, in welchem Ihr ausruhen könnt . « Als er dies gesagt und ich ihm Folge geleistet hatte , trat er zu einer breiten Strohmatte und zu Fußbürsten , die sich am Ausgange des Zimmers befanden , reinigte sich an beiden sehr sorgsam seine Fußbekleidung , und lud mich ein , dasselbe zu tun . Ich tat es , und da ich fertig war , öffnete er die Ausgangstür , die ebenfalls braun und getäfelt war , und führte mich durch ein Vorgemach in ein Ausruhezimmer , welches an der Seite des Vorgemaches lag . » Dieses Vorgemach « , sagte er , » ist der eigentliche Eingang in das Speisezimmer , und man kommt von der andern Tür in dasselbe . « Das Ausruhezimmer war ein freundliches Gemach , und schien recht eigens zum Sitzen und Ruhehalten bestimmt . Es befaßte nichts als lauter Tische und Sitze . Auf den Tischen lagen aber nicht , wie es häufig in unsern Besuchzimmern vorkömmt , Bücher oder Zeichnungen und dergleichen Dinge , sondern die Tafeln derselben waren unbedeckt , und waren ausnehmend gut geglättet und gereinigt . Sie waren von dunklem Mahagoniholze , das in der Zeit noch mehr nachgedunkelt war . Ein einziges Geräte war da , welches kein Tisch und kein Sitz war , ein Gestelle mit mehreren Fächern , welches Bücher enthielt . An den Wänden hingen Kupferstiche . » Hier könnt Ihr ausruhen , wenn Ihr vom Gehen müde seid , oder überhaupt ruhen wollt , « sagte der Mann , » ich werde gehen und sorgen , daß man Euch etwas zu essen bereitet . Ihr müßt wohl eine Weile allein bleiben . Auf dem Gestelle liegen Bücher , wenn Ihr etwa ein wenig in dieselben blicken wollet . « Nach diesen Worten entfernte er sich . Ich war in der Tat müde und setzte mich nieder . Als ich saß , konnte ich den Grund einsehen , weshalb der Mann vor dem Eintritte in dieses Zimmer so sehr seine Fußbekleidung gereinigt und mir den Wunsch zu gleicher Reinigung ausgedrückt hatte . Das Zimmer enthielt nämlich einen schön getäfelten Fußboden , wie ich nie einen gleichen gesehen hatte . Es war beinahe ein Teppich aus Holz . Ich konnte das Ding nicht genug bewundern . Man hatte lauter Holzgattungen in ihren natürlichen Farben zusammengesetzt und sie in ein Ganzes von Zeichnungen gebracht . Da ich von den Geräten meines Vaters her an solche Dinge gewohnt war und sie etwas zu beurteilen verstand , sah ich ein , daß man alles nach einem in Farben ausgeführten Plane gemacht haben mußte , welcher Plan mir selber wie ein Meisterstück erschien . Ich dachte , da dürfe ich ja gar nicht aufstehen und auf der Sache herum gehen , besonders wenn ich die Nägel in Anschlag brachte , mit denen meine Gebirgsstiefel beschlagen waren . Auch hatte ich keine Veranlassung zum Aufstehen , da mir die Ruhe nach einem ziemlich langen Gange sehr angenehm war . Da saß ich nun in dem weißen Hause , zu welchem ich hinauf gestiegen war , um in ihm das Gewitter abzuwarten . Es schien noch immer die Sonne auf das Haus , blickte durch die Fenster dieses Zimmers schief herein , und legte lichte Tafeln auf den schönen Fußboden desselben . Als ich eine Weile gesessen war , bemächtigte sich meiner eine seltsame Empfindung , welche ich mir anfangs nicht zu erklären vermochte . Es war mir nämlich , als sitze ich nicht in einem Zimmer , sondern im Freien , und zwar in einem stillen Walde . Ich blickte gegen die Fenster , um mir das Ding zu erklären ; aber die Fenster erteilten die Erklärung nicht : ich sah durch sie ein Stück Himmel , teils rein , teils etwas bewölkt , und unter dem Himmel sah ich ein Stück Gartengrün von emporragenden Bäumen , ein Anblick , den ich wohl schon sehr oft gehabt hatte . Ich spürte eine reine , freie Luft mich umgeben . Die Ursache davon war , daß die Fenster des Zimmers in ihren oberen Teilen offen waren . Diese oberen Teile konnten nicht nach innen geöffnet werden , wie das gewöhnlich der Fall ist , sondern waren nur zu verschieben , und zwar so , daß einmal Glas in dem Rahmen vorgeschoben werden konnte , ein anderes Mal ein zarter Flor von weiß-grauer Seide . Da ich in dem Zimmer saß , war das letztere der Fall . Die Luft konnte frei herein strömen , Fliegen und Staub waren aber ausgeschlossen . Wenn nun gleich die reine Luft eine Mahnung des Freien gab , sah ich doch hierin nicht die völlige Erklärung allein . Ich bemerkte noch etwas anderes . In dem Zimmer , in welchem ich mich befand , hörte man nicht den geringsten Laut eines bewohnten Hauses , den man doch sonst , es mag im Hause noch so ruhig sein , mehr oder weniger in Zwischenräumen vernimmt . Diese Art Abwesenheit häuslichen Geräusches verbarg allerdings die Nachbarschaft bewohnter Räume , konnte aber eben so wenig als die freie Luft die Waldempfindung geben . Endlich glaubte ich auf den Grund gekommen zu sein . Ich hörte nämlich fast ununterbrochen bald näher bald ferner , bald leiser bald lauter vermischten Vogelgesang . Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf diese Wahrnehmung , und erkannte bald , daß der Gesang nicht bloß von Vögeln herrühre , die in der Nähe menschlicher Wohnungen hausen , sondern auch von solchen , deren Stimme und Zwitschern mir nur aus den Wäldern und abgelegenen Bebuschungen bekannt war . Dieses wenig auffallende , mir aus meinem Gebirgsaufenthalte bekannte und von mir in der Tat nicht gleich beachtete Getön mochte wohl die Hauptursache meiner Täuschung gewesen sein , obwohl die Stille des Raumes und die reine Luft auch mitgewirkt haben konnten . Da ich nun genauer auf dieses gelegentliche Vogelzwitschern achtete , fand ich wirklich , daß Töne sehr einsamer und immer in tiefen Wäldern wohnender Vögel vorkamen . Es nahm sich