Ruh ist hin ... Und mit der Ihrigen , meine Herren , steht es nicht viel besser . Ich glaube , wir müssen wieder bei den Damen erscheinen , um an der Ära Adolar Krola teilzunehmen . Denn die beginnt jetzt . « Damit erhoben sich alle vier und kehrten unter Vortritt Treibels in den Saal zurück , wo wirklich Krola am Flügel saß und seine drei Hauptstücke , mit denen er rasch hintereinander aufzuräumen pflegte , vollkommen virtuos , aber mit einer gewissen , absichtlichen Klapprigkeit zum besten gab . Es waren : » Der Erlkönig « , » Herr Heinrich saß am Vogelherd « und » Die Glocken von Speyer « . Diese letztere Nummer , mit dem geheimnisvoll einfallenden Glockenbimbam , machte jedesmal den größten Eindruck und bestimmte selbst Treibel zu momentan ruhigem Zuhören . Er sagte dann auch wohl mit einer gewissen höheren Miene : » Von Loewe , ex ungue Leonem ; das heißt von Karl Loewe , Ludwig komponiert nicht . « Viele von denen , die den Kaffee im Garten oder auf der Veranda genommen hatten , waren , gleich als Krola begann , ebenfalls in den Saal getreten , um zuzuhören , andere dagegen , die die drei Balladen schon von zwanzig Treibelschen Diners her kannten , hatten es doch vorgezogen , im Freien zu bleiben und ihre Gartenpromenade fortzusetzen , unter ihnen auch Mister Nelson , der , als ein richtiger Vollblut-Engländer , musikalisch auf schwächsten Füßen stand und rundheraus erklärte , das liebste sei ihm ein Nigger , mit einer Pauke zwischen den Beinen : » I can ' t see , what it means ; music is nonsense . « So ging er denn mit Corinna auf und ab , Leopold an der anderen Seite , während Marcell mit der jungen Frau Treibel in einiger Entfernung folgte , beide sich über Nelson und Leopold halb ärgernd , halb erheiternd , die , wie schon bei Tische , von Corinna nicht los konnten . Es war ein prächtiger Abend draußen , von der Schwüle , die drinnen herrschte , keine Spur , und schräg über den hohen Pappeln , die den Hintergarten von den Fabrikgebäuden abschnitten , stand die Mondsichel ; der Kakadu saß ernst und verstimmt auf seiner Stange , weil es versäumt worden war , ihn zu rechter Zeit in seinen Käfig zurückzunehmen , und nur der Wasserstrahl stieg so lustig in die Höhe wie zuvor . » Setzen wir uns « , sagte Corinna , » wir promenieren schon , ich weiß nicht wie lange « , und dabei ließ sie sich ohne weiteres auf den Rand der Fontaine nieder . » Take a seat , Mister Nelson . Sehen Sie nur den Kakadu , wie bös er aussieht . Er ist ärgerlich , daß sich keiner um ihn kümmert . « » To be sure , und sieht aus wie Lieutenant Sangevogel . Does ' nt he ? « » Wir nennen ihn für gewöhnlich Vogelsang . Aber ich habe nichts dagegen , ihn umzutaufen . Helfen wird es freilich nicht viel . « » No , no , there ' s no help for him ; Vogelsang , ah , ein häßlicher Vogel , kein Singevogel , no finch , no trussel . « » Nein , er ist bloß ein Kakadu , ganz wie Sie sagen . « Aber kaum daß dies Wort gesprochen war , so folgte nicht nur ein lautes Kreischen von der Stange her , wie wenn der Kakadu gegen den Vergleich protestieren wolle , sondern auch Corinna schrie laut auf , freilich nur , um im selben Augenblicke wieder in ein helles Lachen auszubrechen , in das gleich danach auch Leopold und Mister Nelson einstimmten . Ein plötzlich sich aufmachender Windstoß hatte nämlich dem Wasserstrahl eine Richtung genau nach der Stelle hin gegeben , wo sie saßen , und bei der Gelegenheit allesamt , den Vogel auf seiner Stange mit eingeschlossen , mit einer Flut von Spritzwasser überschüttet . Das gab nun ein Klopfen und Abschütteln , an dem auch der Kakadu teilnahm , freilich ohne seinerseits seine Laune dabei zu verbessern . Drinnen hatte Krola mittlerweile sein Programm beendet und stand auf , um andern Kräften den Platz einzuräumen . Es sei nichts mißlicher als ein solches Kunstmonopol ; außerdem dürfe man nicht vergessen , der Jugend gehöre die Welt . Dabei verbeugte er sich huldigend gegen einige junge Damen , in deren Familien er ebenso verkehrte wie bei den Treibels . Die Kommerzienrätin ihrerseits aber übertrug diese ganz allgemein gehaltene Huldigung gegen die Jugend in ein bestimmteres Deutsch und forderte die beiden Fräulein Felgentreus auf , doch einige der reizenden Sachen zu singen , die sie neulich , als Ministerialdirektor Stoeckenius in ihrem Hause gewesen , so schön vorgetragen hätten ; Freund Krola werde gewiß die Güte haben , die Damen am Klavier zu begleiten . Krola , sehr erfreut , einer gesanglichen Mehrforderung , die sonst die Regel war , entgangen zu sein , drückte sofort seine Zustimmung aus und setzte sich an seinen eben erst aufgegebenen Platz , ohne ein Ja oder Nein der beiden Felgentreus abzuwarten . Aus seinem ganzen Wesen sprach eine Mischung von Wohlwollen und Ironie . Die Tage seiner eignen Berühmtheit lagen weit zurück , aber je weiter sie zurücklagen , desto höher waren seine Kunstansprüche geworden , so daß es ihm , bei dem totalen Unerfülltbleiben derselben , vollkommen gleichgültig erschien , was zum Vortrage kam und wer das Wagnis wagte . Von Genuß konnte keine Rede für ihn sein , nur von Amüsement , und weil er einen angeborenen Sinn für das Heitere hatte , durfte man sagen , sein Vergnügen stand jedesmal dann auf der Höhe , wenn seine Freundin Jenny Treibel , wie sie das liebte , durch Vortrag einiger Lieder den Schluß der musikalischen Soiree machte . Das war aber noch weit im Felde , vorläufig waren noch die beiden Felgentreus da , von denen denn auch