drobenauf schwimmt . Jetzt bitte ich dich , setze dich mal in meine Stelle und suche mit , euch dummen Jungen , seinen lieben Eltern und was sonst dazu gehört zum Trotz , aus so ' ner verschüchterten , zur Feldkatze verwilderten Dorfmieze wieder ein niedliches , nettes , reinliches , schnurrendes , gurrendes , liebes , liebstes kleines Mädchen zu machen . Na , nun tu noch mal die Schürze von den Augen und sich mich mit ihnen an ; sonst beißt es mich in meinen Augen auch , und das möchte ich doch hier des klugen , gebildeten Eduards wegen lieber vermeiden . So ist ' s recht , und nun laß uns die Zähne aufeinanderbeißen . Ich kann wahrhaftig nichts dafür , daß andere Leute das Recht zu haben behaupten , etwas anderes aus mir zu machen , als was in mir steckt . Da hast du meine Hand darauf , Jungfer Quakatz : ich komme wieder und behalte mir bis dahin alle meine Rechte hier an dieser Erdstelle vor , und den seligen Kienbaum soll doch noch mal der Teufel holen . Sage es deinem Vater , wenn er nach Hause kommt , daß ich es gesagt habe , Tinchen ! Und du , feiner Eduard , bitte , sieh gütigst noch mal hinein in die schöne Landschaft und auf die liebe Vaterstadt - schade , daß jetzt grade nicht die Glocken dazu läuten . So ist ' s recht , verlegener Jüngling - - - - « Ich sehe mich wirklich um - verschüchtert , verstört , verlegen . Ich sehe hinaus in die Landschaft und auf die Stadt drunten im Tale - kurz - ich sehe weg und vernehme im klingenden , summenden Ohre , hinter meinem Rücken , auf der alten Wallhöhe des Siebenjährigen Krieges , rasch hintereinanderfolgende Töne , die ich nur mit dem Namen Stopfkuchen ganz und gar in Einklang zu bringen weiß . Dazwischen ein unterdrücktes Geschluchz und Gekicher und dazu die Worte : » Ach Heinrich , Heinrich ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als ich wieder aufsehe , ist weiter nichts vorgefallen , als daß die Jahre hingegangen sind und daß die langen Wogen des großen Meeres unter dem Schiffe weiterrollen und es gegenwärtig gutmütig , ohne zu arges Rollen , Schütteln und Schüttern weitertragen , dem Kap der Guten Hoffnung zu . Zuerst sah das Ding noch gradeso aus , wie es vor Jahren ausgesehen hatte . Nur daß es heute in anderer Beleuchtung als an jenem Abschiedstage vor mir lag , nämlich im frischen , hellen Tagesschein , so um zehn Uhr morgens . Noch immer derselbe alte Wall und Graben , wie er sich aus dem achtzehnten Jahrhundert in die zweite Hälfte des neunzehnten wohl erhalten hatte . Die alten Hecken im Viereck um das jetzige bäuerliche Anwesen , die alten Baumwipfel darüber . Nur das Ziegeldach des Haupthauses , das man sonst über das Gezweig weg und durch es hindurch noch von der Feldmark von Maiholzen aus gesehen hatte , erblickte man heute nicht mehr . Dieses brachte mich denn darauf , daß die Hecken doch wohl gewachsen und die Baumkronen noch mehr über der Quakatzenburg sich verdichtet haben müßten . Es mußte unbedingt im Sommer noch schattiger als sonst auf der Roten Schanze geworden sein , und um dieses würdigen zu können , mußte man eben wie ich die Linie gekreuzt haben , um noch einmal nach Hause zu kommen , und sonst auch überhaupt jetzt dort zu Hause sein , wo es durchschnittlich im Jahre recht heiß ist und wo der Schatten manchmal ganz bedenklich mangelt . Ich sah hin , die Hände vor dem Leib übereinandergelegt ; und ich sah mir alles , da ich ja Zeit hatte und niemand auf der weiten Flur mich störte und die Lerchen in den Lüften nicht störten , sehr genau an , ehe ich den Graben des Grafen von der Lausitz überschritt . Da fiel mir denn bald noch ein anderes auf . Wie es innerhalb der Roten Schanze aussehen mochte - außerhalb derselben , so weit ihr Reich ging , erschien mir das Ding verwahrloster denn je . Sonst sah man es doch , trotz aller Verfemung , dem Dammweg sehr an , daß der kriegerische Aufwurf im fetten Ackerboden dieser Landschaft zu der Umwallung eines friedlichen Bauernhofes geworden war , daß Mensch und Vieh darüberhin ein und aus gingen , daß Mist- und Erntewagen darüber hinfuhren , daß der Mensch , trotzdem daß Kienbaum von hier aus totgeschlagen worden war , auch hier noch seiner Nahrung und seinem Behagen nachging . Dem schien jetzt nicht mehr so zu sein . Eine Römerstraße , auf der vor , während und nach der Völkerwanderung Tausende totgeschlagen worden waren , konnte im laufenden Saeculo nicht mehr überwachsen und von Grasnarbe überzogen sein wie die alten Radgleise und Fußspuren , die über den Graben des Prinzen Xaverius von Sachsen auf dem Dammwege des Bauern zu der Roten Schanze führten . Es leitete jetzt nur noch ein ganz schmaler , schmaler Fußpfad , ohne Radgleisen , Huf- und Klauenspuren daneben , durch das hohe Gras . Quendel , blaue Glockenblume , Löwenzahn , Thymian , und was sonst im Grunde das meiste Recht hier hatte , brauchte sich nicht mehr scheu wegzuducken oder sich von Huf , Klaue und Schuhsohle alles gefallen zu lassen . Nun soll es mich doch wundern , dachte ich . Es ist doch wirklich , als ob das Gras auch hinter ihm wieder aufgestanden sei ! Und damit setzte ich den Fuß auf den Damm und in den engen Pfad , der zu Stopfkuchen hinüberführte , wie er vordem zum Bauer Andreas Quakatz hinübergeführt hatte , und - hielt noch einmal an . Es war noch ein Drittes jetzt hier am Eingange anders geworden als sonst : wo steckten