Mittagessen , eintreffen sollten , stand bevor . Sie kamen auch richtig angefahren , auf die Minute , zwei Seelen und vier Seelchen . Im letzten Augenblicke hatte Wilhelm sich erweichen lassen durch die traurigen Gesichter , mit denen die jüngeren Rangen den Vorbereitungen zur Abfahrt der Eltern zusahen , und sie mitgebracht . Sie waren ja noch so dumm und versäumten nicht gar viel Lernerei . Vater und Mutter baten dringend , sich nicht im geringsten um sie zu kümmern , sie nur im Garten herumlaufen zu lassen . Das Vertrauen konnte man ihnen schenken , daß sie sich in acht nehmen und nicht in den Teich fallen würden . Auf irgendwelche Berücksichtigung bei der Mahlzeit hatten sie keinen Anspruch ; sie waren zu Hause abgefüttert worden , und überdies hatte jeder sein Stück Brot im Sacke und konnte damit bequem aushalten bis zur Heimkehr . Eine so ungastliche Behandlung sollten sie jedoch nicht erfahren , vielmehr durften sie ihre Brotration den Pferden bringen ; ihre Mutter und je zwei von ihnen wurden von Maria in der Ponyequipage im Parke herumkutschiert , während die zwei anderen dem Wagen nachrannten , um die Wette mit den Hunden . Bei Tische erhielten sie ihre Plätze nebeneinander , saßen kerzengerade und benahmen sich musterhaft . Trefflich regiert von den kurzen Kommandoworten des Vaters und den abmahnenden oder zustimmenden Blicken der Mutter , entfalteten sie bei aller Dressur einen kleiner Rothäute würdigen Appetit . Maria hatte sich auf die Freuden des heutigen Familienfestes mit uneingestandenem Grauen gefaßt gemacht , und jetzt erfüllte sie mit Vergnügen ihre Hausfrauenpflichten und unterhielt sich beinahe . Nicht nur mit den Kindern . Der biedere Mann , der , wie sie wußte , den Unterhalt seiner zahlreichen Nachkommenschaft schwer bestritt und ihrer etwaigen Vermehrung dennoch mit naiver Ergebung entgegensah , die Frau mit dem Typus ihres hochadeligen Stammes in den feinen Zügen , die sich ihrer abgearbeiteten Hände so gar nicht schämte und die Haube mit den gefärbten Bändern und das verschossene Foulardkleid so tapfer trug , flößten der neuen Verwandten die herzliche Wertschätzung ein , die bei ihr eine sichere Vorbotin künftiger Freundschaft war . Bald nach Tische trennte man sich . Hermann und Wilhelm ritten nach einem entlegenen Hof zur Besichtigung eines Baues , der dort aufgeführt wurde . Gräfin Wilhelmine und ihre Kinder kollerten heim in ihrem kürzlich neu lackierten , mit Bauernpferden bespannten grünen Wägelchen . Maria blieb allein und wollte ihre Einsamkeit zu einer Wanderung durch den Park benützen und einen schönen Aussichtspunkt am Ende desselben erreichen , von dem Hermann ihr gesprochen hatte . Sie nahm seine beiden Jagdhunde als Begleiter mit ; semmelfarbige , kurzhaarige , sehr kluge Tiere , die am Tage des Einzugs Marias begriffen hatten : in Abwesenheit des Herrn gibt es jetzt eine Herrin . Auf den Fersen folgten sie ihr , die Nasen gesenkt , mit tief herabhängenden Ohren , und wenn sich ' s regte auf der Wiese , im Gebüsch , im dunklen Schatten der Bäume , fuhren sie zusammen , hoben die Nasen in die Höhe , schnupperten , alle ihre Sehnen spannten sich zum Sprunge . - Ein Anruf aber : » Zurück ! Lord , Fly , zurück ! « und sogleich senkten sie die Köpfe und schritten dahin , gehorsam den Befehlen der Menschen , widerstrebend den Gesetzen ihrer eigenen Natur . Es war ein kühler Nachmittag ; Maria ging rasch vorwärts , von einem wohligen Gefühl der Freiheit beseelt . Daheim wäre ihr verwehrt gewesen , einen weiten Spaziergang allein zu unternehmen , und sie empfand einen großen Genuß in der Ausübung ihrer kaum erlangten Selbständigkeit . Alles trug dazu bei , ihre Wanderlust zu erhöhen , der wolkenlose Himmel , der über ihr blaute , die kräftige Luft , die , gewürzt mit Harzdüften , vom Tanne hergestrichen kam , die Frühlingslieder der Vögel in den Zweigen , die Schönheit der Stätte selbst , die Maria durchschritt . - Sie kam sich vor wie in einem Zaubergarten , den menschenfreundliche Geister pflegten . Sie hatten die Wege besandet , die Wiesen geschoren , die Hecken beschnitten , die Brücklein über den Bach gebaut . Sie hatten die bewimpelten Kähne am Ufer des Weihers befestigt , die Scheiben des Fischerhauses blankgescheuert , daß sie im Abendrot glänzten wie Gold , und waren nach vollbrachtem Werke verschwunden ohne Spur . Wie wohltuend , wie entzückend schön ist es hier , sagte sich Maria , und zugleich durchblitzt ' es sie : Wenn Tessin jetzt dastände und mich sähe in diesem kleinen irdischen Himmelreich ... Sie hatte ihn verbannen wollen aus ihren Gedanken , es nicht vermocht und - Frieden mit ihm geschlossen . Was war denn sein Verbrechen gewesen ? - Hatte er sie zu täuschen gesucht , je ein Wort von Liebe zu ihr gesprochen ? ... Und doch war sie beneidet worden um seine Aufmerksamkeit und hatte sich beneidenswert gefühlt und sich nicht Rechenschaft gegeben , worin seine Macht über sie bestand . Die unbestimmte , unerklärliche Angst , von der sie manchmal ergriffen worden in seiner Nähe , im Banne seiner Augen , durchrieselte sie ; eine Ahnung kommenden Leids beklemmte ihr die Brust . Sie war sich der Zeit nicht bewußt , die verflossen , seit ihre Wanderung begonnen hatte , und staunte , als sie , aus einem Fichtenhain tretend , die Sonne schon tief zum Untergang geneigt sah . Mit verdoppelter Geschwindigkeit eilte sie ihrem Ziele , einer Zirbelkiefer , zu , an deren gewaltigem Stamm eine leichte , geschnitzte Wendeltreppe zu einer runden Altane emporführte , über die der mächtige Baum sein grünes Schirmdach breitete . Die junge Frau lief die Stufen hinan , um von der hohen Warte aus noch einen letzten Blick des scheidenden Tagesgestirns zu erhaschen . Die Hunde folgten . - Plötzlich schien ihr , als schwanke die Treppe ... sie blieb stehen , wartete , an das Geländer gelehnt - das Schwanken dauerte fort . Es war nicht