Küche kam und fragte , ob denn der Kaffee noch nicht bald fertig sei . Auf das » Na « der Köchin befahl sie dieser streng , sich einmal ein wenig zu tummeln , und doch mußte man ihr dann hernach dreimal rufen , bis sie endlich ihren wohlgefüllten Kleiderkasten verließ und in die Stube kam , wo der Krämer lächelnd auf sie wartete . Der Kaffee hätte spottschlecht sein können , ohne daß die sonst von der Magd so gefürchtete Feinschmeckerin es heute bemerkt haben würde . Unter allen , welche fast ein Gefühl hatten , als ob eigentlich der Ostertag nur ihretwegen endlich gekommen sei , blieb wohl keine vor dem Kirchengehen so lange im Schlaf- und Ankleidezimmer wie die Zusel , was ihr auch vom Krämer durchaus nicht verargt wurde , da er ja wußte und oft schon mit unverkennbarem Behagen erzählte , daß die es mit Ankleiden überhaupt ungemein genau nehme . Es verlohne sich das aber bei ihr auch wie nur bei wenigen , fügte er dann nicht ohne Stolz bei , und seltsamerweise gab es nicht viele im Dorfe , die ihm solche Reden öffentlich verargten , eine Nachsicht , die er wohl mehr seiner wirklich schönen Tochter als eigenem Ansehen verdankte . » Er ist eben ein Emporkömmling und hat es nun wie die hungrige Kuh , wenn sie in den Heustadel kommt . « Mit diesen Worten schlossen die meisten Erzählungen von dem stolzen Manne , dem seine frühere Armut und seine gemeine Verwandtschaft immer auf eine ihm freilich nicht erwünschte Weise zu seiner Entschuldigung angeführt wurde . Von ihm , der noch immer für einen Auswärtigen galt , schien kein Mensch viel Gutes zu erwarten . Er konnte tun und reden , was er wollte , ohne jemals ernstlichen Tadel fürchten zu müssen . Der Jos hätte sich über diese Nachsicht nicht so ärgern , sie nicht Kriecherei vor dem Goldenen Kalbe nennen sollen , sondern nur Gleichgültigkeit gegen den Bruder der Schnepfauerin , den Fremden . Eine Zeitlang hatte man sich doch schon etwas mehr um ihn gekümmert . Das war damals gewesen , als er zuerst mit seinem kleinen Kram im Dorfe hausierte und einem der reichsten Mädchen derart den Kopf verdrehte , daß es ihn am Ende noch sogar heiraten mußte . Selbst noch hernach konnten sich viele nicht recht erklären , wie das zuging , obwohl es sechs Monate nach der Hochzeit die kleine Angelika ins Dorf hinaus zu schreien begann . Freilich war der Krämer ein merkwürdig durchtriebener Gesell und hatte als Hausierer so gut als einer jeden bei seiner Eigenheit zu fassen und seinem Zwecke zuzuleiten gelernt . Sein Ehrgefühl vermochte ihn nie zu beschränken ; das schadete ihm in der öffentlichen Meinung trotz seines erworbenen Vermögens bei weitem mehr als seine später nach Au gekommene unglückliche Schwester , und es wäre wohl nicht nötig gewesen , der Gefallenen sein Haus zu verbieten , solange er auf Wucher auslieh , mit armen Witwen herzlos die unverschämtesten Nothändel machte und keinen Weg für zu schlecht hielt , wenn er darauf nur zu irgendeinem Vorteil kam . Nur noch lauter wurde freilich das Reden und Lachen über ihn wegen dem Lisabethle , und viele gönnten ihn jetzt als Strafe Gottes dem ehemals so eitlen Mädchen , das nur verächtlich aus seinem hochdachstuhligen Hause auf die wackersten Burschen des Dorfes herabgesehen hatte . Ihn ärgerte es schrecklich und machte ihn mit der Zeit trotzig , daß man ihn nie zu denen zählen wollte , neben welchen er doch im Steuerbuche stand . Aufgeben aber kann ein Mann mit eisernem Willen , der es schon so weit gebracht hat wie der Krämer , seinen Lieblingsplan nicht so leicht . Rom ist auch nicht an einem Tage gebaut worden . Der Boden war jetzt glücklich geschaffen zum Fundament , und das weitere dachte Josef Anton seinen beiden hübschen Töchtern zu überlassen . Die mußten wohl kein Tröpflein von seinem Blut haben , wenn es ihnen nicht fast von selbst wie spielend gelang , auch alle die Türen aufzutun , die man ihm bisher stolz und trotzig vor der Nase zugeschlagen hatte . Mit der Angelika nun hatte dem Krämer seine Rechnung gänzlich gefehlt , und zwar gerade darum , weil die Stigerin fürchtete , daß sie nur zu viele Tropfen von seinem Blute , seiner Art habe . So entschieden war sie noch nie gegen Hansen aufgetreten , hatte es auch noch nie so lange und mit aller Kraft und List zu tun nötig gehabt , als da es eine Neigung im Herzen des Sohnes zu bekämpfen galt , die ein so gemeiner Verwandtschaft entstammendes Mädchen mit Gewalt zu ihrer Schwiegertochter machen wollte . Als Hans endlich der Mutter nachgab , kam die gute Angelika in ein böses Gerede , wie das fast jedem Mädchen geht , wenn es einen Liebhaber verliert , den ihm viele längst mißgönnten , ohne dieses Gefühl auch nur durch ein Wort verraten zu dürfen . Dem Krämer , der wohl wußte , daß der Spott umsonst kommt , wenn man den Schaden hat , machte das weit weniger Kopfweh , als es wohl seinem seligen Weibe gemacht hätte . Ihr war Angelika immer lieber gewesen als dem Krämer , welcher behauptete , daß sie gar nicht seine Art habe . Als dann sein Weib starb , indem sie der Zusel das Leben gab , wurde Angelika , damals sechs Jahre alt , zu einer Verwandten der Mutter gebracht , die Gott von Herzen dankte , daß wenigstens ein Kind ihrer unglücklichen Base nun doch noch ordentlich erzogen werden könne . Der Krämer gönnte ihr diese Freude von Herzen und nahm sich der Zusel um so mehr an , die viel von seiner Art hatte und aus der er nun etwas Rechtes machen wollte . Zuweilen redete er wohl davon , auch die Angelika wieder heimzunehmen , aber neben dem ernsten Wesen war ihm nie recht wohl , und so kam er denn auch nie