einzige Kind ihrer Eltern war , weil ihr Wesen von je herb und entschieden gewesen , vor allem aber , weil die Mutter den Wunsch des Mädchens nicht so unvernünftig fand . Die Rosel war ja fast ebenso reich wie häßlich ; das Mutterherz fühlte nach , wie sich ihr Kind dagegen sträubte , bloß um des Geldes willen genommen zu werden . Aber auch sie war tief erschreckt , als ihr das Mädchen sagte : » Froim der Schreiber hat mir gesagt , daß er mich will , und ich nehm ' ihn ! « , denn der Froim Kurländer war ein hübscher , starker , lustiger , aber sehr armer Bursche , der sich durch das Abschreiben von Thorarollen notdürftig ernährte , und dies umso schwerer , als er sein bißchen Verdienst immer rasch unter die Leute brachte . » Eben darum nehm ' ich ihn « , meinte die Rosel . » Er verachtet das Geld . Wenn er mich will , so ist ' s um meinetwillen . « Da irrte sie . Froim ließ sich nur eben durch die reiche Mitgift über das Unglück trösten , die häßlichste Frau im Kreise zu haben . Es ward eine jämmerliche Ehe . Der Mann war ein Säufer und Spieler und kam nur dazu manchmal heim , um neues Geld zu holen oder sein Weib zu prügeln , wenn sie ihm keines gab . Vergeblich rieten der Rosel die Verwandten , sich von dem wüsten Menschen scheiden zu lassen . Die düstere Frau schüttelte den Kopf : ihr geschehe nur , was sie verdient habe , und sie wolle die Suppe , welche sie sich selbst eingebrockt , bis auf den letzten Löffel schlucken . Das erfüllte sie denn auch ganz und gar . Erst nachdem sie dem Trunkenbold nichts mehr zu geben hatte , prügelte sie ihn einmal so unmenschlich durch , und schwor mit so entsetzlichen Eiden , ihn zu morden , wenn er sich je wieder blicken lasse , daß der Lump verschwand , als hätte ihn die Erde verschlungen . Nun pachtete die Rosel den Schranken und begann in dem einsamen Hause ein neues , mühseliges Leben . Sie hielt keine Dienerin , keinen Knecht und verrichtete selbst den harten Dienst , rastlos , Tag und Nacht , mit einziger Ausnahme des Sabbats , und auch das nur , weil das Gesetz es gebot . Und wenn die Leute sie vor den Gefahren solcher Einsamkeit warnten , erwiderte sie kurz : jedes Kind im Kreise kenne ihre Geschichte und wisse , daß sie jetzt bettelarm sei , und vor sonstigen Anfechtungen wahre sie ihr Gesicht hinlänglich . Übrigens ward jeder dieser Rater in einer Art empfangen , daß er nicht wiederkam . So galt sie bald den einen als verrückt , den anderen als menschenfeindlich und ward von allen gemieden . Aber wie edel und klar sie war , bewies sie an der unglücklichen Witwe des Mendele . Sie pflegte sie bis zur letzten Stunde wie eine Schwester , und zog dann das Knäblein durch künstliche Ernährung mit unsäglicher Mühe auf . Das Schicksal des » Pojaz « ist dadurch bestimmt worden , daß er dieser Eltern Sohn gewesen und von dieser Frau auferzogen worden ist ; er selbst hat im Grunde wenig dazu getan , wie denn überhaupt das Wort , daß jeder seines eigenen Glückes Schmied sei , wohl die größte Lüge ist , welche so durch all die Zeiten von Mund zu Mund geht . Übrigens erfuhr er seine Herkunft erst spät , er hielt sich für der Rosel Sohn , und die Leute taten ihr den Willen , ihn nicht aufzuklären ; sie hatte so flehentlich darum gebeten , daß selbst der Roheste nicht entgegenhandeln wollte . Auch hielt ihn die Frau wie ihr eigenes Fleisch und Blut ; alle Liebeskraft des einsamen , verbitterten Herzens hatte sie dem Knaben zugewendet . Wer an der Maut vorüberfuhr und das schön geputzte Kind neben dem ärmlichen Weibe auf dem Steinbänkchen sitzen sah , mußte glauben , daß da eine Magd das Söhnchen ihrer Herrin bewache . Den Leuten von Barnow begegnete die Rosel so herb wie sonst , aber dem Knaben fast töricht weich . Vielleicht auch deshalb , weil er trotz aller Pflege schwächlich blieb ; ein mageres , hastiges Bübchen mit dunklen , unruhigen Augen , das fortwährend umherschoß und fragte und sich zu tun schaffte . Zutraulich lief es den Vorüberziehenden zu , begleitete sie lange Strecken Weges und hatte auch bald unter den Fuhrknechten , welche da regelmäßig vorbeikamen , eine große Anzahl Freunde , von denen es eifrig lernte , was sie eben lehren konnten : mit den Pferden umzugehen und allerlei russische und polnische Lieder und Sprüche , gerade nicht immer des saubersten Inhalts . Es war eigen , wie rasch sich das Bürschchen mit den rohen Gesellen vertraut zu machen wußte . Und doch ermunterten sie es anfangs wahrlich nicht oder hielten sich gar den » jungen Judenhund « mit der Peitsche vom Leibe . Aber er gewann sie durch seine hastige , possierliche Art , und dann , weil er ihre Sprache so fertig und ohne Akzent erlernte , wie sie es aus jüdischem Munde kaum gehört , noch für glaublich gehalten hatten . Besonders ein schweigsamer , ältlicher , ruthenischer Knecht , namens Fedko Hayduck , der wöchentlich zweimal mit dem Gemüsewagen der Dominikaner aus dem Meierhofe vorüberkam , ward ganz bezaubert vom » Senderko « , freute sich auf die Maut , wie sehr er sie sonst auch verwünschte , weil dann der Bube eine halbe Stunde mit ihm fuhr , und meinte immer : » Der Teufel mag alle Heiligen loben , wenn das ein Judenblut ist . Den haben die Juden einmal zu Ostern auf einen Braten gestohlen , aber es war ihnen zu wenig Fleisch und Blut daran ! Denn wann hat man gehört , daß ein Jud ' so sprechen kann oder gar singen ! Eher glaub