersuchen . Wer weiß , was sie auch mir entwendet hat . « Die noch immer vor Schrecken fast wortlose Vermieterin trat ins Vorzimmer an den Korb der Magd , dessen Deckel nur lose geschlossen war . » Da wird nichts sein « sagte sie sich niederkauernd , » er ist ja nicht einmal verschlossen . « » Bitte öffnen Sie nur « drängte Hildegard , » diese Person ist so frech , daß ich ihr zutraue , ihre Diebstähle ganz offen auszuführen . « Hildegard hatte recht gehabt . Schon nach den ersten Kleidungsstücken , die Fräulein Schulze heraushob , kamen verschiedene Wäschestücke , die ihr gehörten , zum Vorschein . Die Diebin sah mit gekreuzten Armen und mit höhnischem Lächeln zu . » Sachen , die ick für det Fräulein stopfen sollte . « » Aber es sind ja gerade Stücke , die noch ganz neu und gut sind , Anna . « » Reden Sie doch nicht , « rief Hildegard ungeduldig , » die Person ist als Diebin entlarvt und muß der Polizei übergeben werden . « Fräulein Schulze brach in Thränen aus und stand auf . » Nein , nein , es kann ja nicht sein , nicht wahr Anna ? reden Sie doch . « » Fiel mir in « sagte die Magd wegwerfend , » ick jehe jleich , oder wolln Se mir wirklich arretieren lassen , dann wart ick so lange . « » Ja , Sie werden so lange warten « rief Hildegard und sah sich nach Hut und Mantel um . » Was wollen Sie thun ? « Fräulein Schulze ergriff sie beim Arm . » Mag das Mädchen ziehen ! Aufsehen in meinem Hause um keinen Preis ! - Gehen Sie , Anna , machen Sie schleunig . « Ein grinsendes Lächeln erschien auf dem Gesichte der Diebin . » Sehn Se woll . In Berlin is man mit ' n Leuten höflicher , als in Ihrem Provinzwinkel . Na , nu leuchten Se mer aber ooch hübsch hinunter . « Sie nahm etliche Kleidungsstücke vom Kleiderrechen herab , warf ihre Jacke um und faßte den Korb . » Na wolln Se mer leuchten , oder nich ? Wenn ick mir Hals und Beene uff der Treppe breche , müssen Se mir Schadenersatz zahlen . « Hildegard stellte sich vor die Thür . » Sie lassen die Diebin doch nicht entwischen . « Fräulein Schulze langte den Hausthorschlüssel herab . » Kommen Sie , Anna , kommen Sie . « Dann gingen beide die Treppe hinab . » Sie haben ein schweres Unrecht begangen « sagte Hildegard , als das Fräulein wieder heraufkam . » Solche Leute läßt man nicht laufen . Was nun , wenn sie in einer anständigen Familie eintritt und ihr Diebshandwerk von neuem beginnt ? « » Ach , was geht mich das an ? « Fräulein Schulze sank kraftlos auf das Sopha , das der Magd als Lager gedient hatte . » Hören Sie , das ist aber ein böser Standpunkt « meinte Hildegard erregt auf- und niederschreitend . Dann trat sie vor ihre Wirtin hin . » Fräulein Schulze , haben Sie denn nie gemerkt , daß Ihnen Geld fehlte ? « Die Angeredete senkte die Augen und