Wort wurde gesprochen . Graf Egge ruderte ungestüm , und Fräulein Herwegh saß über das Geländer geneigt und ließ die Fingerspitzen über das dunkle Wasser streifen . Sie schien es wie eine Erlösung zu begrüßen , als der Nachen endlich vor der Steintreppe der Villa hielt . Hastig erhob sie sich , und von Forbeck mit raschem Gruß sich verabschiedend , verließ sie das Boot . Tassilo folgte und reichte ihr den Arm . Im schwarzen Schatten der Bäume verschwanden sie , und Forbeck hörte ihre leisen Stimmen . An der Villa ging eine Tür , und Graf Egge erschien wieder bei der Landungstreppe . » Wo wohnen Sie , lieber Forbeck ? « » Dort drüben hinter den Villen , in einem Bauernhäuschen , wo ich eine Stube mit gutem Licht gefunden habe . Aber wenn Sie gestatten steige ich beim Seewirt ab . « Tassilo stieß das Boot von der Mauer . » Hoffentlich finden wir beim Seewirt noch offen , und wenn es Ihnen recht ist , leiste ich Ihnen noch ein Stündchen Gesellschaft . « » Aber ich bitte , Herr Graf ! « » Keine Förmlichkeiten ! Wenn es schon ein Titel sein muß , sagen Sie : Doktor ! « Forbeck lächelte . » Das geht mir auch leichter von der Zunge . « Das Ufer war erreicht . Auf der Terrasse des Wirtshauses brannten noch einige Lichter ; die Tische standen leer ; ein letzter Gast schäkerte zum Abschied mit der drallen Kellnerin . Tassilo und Forbeck schritten über den mondhellen Landeplatz der Treppe zu . Plötzlich verhielt Graf Egge den Fuß . » Herr Forbeck ! Diese unerwartete Begegnung mit Fräulein Herwegh scheint Sie überrascht zu haben . Ich möchte jeder Mißdeutung vorbeugen . « » Sie kränken mich ! « erwiderte Forbeck ernst . » Ich kenne Sie , Herr Doktor , und weiß , daß Fräulein Herwegh nicht nur eine gefeierte Künstlerin ist , sondern auch eine Dame , die keine Mißdeutung zu befürchten hat . « » Ich danke Ihnen für dieses Wort . Und nun hab ' ich doppelte Ursache zu sprechen , obwohl ich Sie aus zwingenden Gründen um Ihr Schweigen bitten muß . Sie sind der erste , der es erfährt . Fräulein Herwegh ist meine Braut . « In herzlicher Bewegung streckte Forbeck die Hand . » So darf ich auch der erste sein , der Sie beglückwünscht . « » Glück ! Ja , Forbeck ! Was sich ein Menschenherz an Glück nur träumen kann , das hab ' ich gefunden . Und ich danke für Ihren Wunsch , denn ich weiß , er kommt aus ehrlichem Herzen . Es hat mich immer zu Ihnen hingezogen , Sie sind ein tüchtiger Mensch , und ich möchte den glücklichen Zufall festhalten , der uns heute zusammenführte . Wir wollen gute Freunde sein ! « Mit festem Druck umspannten sich ihre Hände ; dann betraten sie die Terrasse . Margaret , die Kellnerin , begrüßte wohl den » gnä Herrn Grafen « mit aller Dienstbeflissenheit , aber ihrem müden Gesicht war es anzumerken , daß ihr die beiden verspäteten Gäste keine Freude bereiteten . Die Auskunft , die sie zu geben wußte , war wenig tröstlich : die Küche geschlossen , das Faß auf der Neige . Forbeck mußte sich mit kaltem Braten begnügen , aber dazu fand sich eine gute Flasche Rheinwein . Das Gähnen überwindend , stäubte Margaret die Brotkrumen vom Tischtuch und zog sich in einen dunklen Winkel der Terrasse zurück , wo sie nach wenigen Minuten in unbequemer Stellung die bleischweren Lider schloß . Über See und Ufer flimmerte der Mondschein , sacht rauschten die Bäume im lauen Wind , und mit dem Gewisper des Laubes mischte sich das leise Geplätscher des Wassers , das gegen die Pfähle der Schiffshütten schwankte und die angeketteten Boote bewegte . Forbeck erzählte von dem Ergebnis seiner vierzehntägigen Studien . » Dieser Bergwinkel ist die reine Goldgrube . Und jetzt liegen noch zwei Wochen vor mir . Professor Werner soll Augen machen , wenn er meine Mappe sieht . « » Ich wundere mich nur , daß er Ihnen so lange Urlaub gab ! « sagte Tassilo lächelnd . » Er hängt an Ihnen wie der Baum an seinem besten Ast . « Forbecks Augen leuchteten . » Werner liebt mich , mit dem Herzen des Künstlers , weil er an meine Begabung glaubt , weil er hofft , daß ein Teil seines Könnens in mir weiterleben wird . Das ist für mich ein glühender Sporn . Aber es bedrückt mich auch manchmal mit Angst . Wenn er sich täuschte in mir ! « » Aber Forbeck ! Wie kommen Sie auf solche Gedanken ? Gerade das Vertrauen , das Werner auf Sie gesetzt hat , sollte Ihnen Selbstbewußtsein geben . Er hat scharfe Augen für alles , was Talent heißt . Bei Ihnen ist er seiner Sache sicher . « » Das halte ich mir manchmal vor und habe dann wieder Mut und Kraft . Aber jeder von uns , der es ernst meint mit seiner Kunst , kämpft den ewigen Kampf mit dem Drachen des quälenden Zweifels . Wenn meine Zweifel recht behielten , das wäre ein Unglück auch um Werners willen . Das wäre ein Riß in seinem Leben , ich beginge damit ein Verbrechen an ihm , noch schlimmer als Verrat und Undank eines Kindes . Er ist mir doch wirklich wie ein Vater . Was ich kann , was ich bin , alles verdanke ich ihm ! Als ich noch Eltern hatte , war ich ein verlorenes Geschöpf . Unter seinen Händen bin ich ein neues Menschenkind geworden . Er darf und soll sich in mir nicht täuschen ! « » Da glaub ' ich eher , daß Sie noch mehr erfüllen werden , als Werner sich von Ihnen verspricht ! « Mit Wohlgefallen ruhte Tassilos Blick auf dem jungen Manne . » Aber er hätte Sie jetzt nicht von seiner