, gute Nacht , Mutter . Ich bin müde . « Und dabei nahm er einen Blaker und das Amerika-Buch und stieg in seine Giebelkammer hinauf . Oben aber schob er einen Stuhl an sein Bett . Und eh er das Licht auslöschte , sah er noch einmal auf den Titel des Buchs . Der lautete : » Die Neue Welt oder Wo liegt das Glück ? « Opitz hatte wirklich , ganz wie Frau Menz erzählte , während der Brückenberger Hochzeit in entgegenkommender Weise mit sich reden lassen , und als Siebenhaar , wie durch einen glücklichen Zufall , am folgenden Tage schon einen schwarzgesiegelten Brief empfing , der ihn in die Notwendigkeit versetzte , für einen unbemittelten und brustkranken Amtsbruder samt Schwägerin und fünf in kürzesten Zwischenräumen aufeinander gefolgten Kindern ( die Mutter war dann schließlich im Kindbett gestorben ) eine hochgelegene , möglichst geräumige , vor allem aber möglichst billige Wohnung im Gebirge zu mieten , beschloß er , sich dieses Auftrages auf der Stelle zu entledigen und bei der Gelegenheit seinen längst beabsichtigten Besuch bei den Menzes in Wolfshau zu machen und seinen Freund Lehnert wissen zu lassen , daß alles gut stehe . Siebenhaar , trotz seiner siebzig , war noch ein rüstiger Steiger und hielt deshalb zu dem Satze , » was sich zu Fuß tun lasse , nicht auf kostspielige Weise zu Roß und Wagen machen « . Er griff also zu Hut und Stock , um gegen elf in Krummhübel und , nach einem Imbiß in der » Schneekoppe « , spätestens um zwölf in Wolfshau zu sein . Der Morgen war prachtvoll , und der Heugeruch zog vom Feld her über den Weg . Aber dieser selbst , trotzdem es die große chaussierte Straße war , war noch wenig belebt , und erst als Siebenhaar , an der Untermühle vorbei , bis an die steile , zu den ersten Häusern von Krummhübel hinaufführende Berglehne gekommen war , war auch Leben da : die Schule war aus , und die flachsköpfige Jugend , Jungen und Mädchen , mit Mappen unterm Arm und auf dem Rücken , stürmten übermütig den Abhang hinunter . Aber mit einem Male Siebenhaars ansichtig werdend , hielten sie mitten im Jagen inne und grüßten und stürmten dann erst weiter . Dem alten Herrn lachte das Herz bei dieser Begegnung , und die Freude darüber erleichterte ihm den Aufstieg bis auf die Höhe , von der aus , bis weiter hinauf zum Exnerschen Gasthause , nur noch eine kleine Strecke war . Aber so klein sie war , so war sie doch bestimmt , ihm eine freundliche Überraschung zu bringen : eine Feuerwehrparade . Für gewöhnlich war diese , samt nachfolgender Mannschaftsübung , eine Sonn- und Feiertagssache , die Brückenberger Hochzeit aber , die gestern alles in Atem erhalten hatte , hatte diesmal eine Verlegung gefordert , und so kam es denn , daß Siebenhaar an einem Schauspiel teilnehmen konnte , das er seit Jahr und Tag nicht mehr gehabt hatte . Die Dorfgasse hinauf , hart an einem kleinen Rinnsal entlang , standen die Spritzen und Wasserwagen , aus deren Mitte hohe Leitern aufragten , während auf dem frei gebliebenen Straßenteil die Feuerwehr selber stand , dreigliedrig aufmarschiert , prächtige Gestalten in bayerischen Helmen und mit Musik am rechten Flügel . In Front seiner Mannschaften aber stand Exner junior aus der » Schneekoppe « , der , ein Jahr jünger als Lehnert , gleich nach dem Kriege bei den Görlitzern gedient und den Schneid und Pli dieser erlesenen Truppe weggekriegt hatte . Das , und mehr noch seine gesellschaftliche Stellung als Reichster und deshalb Erster im Dorf , hatte dafür Sorge getragen , daß ihm das Feuerwehrkommando wie selbstverständlich zugefallen war . Er war gekleidet wie der Rest der Mannschaften , roter Kragen und Aufschläge zu dunkelblauem Rock , trug aber die Galons und Achselbänder des Offiziers . Die von ihm abzunehmende Revue hatte just abgeschlossen , wie kaum gesagt zu werden braucht , » zu seiner besonderen Zufriedenheit « , und eben schien er den Befehl zum Abmarsch auf das mehr talwärts gelegene Dorf Steinseiffen zu , wo dann mit Leitern und Rettungsapparaten ein Scheinfeuer bekämpft werden sollte , gehen zu wollen , als er , des alten Siebenhaar , seines Freundes und Lehrers , ansichtig werdend , sich plötzlich eines andern besann und » Stillgestanden ... Rückwärts richt ' t euch ... Präsentiert das Gewehr « kommandierte . Wie da die Griffe klappten ; alles fuhr stramm zusammen , und unter Ehrenbezeigungen wie diese passierte der Alte die für ihn freigegebene Gasse . Nun erst nahm Exner sein ursprüngliches Kommando wieder auf : » Rechtsum .. . Feuerwehr , marsch « , und unter Trommelschlag und Querpfeife setzte sich der lange Zug bergab , auf Steinseiffen hin , in Bewegung . Aber eine kleine Strecke nur , dann schwiegen die Trommeln und Pfeifen , und Horn und Klapptuba stimmten statt ihrer eine militärische Musik an , und Becken und Pauke fielen ein . Siebenhaar , ein alter Burschenschafter , sah ihnen nach , und eine Träne stand in seinem Auge : » Wie dank ich dir , Gott , diese Tage noch erlebt zu haben « , und erst als die Kolonne seinem Blick entschwunden war , stieg er weiter hinauf auf den Exnerschen Gasthof zur » Schneekoppe « zu , woselbst er einen Imbiß nehmen und wegen der für den Amtsbruder zu mietenden Wohnung einige Erkundigungen bei der guten alten Frau Exner , der Mutter des Feuerwehrkommandanten , einziehen wollte . Selbstverständlich nahm Siebenhaar , als er sein vorläufiges Ziel erreicht hatte , seinen Platz in Front der Halle , just an der Stelle , wo sonst Espes und Lieutenant Kowalski zu sitzen pflegten . Der Garten war , der frühen Stunde halber , noch leer , und nur in der Siebenhaar zunächst befindlichen Laube standen , angesichts einer über den Tisch hin ausgebreiteten Karte , drei Touristen von eleganter und beinah weltmännischer Haltung ,