vom Lied ist , daß sie dem Kind einen Widerwillen beibringt . Und dann ist es vorbei . Denn ohne Lieb und ohne Lust ist nichts in der Welt . Auch nicht einmal in der Musik ... Aber da kommt ja Teichgräber und will uns einen Besuch anmelden . Ich bin außer mir . Hätte viel lieber noch mit dir weitergeplaudert . « In eben diesem Augenblicke war der alte Parkhüter , der sich vergeblich nach einem von der Hausdienerschaft umgesehen hatte , bis an die Veranda herangetreten und überreichte eine Karte . Melanie las : » Ebenezer Rubehn ( Firma Jakob Rubehn und Söhne ) , Lieutenant in der Reserve des 5. Dragonerregiments ... « » Ah , sehr willkommen ... Ich lasse bitten ... « Und während sich der Alte wieder entfernte , fuhr Melanie gegen das kleine Fräulein in übermütiger Laune fort : » Auch wieder einer . Und noch dazu aus der Reserve ! Mir widerwärtig , dieser ewige Lieutenant . Es gibt gar keine Menschen mehr . « Und sehr wahrscheinlich , daß sie diese Betrachtungen fortgesetzt hätte , wenn nicht auf dem Kiesweg ein Knirschen hörbar geworden wäre , das über das rasche Näherkommen des Besuchs keinen Zweifel ließ . Und wirklich , im nächsten Augenblicke stand der Angemeldete vor der Veranda und verneigte sich gegen beide Damen . Melanie hatte sich erhoben und war ihm einen Schritt entgegengegangen . » Ich freue mich , Sie zu sehen . Erlauben Sie mir , Sie zunächst mit meiner lieben Freundin und Hausgenossin bekannt machen zu dürfen ... Herr Ebenezer Rubehn ... Fräulein Friederike von Sawatzki ! « Ein flüchtiges Erstaunen spiegelte sich ersichtlich in Rubehns Zügen , das , wenn Melanie richtig interpretierte , mehr noch dem kleinen verwachsenen Fräulein als ihr selber galt . Ebenezer war indessen Weltmann genug , um seines Erstaunens rasch wieder Herr zu werden , und sich ein zweites Mal gegen die Freundin hin verneigend , bat er um Entschuldigung , seinen Besuch auf der Villa bis heute hinausgeschoben zu haben . Melanie ging leicht darüber hin , ihrerseits bittend , die Gemütlichkeit dieses ländlichen Empfanges und vor allem eines unabgeräumten Frühstückstisches entschuldigen zu wollen . » Mais à la guerre , comme à la guerre , eine kriegerische Wendung , an die mir ' s im übrigen ferneliegt ernsthafte Kriegsgespräche knüpfen zu wollen . « » Gegen die Sie sich vielmehr unter allen Umständen gesichert haben möchten « , lachte Rubehn . » Aber fürchten Sie nichts . Ich weiß , daß sich Damen für das Kapitel Krieg nur so lange begeistern , als es Verwundete zu pflegen gibt . Von dem Augenblick an , wo der letzte Kranke das Lazarett verläßt , ist es mit dem Kriegseifer vorbei . Und wie die Frauen in allem recht haben , so auch hierin . Es ist das Traurigste von der Welt , immer wieder eine Durchschnittsheldengeschichte von zweifelhaftem Wert und noch zweifelhafterer Wahrheit hören zu müssen , aber es ist das Schönste , was es gibt , zu helfen und zu heilen . « Melanie hatte , während er sprach , ihre Handarbeit in den Schoß gelegt und ihn fest und freundlich angesehen . » Ei , das lob ich und hör ich gern . Aber wer mit so warmer Empfindung von dem Hospitaldienst und dem Helfen und Heilen , das uns so wohl kleidet , zu sprechen versteht , der hat diese Wohltat wohl an sich selbst erfahren . Und so plaudern Sie mir denn wider Willen , nach fünf Minuten schon , Ihre Geheimnisse aus . Versuchen Sie nicht , mich zu widerlegen , Sie würden scheitern damit , und da Sie die Frauenherzen so gut zu kennen scheinen , so werden Sie natürlich auch unsere zwei stärksten Seiten kennen : unseren Eigensinn und unser Rätselraten . Wir erraten alles ... « » Und immer richtig ? « » Nicht immer , aber meist . Und nun erzählen Sie mir , wie Sie Berlin finden , unsere gute Stadt , und unser Haus und ob Sie das Zutrauen zu sich haben , in Ihrem Hofkerker , dem eigentlich nur noch die Gitterstäbe fehlen , nicht melancholisch zu werden . Aber wir hatten nichts Besseres . Und wo nichts ist , hat , wie das Sprichwort sagt ... « » Oh , Sie beschämen mich , meine gnädigste Frau . Jetzt erst , nach meinem Eintreffen , weiß ich , wie groß das Opfer ist , das Sie mir gebracht haben . Und ich darf füglich sagen , daß ich bei besserer Kenntnis ... « Aber er sprach nicht aus und horchte plötzlich nach dem Hause hin , aus dem eben ( die Musikstunde hatte schon vorher geschlossen ) ein virtuoses und in jeder feinsten Nuancierung erkennbares Spiel bis auf die Veranda herausklang . Es war » Wotans Abschied « , und Rubehn erschien so hingerissen , daß es ihm Anstrengung kostete , sich loszumachen und das Gespräch wieder aufzunehmen . Endlich aber fand er sich zurück und sagte , während er sich abermals gegen Riekchen verneigte : » Pardon , meine Gnädigste . Hatt ich recht gehört ? Fräulein von Sawatzki ? « Das Fräulein nickte . » Mit einem jungen Offizier dieses Namens war ich einen Sommer über in Wildbad-Gastein zusammen . Unmittelbar nach dem Kriege . Ein liebenswürdiger , junger Kavalier . Vielleicht ein Anverwandter ... ? « » Ein Vetter « , sagte Fräulein Riekchen . » Es gibt nur wenige meines Namens , und wir sind alle verwandt . Ich freue mich , aus Ihrem Munde von ihm zu hören . Er wurde noch in dem Nachspiel des Krieges verwundet , fast am letzten Tage . Bei Pontarlier . Und sehr schwer . Ich habe lange nicht von ihm gehört . Hat er sich erholt ? « » Ich glaube sagen zu dürfen , vollkommen . Er tut wieder Dienst im Regiment , wovon ich mich , ganz neuerdings erst , durch einen glücklichen