mit einer Stimme , in die der Himmel alles Gift , was er eben vorrätig hatte gegen die irdischen Zustände , hineingelegt zu haben schien . Ich kenne es heute viel besser als damals , das gute alte Mädchen nämlich , und weiß , was der Vetter an ihr hatte . Er weiß es ebenfalls heute besser als damals . Damals , das heißt an jenem Tage , schob er uns sich voran auf dem Feldwege durch den kärglichen Haferacker und brummte : » Ich komme mit ; aber , Kinder , ich sage euch , gerne wäre ich heute allein nicht nach Hause gegangen ! Es ist alles mal wieder vom frühen Morgen an kopfüber kopfunter gegangen , und ich bin an allem schuld gewesen . Ach Gott , ach Gott , wo ich meine Hände habe , soll ich meinen Kopf haben , und wo ich meinen Kopf habe , da will sie meine Hände sehen . Und dann soll ich meine fünf gesunden Sinne zusammennehmen und bedenken , wozu mich der liebe Herrgott in die Welt und hier auf den Steinhof hingesetzt hat . Und wenn sie nur wüßte , wer ihr all das Elend mit mir eingebrockt hat , sagt sie . Es muß wohl von weit her kommen , meint sie , und das ist das einzige , was sie darüber weiß ; und ich , Fritz , ich weiß auch nicht mehr . Sie hat doch meinen Vater gekannt , und meinen Großvater dunkel ; von den zwei habe ich es wohl auch etwas , aber nicht ganz , sagt sie , wenn ihr die Hände anfangen vor Ärger zu zittern und sie mit der Schürze vor den Augen abgeht und ich auch und ihr doch nichts in der Wirtschaft in den Weg lege , sondern sie mit der Vormundschaft ruhig regieren lasse hier auf dem Steinhofe . Und dann werde ich doch auch erst nächste Ostern übers Jahr mündig und mein eigener Herr ! « Mit einer uns an ihr ganz fremden Grazie schiebt Irene Everstein ihren Arm in den des armen Teufels und sagt : » Bitte , Herr Just . « Das war ganz und gar meine Mutter in ihrem Verkehr mit ihrer Umgebung ; aber bei meiner Mutter hatte ich noch nie darauf geachtet , wie vornehm sie mit den Leuten umzugehen wußte . In diesem Moment aber war es natürlich Herr Ewald Sixtus , Untersekundaner usw. , der ' s bewies , wie weit man mit einer guten Lunge und mit zärtlich tuender Unverschämtheit in der Welt reicht . Mit der ersten erschütterte er durch ein Jubelgeschrei die Lüfte auf eine Viertelstunde im Umkreis , mit der zweiten sprang er über den Zaun des Steinhofes und hing sich der braven Jungfer Grote an den Hals : » Da sind wir wieder , Jule ! Sehen Sie , so wird die Sehnsucht endlich doch belohnt ! Wie lange stehen Sie denn schon hier und gucken nach mir aus über die Planken , Mamsell Grote ? Komm her , Fritz , und gib Pfötchen . Gibt sie dir aber auch einen Kuß , so morde ich dich heute abend auf dem Rückwege . Lebendig kommst du dann nicht wieder auf Schloß Werden an . Und nun rasch , Jule , Sie wissen es , daß Sie für mich zum Fressen sind ! Rasch - jeder holt sich Messer und Gabel und seinen Teller selber aus der Küche . « » O herrje , herrje - und die jungen Damens auch wieder ! « rief die wackere Haushälterin und Vormünderin auf dem Steinhofe , ächzend sich aus den Armen ihres stürmischen Verehrers und zweiten Lieblings frei machend . » Ich habe es seiner Mutter im Kindbett und Totenbett versprochen , daß ich so lange bei ihm aushalte , als er mich bei sich behält ! « sagte sie von ihrem ersten Liebling - dem Vetter Just Everstein . Nun bekommt Eva Sixtus eine bewillkommnende Hand und dann Irene auch ; letztere aber erst , nachdem diese Hand vorher noch einmal in der blauen Kattunschürze unnötigerweise abgetrocknet und abgewischt worden ist . » Aber das ist mal schön ! Nehmen sie es nur nicht übel ; aber es ist mein Schicksal : jedesmal , wenn wir die Ehre haben , haben wir gemistet auf dem Steinhofe und ist der Herr Just den ganzen Morgen durch nicht aufzufinden und abzurufen gewesen . Ich brauche nur am Abend zu sagen : Just , jetzt paßt du mir aber auf die Gottesgabe morgen früh , so geht er durch mit seinen Lateinerbüchern , und ich sitze allein mitten drin in der Wirtschaft und den Tagelöhnern . Was daraus werden soll , weiß ich nicht ; na , aber Essenszeit ist ' s freilich jetzo längst , und nächste Ostern übers Jahr wird er einundzwanzig alt und sein eigener Herr . Ach Gott , gnädigstes Fräulein Gräfin , Ihr Herr Vater sollte nur einmal einen einzigsten Tag lang an meiner Stelle sein ! Und - Ihre Mutter auch , Herr Langreuter , aber davon will ich weniger sagen , denn die ist ja auch ein Frauenzimmer und hat das Ihrige durchgemacht in ihrem eigenen Haushalt und bei anderen Leuten . « Achtes Kapitel Wie viele schöne , geistreiche , vornehme Menschen habe ich auf meinem Lebenswege kennengelernt ! Auf die körperliche Schönheit am Menschen achte ich sehr genau und mit größester Teilnahme und bin noch heute imstande , einen ziemlichen Umweg zu machen , um ihr in den Gassen und Häusern begegnen zu können . So bin ich zu der festen Überzeugung gelangt , daß ihrer nicht weniger wird in der Welt . Geist ist im Überfluß vorhanden . Dies weiß ja ein jeder selbst am besten . Wer glaubt nicht , von seinem Überfluß an tausend und aber tausend reichlich abgeben zu können ? Von der Vornehmheit brauche ich eigentlich gar nicht zu reden . Ich habe da nur sehr wenige kennengelernt , die sich in