zu Tisch und mitunter auch bis zur Dunkelstunde . So beispielsweise dieser hier , ein schöner Mann , etwas blaß , der in seinen besten Jahren an der Auszehrung starb . Er war Prediger zur Zeit der schwedischen Prinzessin Josephine Albertine , derselben , die den Kristallspiegel wiedererstand . Und hier ist die Prinzessin in Person . « Dabei wies er auf das Bild einer mittelalterlichen Dame mit großer Kurfürsten-Nase , Stirnlöckchen und Agraffenturban , aus deren ganz ungewöhnlicher Stattlichkeit sich die vom Kastellan nur leis angedeuteten Anfechtungen ihres Seelsorgers unschwer erklären ließen . Einige der Bilder kehrten mehrfach wieder , was die Zahl der Äbtissinnen größer erscheinen ließ , als sie tatsächlich war . Rosa drang darauf , die Namen zu hören , aber es waren tote Namen , einen ausgenommen , den der Gräfin Aurora von Königsmark . Und vor das Porträt dieser traten jetzt alle mit ganz ersichtlicher Neugier , ja , Cécile - die , vor kaum Jahresfrist , einen historischen Roman , dessen Heldin die Gräfin war , mit besonderer Teilnahme gelesen hatte - war so hingenommen von dem Bilde , daß sie von der Unechtheit desselben nichts hören und alle dafür beigebrachten Beweisführungen nicht gelten lassen wollte . Gordon , als er sah , daß er nicht durchdränge , wandte sich um Sukkurs an Rosa . » Helfen Sie mir . Die gnädigste Frau will sich nicht überzeugen lassen . « Rosa lachte . » Kennen Sie die Frauen so wenig ? welche ... « » Wohl , Sie haben recht . Und am Ende , wer will an Bildern Echtheit oder Unechtheit beweisen ? Aber zweierlei gilt auch ohne Beweis . « » Und das wäre ? « » Nun , zunächst das , daß es nichts Toteres gibt als solche Galerie beturbanter alter Prinzessinnen . « » Und dann zweitens ? « » Daß der Unterschied von hübsch und häßlich in solcher Galerie zurechtgemachter Damenköpfe gar keine Rolle spielt , ja , daß einer Häßlichkeitsgalerie wie dieser hier vor einer sogenannten Schönheitsgalerie mit ihrer herkömmlichen Ödheit und Langerweile der Vorzug gebührt . Ach , wie viele solcher Galeries of beauties hab ich gesehen , und eigentlich keine darunter , die mich nicht zur Verzweiflung gebracht hätte . Schon in ihrer Entstehungsgeschichte sind sie meistens beleidigend und ein Verstoß gegen Geschmack und gute Sitte . Denn wer sind denn die jedesmaligen Mäcene , Stifter und Donatoren ? Immer ältliche Herren , immer mehr oder weniger mythologische Fürsten , die , Pardon , meine Damen , nicht zufrieden mit der wirklichsten Wirklichkeit , ihre Schönheiten auch noch in effigie genießen wollen . Einer von ihnen - derselbe , von dem das Bonmot existiert , er habe nie was Dummes gesagt und nie was Kluges getan - ist mit seiner Galerie von Magdalenen ( selbstverständlich von Magdalenen vor dem Bußestadium ) allen anderen vorauf . Er war ein Stuart , wie kaum gesagt zu werden braucht . Aber unsere deutschen Kleinkönige sind ihm gefolgt und haben nun auch dergleichen . Ich entsinne mich noch des Eindrucks , den der Kopf der Lola Montez oder , wenn Sie wollen , der Gräfin Landsfeld auf mich machte . Denn Gräfinnen werden sie schließlich alle , wenn sie nicht vorziehen , heiliggesprochen zu werden . « » Ei , wie tugendhaft Sie sind « , lachte Rosa . » Doch Sie täuschen mich nicht , Herr von Gordon . Es ist ein alter Satz , je mehr Don Juan , je mehr Torquemada . « Cécile schwieg und ließ sich , wie gelähmt , in einen in einer tiefen Fensternische stehenden Sessel nieder . St. Arnaud , der wohl wußte , was in ihr vorging , öffnete den einen der beiden Flügel und sagte , während die frische Luft einströmte » Du bist angegriffen , Cécile . Ruh dich . « Und sie nahm seine Hand und drückte sie wie dankbar , während es vor Erregung um ihre Lippen zuckte . Neuntes Kapitel Cécile erholte sich rascher als erwartet von dieser Anwandlung , und die weitere Besichtigung des Schlosses und bald danach auch der Abteikirche verlief zu allseitiger Zufriedenheit , ganz besonders auch zur Freude Céciles . Ja , sie war durch den Besuch der prächtig kühlen Kirche so gekräftigt und erfrischt worden , daß man auf ihren Vorschlag das Programm überschritt und guten Mutes die schon aufgegebene Partie nach dem Rathause machte , wo man erst den Roland und gleich danach das Gefängnis des Regensteiners bewunderte . Daran schloß sich dann unmittelbar ein ziemlich mittägliches Frühstück an Ort und Stelle . Kulmbacher Bier , wofür das Rathaus ein Renommee hatte , wurde bestellt , und Cécile war entzückt , als der Wirt die schäumenden und frisch beschlagenen Seidel brachte . » Wieviel schöner doch als eine Table d ' hôte « , sagte sie . » Pierre , votre santé ... Fräulein Rosa , wohl bekomm ' s ... Herr von Gordon , Ihr Wohl . « Und während sie so plauderte , stieß sie mit ihrem Seidel an , sprach von dem Regensteiner , der es achtzehn Monate lang nicht voll so gut gehabt habe , und war überhaupt wie ein Kind . Nur als die Malerin auf die Bilder der Äbtissinnen zurückkam und bei der Gelegenheit bemerkte , daß auch noch im Rathaussaale ( wie der Herr Wirt ihr eben verraten ) ein Bild der schönen Aurora sei , » besser und jedenfalls echter als das im Schloß « , brach Cécile rasch ab und sagte verstimmt und in beinahe heftigem Tone : » Bilder und immer wieder Bilder . Wozu ? Wir hatten mehr als genug davon . « Gegen fünf Uhr war man in Thale zurück , und Cécile , die sich nach Ruhe sehnte , verabschiedete sich für den Rest des Tages . » Bis auf morgen , Fräulein Rosa ; bis auf morgen , Herr von Gordon . « Und dieser Morgen war nun da . Gordon , der am Abend