umschichtig mit gar verwunderlichen Ungeheuern , die aus weitgeöffnetem Rachen ein spindeldünnes Wasserfädchen sprühen ließen . Die kleine Hardine klammerte sich zitternd an den Vater , sooft sie eine dieser Kunstgestalten lugen sah ; dem Vater aber , der in fremden Landen an mancher verwandten Anlage vorübergekommen sein mochte , ohne sie zu beachten , dem Vater erschien sie hier in seiner Erbheimat schier zur Beunruhigung großartig und imponierend . Als er sich dem Schlosse näherte , sah er die reichgeputzte und uniformierte Gesellschaft die Terrasse herabsteigen , um sich lustwandelnd im Garten zu zerstreuen . Zum erstenmal schämte sich der Wachtmeister der Legion des geschwärzten , zerfetzten Mantels von Waterloo . Er bog aus der großen Allee nach den Heckenwegen ein und gelangte so unbemerkt in einen der Laubengänge von vergoldetem Gitterwerk , welche zu beiden Seiten die Terrasse hinanführten . In diesem halbdunklen Versteck wollte er warten , bis die heranrollenden Equipagen die letzten Gäste entführt haben würden , und dann frischen Muts vor Fräulein Hardine treten . So langsam er voranschritt , das Zittern seiner Glieder , die Beklemmung des Atems nahmen zu . Es kochte etwas in seiner Brust , als ob eine der alten Wunden sich geöffnet habe . Er schlug mit der Faust gegen das hämmernde Herz und mußte eine Lehne suchen , als er jetzt am Ausgang des Berceau nach dem Schlosse blickte , dessen hohe Fenster und Spiegeltüren nach der Terrasse geöffnet standen . Alte , goldbordierte Diener , noch gepudert , gingen gravitätisch hin und wieder , auf silbernen Platten den Kaffee servierend ; andere räumten das funkelnde Gerät und die leckeren Reste von der Tafel im großen Speisesaale des Parterre . Wie die Adern des armen Vagabunden schwollen , wie fieberisch seine Augen leuchteten vor diesem nie geschauten Bilde der Fülle und der Pracht ! Nach und nach hatte sich die Terrasse von Gästen und Dienern geleert . Nur noch ein einziges Paar schritt langsam von der entgegengesetzten Seite her der Laube zu , in welcher der Invalid atemlos lauschte . Ein stattlicher Herr in hoher Beamtenuniform , einen Stern auf derselben ; an seiner Seite mit majestätischem Anstand eine Dame von gleicher Größe wie er selbst und auf der Brust den Orden , welcher für die Patriotinnen des Befreiungskrieges so sinnvoll gestiftet worden war . Reiches Geschmeide funkelte unter der Spitzenumhüllung des gegen die Mode der Zeit faltigen , schleppenden Gewandes , und die Strahlen der sinkenden Sonne spiegelten sich in einem Diadem über dem vollen , schwarzen Haar . Der Herr sprach mit Eifer , ernst und gedankenvoll hörte die Dame zu . In der Nähe des Laubenganges stand sie still . Sie schien eine Antwort zu suchen , legte den Arm auf eine Vase , in welcher eine Aloe ein verkümmertes Uralter fristete , und wendete bei dieser Bewegung das volle Gesicht dem heimlichen Lauscher zu . Alle Vorsätze der Zurückhaltung , alle beklemmende Scheu waren jählings verschwunden . » Fräulein Hardine ! « schrie er auf . » Sie ist es ! ja , das ist Fräulein Hardine ! « Er stürzte aus der Laube und mit ausgestreckter Hand der Dame entgegen . So haben wir denn das , was wir zu Anfang ein Geheimnis genannt , nebelartig aus losen Erinnerungen , gleichsam aus dem Hauche eines Namens aufsteigen und sich in vorlauten , eigennützigen Deutungen immer dichter und dichter herandrängen sehen , bis es als eine drohende Wetterwolke über dem Haupte Fräulein Hardines hing . Über dem Haupte einer Frau , die wir als die Schöpferin unseres heimatlichen Wohlstandes verehrten , die in ihre mit männlicher Kraft und Ausdauer gegründete junge Kolonie den Wahrspruch ihres Hauses : » In Recht und Ehren « eingepflanzt und sie vor jeder entsittlichenden Berührung gehütet hatte , einem Spiegel gleich , den der leiseste Moderhauch trübt . Und wir Reckenburger Leute hatten sie gekannt fast noch als ein Kind ; ihr Leben lag vor uns durchsichtig und eben wie ein Kristall . Da war kein Schatten , keine Lücke , ja nicht einmal eine gemütliche Regung , welche eine Heimlichkeit hätte ahnen lassen . Der Wechsel unserer beiden letzten Herrinnen , der gespenstischen Urgreisin im Goldturme , mit deren Beschwörung wohl heute noch die Mütter ihre Kinder zur Ruhe scheuchen , und der im fünfzigsten Jahre noch frisch und kräftig , fast wie im fünfzehnten , ausschauenden und schaffenden Hardine glich dem des Tages mit der Nacht . So stand sie vor hoch und gering ehrenreich und ehrenrein wie keine zweite ; so stand sie im Kreise der Notabeln ihrer Gegend , an der Seite des Mannes , der für ihren einzigen Vertrauten galt , und den man neuerdings vielfach den Erkorenen für ihr freies Erbe nannte , als ein landstreichender Bettler , der erste seiner Art , der ihr Gehege zu betreten wagte , sich zu einer Bezichtigung , zu einer Anforderung an sie erdreistete , vor welcher das niedrigste Weib in Scham und Zorn entbrannt sein würde . Die Unterredung mit dem Grafen , ihrem Begleiter , schien ihre Aufmerksamkeit so sehr in Anspruch genommen zu haben , daß sie das Nahen der beiden Fremdlinge nicht früher bemerkte , bis August Müller dicht zu ihren Füßen ihren Namen rief . In seinem verwilderten Zustande , mit allen Anzeichen des Trunkenbolds , war der erste Eindruck der des Widerwillens und der Entrüstung . » Fort ! « befahl sie , indem sie einen Diener herbeiwinkte , den Eindringling zurückzutreiben . » Fort ? « rief der Invalid , bis jetzt noch aufgeräumten Humors ; » fort weisen Sie mich , Fräulein Hardine ? Sie erkennen mich wohl nicht , und ich erkannte Sie doch auf den ersten Blick , wenngleich Sie vor zwanzig Jahren noch keine Krone getragen haben . « Er war während dieser Worte die Stufen hinangestiegen und faßte nun dreist nach der Dame Hand . Unbillig wehrte sie mit beiden Armen den Zudringlichen ab , während mehrere Diener herbeisprangen , die Gäste aus dem Garten