auf den Leib reden möchte ? Solchen Mann ... aus unsrer besten Familie ... , vornehmer als die Bismarcks und so viele für Thron und Hohenzollerntum gefallen , daß man eine ganze Leibcompagnie daraus formieren könnte , Leibcompagnie mit Blechmützen , und der Boitzenburger kommandiert sie . Ja , meine Herren . Und solcher Familie solchen Affront . Und warum ? Unterschlagung , Indiskretion , Bruch von Amtsgeheimnis . Ich bitte Sie , fehlt nur noch Kindsmord und Vergehen gegen die Sittlichkeit , und wahrhaftig , es bleibt verwunderlich genug , daß nicht auch das noch herausgedrückt worden ist . Aber die Herren schweigen . Ich bitte Sie , sprechen Sie . Glauben Sie mir , daß ich andre Meinungen hören und ertragen kann ; ich bin nicht wie er ; sprechen Sie , Herr von Wedell , sprechen Sie . « Wedell , in immer wachsender Verlegenheit , suchte nach einem Ausgleichs- und Beruhigungsworte : » Gewiß , Herr Baron , es ist , wie Sie sagen . Aber , Pardon , ich habe damals , als die Sache zum Austrag kam , vielfach aussprechen hören , und die Worte sind mir im Gedächtnis geblieben , daß der Schwächere darauf verzichten müsse , dem Stärkeren die Wege kreuzen zu wollen , das verbiete sich in Leben wie Politik , es sei nun mal so : Macht gehe vor Recht . « » Und kein Widerspruch dagegen , kein Appell ? « » Doch , Herr Baron . Unter Umständen auch ein Appell . Und um nichts zu verschweigen , ich kenne solche Fälle gerechtfertigter Opposition . Was die Schwäche nicht darf , das darf die Reinheit , die Reinheit der Überzeugung , die Lauterkeit der Gesinnung . Die hat das Recht der Auflehnung , sie hat sogar die Pflicht dazu . Wer aber hat diese Lauterkeit ? Hatte sie ... Doch ich schweige , weil ich weder Sie , Herr Baron , noch die Familie , von der wir sprechen , verletzen möchte . Sie wissen aber , auch ohne daß ich es sage , daß er , der das Wagnis wagte , diese Lauterkeit der Gesinnung nicht hatte . Der bloß Schwächere darf nichts , nur der Reine darf alles . « » Nur der Reine darf alles « , wiederholte der alte Baron mit einem so schlauen Gesicht , daß es zweifelhaft blieb , ob er mehr von der Wahrheit oder der Anfechtbarkeit dieser These durchdrungen sei . » Der Reine darf alles . Kapitaler Satz , den ich mir mit nach Hause nehme . Der wird meinem Pastor gefallen , der letzten Herbst den Kampf mit mir aufgenommen und ein Stück von meinem Acker zurückgefordert hat . Nicht seinetwegen , i Gott bewahre , bloß um des Prinzips und seines Nachfolgers willen , dem er nichts vergeben dürfe . Schlauer Fuchs . Aber der Reine darf alles . « » Du wirst schon nachgeben in der Pfarrackerfrage « , sagte Botho . » Kenn ich doch Schönemann noch von Sellenthins her . « » Ja , da war er noch Hauslehrer und kannte nichts Besseres als die Schulstunden abkürzen und die Spielstunden in die Länge ziehen . Und konnte Reifen spielen wie ein junger Marquis ; wahrhaftig , es war ein Vergnügen , ihm zuzusehen . Aber nun ist er sieben Jahre im Amt , und du würdest den Schönemann , der der gnädigen Frau den Hof machte , nicht wiedererkennen . Eins aber muß ich ihm lassen , er hat beide Frölens gut erzogen und am besten deine Käthe ... « Botho sah den Onkel verlegen an , fast als ob er ihn um Diskretion bitten wolle . Der alte Baron aber , überfroh , das heikle Thema so glücklich beim Schopfe gefaßt zu haben , fuhr in überströmender und immer wachsender guter Laune fort : » Ach laß doch , Botho . Diskretion . Unsinn . Wedell ist Landsmann und wird von der Geschichte so gut wissen wie jeder andere . Weshalb schweigen über solche Dinge . Du bist doch so gut wie gebunden . Und weiß es Gott , Junge , wenn ich so die Frölens Revue passieren lasse , ' ne beßre findest du nicht , Zähne wie Perlen und lacht immer , daß man die ganze Schnur sieht . Eine Flachsblondine zum Küssen , und wenn ich dreißig Jahre jünger wäre , höre ... « Wedell , der Bothos Verlegenheit bemerkte , wollte ihm zu Hilfe kommen und sagte : » Die Sellenthinschen Damen sind alle sehr anmutig , Mutter wie Töchter ; ich war vorigen Sommer mit ihnen in Norderney , charmant , aber ich würde der zweiten den Vorzug geben ... « » Desto besser , Wedell . Da kommt ihr euch nicht in die Quer , und wir können gleich eine Doppelhochzeit feiern . Und Schönemann kann trauen , wenn Kluckhuhn , der wie alle Alten empfindlich ist , es zugibt , und ich will ihm nicht nur das Fuhrwerk stellen , ich will ihm auch das Stück Pfarracker ohne weiteres zedieren , wenn ich solche Hochzeit zwischen heut und einem Jahr erlebe . Sie sind reich , lieber Wedell , und mit Ihnen pressiert es am Ende nicht . Aber sehen Sie sich unsern Freund Botho an . Daß er so wohlgenährt aussieht , das verdankt er nicht seiner Sandbüchse , die , die paar Wiesen abgerechnet , eigentlich nichts als eine Kiefernschonung ist , und noch weniger seinem Muränensee . Muränensee , das klingt wundervoll , und man könnte beinah sagen poetisch . Aber das ist auch alles . Man kann von Muränen nicht leben . Ich weiß , du hörst nicht gerne davon , aber da wir mal dabei sind , so muß es heraus . Wie liegt es denn ? Dein Großvater hat die Heide runterschlagen lassen , und dein Vater selig - ein kapitaler Mann , aber ich habe keinen Menschen je so schlecht L ' hombre spielen sehn und so hoch dazu