wendete sich bald und schritt abseits gegen den Bach . Nachher habe ich erfahren , daß er stumm ist . Und endlich saß ich im Wirtshause bei meinem Frühstück . Es bestand aus einer Schale Milch mit gebranntem Kornmehl gewürzt . Das ist der Winkelsteger Kaffee . Und nun - was gedachte ich zu tun ? Ich teilte der heiteren Wirtin meine Absicht und meinen Wunsch mit : das ungünstige Wetter in Winkelsteg abzuwarten , im Stübchen des Schulhauses zu wohnen und die Schriften des Schulmeisters zu lesen - » wenn ich dazu Erlaubnis hätte « . » O mein Gott , ja , von Herzen gern ! « rief sie , » wen wird der Herr denn irren , da oben ! Und das alte Papierwerk schaut sonst auch kein Mensch an - wüßt ' nicht , wer ! Davon kann sich der Herr aussuchen , was er will . Der neue Schulmeister wird schon selber so Sachen mitbringen . Glaub ' s aber dieweil noch gar nicht , daß einer kommt . Ja freilich mag der Herr oben bleiben und ich laß ihm fein warm heizen . « So ging ich wieder hinauf zum Schulhause . Nun sah ich es von außen an . Es war recht bequem und zweckmäßig gebaut , es hatte ein flaches , weit vorspringendes Schindeldach , und es hatte in diesem Vorsprunge und in seinen hellen Fenstern eine Art Verwandtschaft mit dem gutmütig schalkhaften schildkäppchenbedeckten Antlitze jenes Alten auf dem Bilde . Dann trat ich in das Stübchen . Es war bereits aufgeräumt und im Ofen knisterte frisches Feuer . Durch die hellen Fenster starrte zwar der düstere Tag mit dem tief auf die Bergwälder hängenden Nebel herein , aber das machte das Stübchen nur noch traulicher und heimlicher . Die Blätter , die ich am Morgen in Ordnung gebracht hatte , die rauh und grau vergilbt waren und eng beschrieben , Zeile an Zeile , die nahm ich nun aus der Schublade und setzte mich damit zum rein gescheuerten Tisch am Fenster , so daß das Tageslicht freundlich auf ihnen ruhen konnte . Und was hier ein seltsamer Mann niedergeschrieben hatte , das begann ich nun zu lesen . Was ich las , das gebe ich hier , besonders dem Inhalte nach , schlecht und recht wieder . Doch mußte an der Urschrift in der Form manches geändert und geglättet , es mußte gestrichen , ja beigefügt werden , wie es zum Verständnisse nötig , und so weit es mir nach Durchforschung der Zustände erlaubt und möglich war . Ferner mußten die absonderlichen Ausdrücke in Klarheit , die regellos hingeworfenen Sätze in Regeln und Zusammenhang gebracht werden . Indes sei bemerkt , daß ältere Sprachformen und Wendungen , die in den Blättern sich vorfanden , tunlichst beibelassen wurden , um der Schrift von ihrer Eigenart zu wahren . - - - Das erste Blatt sagt nichts und alles ; es enthält vier Worte : Die Schriften des Waldschulmeisters ( Erster Teil ) » Lieber Gott ! Ich grüße Dich und schreibe Dir eine Neuigkeit . Heute ist mein Vater gestorben . Er ist schon zwei Jahre krank gewesen . Die Leut ' sagen , es ist ein rechtes Glück . Die Muhme-Lies sagt es auch . Jetzt haben sie den Vater schon fortgetragen . Der Leib kommt in die Totenkammer , die Seel ' geht durch das Fegfeuer in den Himmel hinauf . Lieber Gott , und da hätt ' ich jetzt recht eine schöne Bitt ' . Schick meinem Vater einen Engel entgegen , der ihn weist . Für den Engel leg ich mein Patengeld bei ; es sind drei Groschen . Mein Vater wird recht eine Freud ' haben im Himmel , und führ ' ihn gleich zu meiner Mutter . - Ich grüße Dich tausendmal , lieber Gott , den Vater und meine Mutter . Andreas Erdmann . Salzburg , im 1797-ger Jahr , am Apostel Simonitag . « Dieser Brief ist zufällig erhalten geblieben , mit ihm hebe ich an . Ich weiß noch den Tag . Ich habe in meiner sehr großen Einfalt die drei Groschen wollen in das Papier legen . Kommt selbunter die Muhme-Lies herbei , liest mit ihrem Glasauge die Schrift und schlägt die Hände zusammen . » Du bist ein dummer Junge ! « ruft sie aus , » ein sehr dummer Junge ! « Eilends nimmt sie mein Patengeld , läuft davon und erzählt meine Sach ' im ganzen Hause , vom Torwartgelaß an bis hinauf zum dritten Stock , wo ein alter Schirmmacher wohnt . Jetzt kommen die Leut ' alle miteinander zusammen in unser Zimmer herein , zu sehen , wie ein sehr dummer Junge denn ausschaut . Gelacht haben sie , und so lang ' haben sie gelacht , bis ich anfang ' zu weinen . Jetzund haben sie noch ärger gelacht . Der alte Schirmmacher mit seinem himmelblauen Schurz ist auch da ; der hebt die Hand auf und sagt : » Ihr Herrschaften , das ist ein närrisches Lachen ; etwan ist er gescheiter , wie ihr alle miteinand . Geh her zu mir , Büblein ; heute ist dein guter Vater gestorben ; deine Muhme ist viel zu gescheit und ihr Haus zu klein für dich , du kleinwinziger Bub ' . Geh mit mir , ich lehre dich das Regenschirmmachen . « Was hat jetzo die Muhme gegreint überlaut ! Aber das kann ich mir denken : insgeheim ist es ihr recht gewesen , da ich mit dem Alten die zwei Treppen hinaufgestiegen bin . Selbunter , wie mir mein Vater gestorben , werd ' ich im siebenten Jahr gewesen sein . Ich weiß nur , daß meine Eltern mit mir bis zu meinem fünften Jahr im Waldland gelebt haben . Im Waldland am See . Felsberge , Wald und Wasser haben die Ortschaft eingefriedet , in der mein Vater Salzwerksbeamter gewesen . Wie die Mutter gestorben , hebt mein Vater kränkeln ; hat seine