ab und sagte : » Geh nach den Kleinen sehen , daß sie nicht unter die Räder kommen . « » Aber warum weinst du , Mama ? « » Du wirst schon sehen , mein Junge , « sagte sie , sein Haar streichelnd , » Löb Levy ist dabei - du wirst schon sehen . « Da ward er ganz ärgerlich auf seine Mutter ; wo alle sich freuten , warum mußte sie da im Winkel sitzen und weinen ? Aber nun war auch ihm die Freude abhanden gekommen , und als er Löb Levy in seinem langen schwarzen Hackenwärmer über den Hof schlenkern sah , hätte er am liebsten dem Karo einen Wink nach seinen Waden hin zukommen lassen . Die Zwillinge waren ganz von Sinnen vor Freude . Sie nahmen eine Leine und tollten mit Hott und Hü durch den Garten . Die eine war die Lokomobile und die andere das Pferd , aber jede wollte Lokomobile sein , denn dann bekam sie Vaters schwarzen Hut aufgesetzt - als Schornstein . Vor dem Schlafengehen hatten sie dem neuen Untier auch schon einen Namen gegeben . Sie behaupteten , es gliche der dicken Dienstmagd mit dem langen Halse , die vor kurzem wegen ihrer Unsauberkeit entlassen worden war , und nannten es nach ihr » die schwarze Suse « . Diesen Namen behielt die Lokomobile im Meyhöferschen Hause für alle Zeiten . Am andern Morgen ging das Hallo von neuem los . Die zehn angeworbenen Arbeiter standen auf dem Hofe und wußten nicht , was sie tun sollten . Meyhöfer wollte die Maschine heizen lassen , aber Löb Levy , der in der Scheune übernachtet hatte , um morgens sogleich zur Hand zu sein , erklärte , er wünsche vorerst den Kaufpreis in Empfang zu nehmen , wie es im Kontrakte abgemacht wäre , denn das Getreide müsse mittags bereits in der Stadt abgeliefert werden . » Welches Getreide ? « fragte die Mutter erbleichend . Ja , es ließ sich nicht mehr verleugnen . Meyhöfer hatte fast die ganze Ernte , das gedroschene Korn wie das noch auszudreschende , dem Juden für die alte , abgebrauchte Dampfmaschine verkauft . Triumphierend fuhr dieser mit den schönen prallen Säcken von dannen . Und dies galt nur als Abschlagzahlung , gegen Weihnachten wollte er den Rest abholen kommen . Für einen Moment mochte selbst den leichtsinnigen Meyhöfer eine Regung der Mutlosigkeit anwandeln , als er die hoch aufgetürmten Fuhren hinter dem Walde verschwinden sah , aber im nächsten steckte er trotzig die Hände in die Hosentaschen und befahl , die Maschine ohne Verzug in Bereitschaft zu setzen . Mit dem Ungetüm zu gleicher Zeit war ein Mann in blauer Bluse und mit einer Schnapsnase auf den Hof gekommen , der sich » Heizer « nannte und der sich dadurch auszeichnete , daß er unaufhörlich Zwiebeln aß . Das sei gut für den Magen , sagte er . Dieser Mann erschien sich als der Held des Tages . Er stand breitbeinig neben der Maschine , nannte sie sein Pflegekind und streichelte mit seiner grauschwarzen , knotigen Hand die rostigen Eisenwände . Das klang , als ob zwei Reibeisen übereinander fahren . Jeden , der herzukam , erklärte er mit einem großen Aufwande von Fremdwörtern die innere Einrichtung der » Luckmanbile , « wie er sein Pflegekind nannte , nur mußte man ihm zu trinken geben , sonst schimpfte er . Erhielt er jedoch den Branntwein , den er sich wünschte , so wurde er gerührt und behauptete , er ließe sich lieber Hände und Füße abhacken , als daß er sich jemals von seinem Pflegekinde trennte . Er habe es liebgewonnen wie sein eigen Fleisch und Blut und halte es tausendmal höher als alle Menschen auf der Welt . Meyhöfer ging stolz um ihn herum , denn auch diese Perle war ja nun sein Eigentum , und er erklärte einmal über das andere , hier sähe man , was deutsche Treue bedeute . Als es aber ans Heizen gehen sollte , war der vielgetreue Mann nirgends zu finden . Endlich entdeckte man ihn auf dem Heuschober - schlafend . Als man ihn weckte , nannte er dies Verfahren eine Menschenschinderei und ließ sich nur mit Mühe bewegen , aus seinem Winkel hervorzukommen . Das Anheizen der Maschine war ein neues Fest . Paul stand vor der Feuerung und starrte träumenden Auges in den glühenden Schlund , der sich gähnend aufsperrte , als wollte er alles Lebendige verschlingen . Er gedachte des alten heidnischen Götzen Moloch , von dem er aus der biblischen Geschichte wußte , und glaubte jeden Augenblick ein paar rotglühende Arme sich ausstrecken zu sehen . - Und dann erhob sich in dem Innern des Ungetüms ein geheimnisvolles Singen , bald dumpf wie fernes Waldesbrausen , bald fein und hoch wie leise Engelsstimmen . In den Ventilen begann es zu zischen - Dampfstrahlen fuhren empor - die eiserne Schaufel klirrte , und rasselnd sanken neue Kohlenhaufen in die Glut . Es war ein Lärm ringsum , daß man sein eigen Wort nicht verstehen konnte . Der Heizer mit der roten Nase stand da wie ein König , trank aus einer schmalbauchigen Flasche und hantierte von Zeit zu Zeit an den Ventilen herum , ein lautes , befehlshaberisches Geschrei ausstoßend wie ein Tierbändiger . Und dann begann sich das große Rad zu drehen - surr , surr , surr - immer rascher , immer rascher . Einem wurde schwindlig vom bloßen Hinsehen - und dann gab es einen Knack - ein Klirren , ein Pfauchen - das große Rad stand still - für immer . Anfangs freilich tat der Heizer sehr groß und meinte , in einer halben Stunde werde der Schaden vollkommen repariert sein , als Meyhöfer aber nach zweitägiger Arbeit in ihn drang , endlich einmal mit dem Ausbessern ein Ende zu machen , da wurde er grob und erklärte , an diesem alten Gerümpel sei überhaupt nichts auszubessern , das wäre gerade gut genug , an