man sagt , damit es ihnen das weiche Hirn nicht einschlage ; aber da drüben hinter Endringen ist ' s schon hell und die Sonne bricht bald hervor , und die Berge , der Wald , die Felder , Alles sieht aus wie ein Menschenantlitz , das sich ausgeweint hat und nun hellglänzend in Freude strahlt . Die Vögel in der Luft und von den Bäumen jubeln und die Gänse , die sich im Wetterschauer zusammengedrängt und die Schnäbel verwundert aufgestreckt hatten , wagen sich wieder auseinander , und grasen und schnattern und besprechen das vorübergegangene Ereigniß mit der jungen flaumweichen Brut , die dergleichen noch nicht erlebt hat . Gleich nachdem Amrei vom ersten Unwetter überfallen worden war , hatte sie für künftige Fälle Vorsorge getroffen . Sie trug von nun an immer einen leeren Kornsack , den sie noch vom Vater ererbt hatte , mit hinaus auf den Ganstrieb . Zwei gekreuzte Aexte mit dem Namen des Vaters waren noch deutlich auf dem Sack abgemalt , und bei Gewittern deckte sie sich mit dem Sacke zu und wickelte sich fast hinein ; da saß sie dann wie unter einem schützenden Dach und schaute hinein in den unfaßbaren wilden Kampf am Himmel . Ein kalter Schauer , der in Wehmuth überging , wollte sich gar oft ihrer bemächtigen , sie wollte weinen über ihr Schicksal , das sie so allein , verlassen von Vater und Mutter , hinaus gestellt ; aber sie gewann schon früh eine Kunst und eine Kraft , die sich schwer lernt und übt : die Thränen hinabwürgen . Das macht die Augen frisch und doppelt hell mitten in allem Trübsal und aus ihm heraus . Amrei bezwang ihre Wehmuth besonders in Erinnerung an einen Spruch der schwarzen Marann ' : wer nicht will , daß ihm die Hände frieren , muß eine Faust machen . Amrei that so , geistig und körperlich , sah trotzig in die Welt hinein und bald kam Heiterkeit über ihr Antlitz ; sie freute sich der prächtigen Blitze und ahmte leise vor sich den Donner nach . Die Gänse , die sich wieder zusammengeduckt hatten , schauten wieder seltsam drein , sie hatten ' s aber doch gut : alle Kleider , die sie brauchen , sind ihnen auf den Leib gewachsen und für das was man ihnen im Frühling ausgerupft hat , ist schon wieder anders da , und jetzt da das Wetter vorüber ist , jubelt wieder Alles in der Luft und auf den Bäumen und die Gänse machen sich ' s im warmen Sonnenschein bequem , sie setzen sich nieder und fressen sitzend das neugewürzte Gras im Umkreise . Von dem tausendfältigen Sinnen , das in Amrei lebte , erhielt nur die schwarze Marann ' bisweilen Kunde , wenn sie vom Wald kommend ihre Holzlast und ihren Sack mit gefangenen Maikäfern und Würmern bei der Hirtin abstellte . Da sagte Amrei eines Tages : » Bas ' , wisset ihr auch warum der Wind weht ? « » Nein , weißt denn du ' s ? « » Ja , ich hab ' s gemerkt . Gucket , Alles was wächst muß sich umthun . Der Vogel da fliegt , der Käfer da kriecht , der Has ' , der Hirsch , das Pferd und alle Thiere die laufen , und der Fisch schwimmt und der Frosch auch , und da steht der Baum und das Korn und das Gras und das kann nicht fort und soll doch wachsen und sich umthun , und da kommt der Wind und sagt : bleib ' du nur stehen , ich will dich schon umthun , so . Siehst du , wie ich dich drehe und wende und biege und schüttle ? Sei froh , daß ich komm ' , du müßtest sonst verhocken und es würde nichts aus dir ; es thut dir gut , wenn ich dich müd mache , du wirst es schon spüren . « Die schwarze Marann ' sagte darauf nichts weiter als ihren gewohnten Spruch : » Ich bleibe dabei , in dir steckt die Seele von einem alten Einsiedel . « Nur einmal half die Marann ' den stillen Betrachtungen der Amrei auf eine andere Spur . Die Wachtel schlug bereits im hohen Roggenfeld und neben Amrei sang fast einen ganzen Tag unaufhörlich eine Feldlerche am Boden , sie wanderte hin und her und sang immer so innig , so in ' s tiefste Herz hinein , es war wie ein Saugen der Lebenslust . Das klang noch viel schöner als die Töne der Himmelslerche , die sich aufschwingt in die Luft , und oftmals kam der Vogel ganz nahe und Amrei sagte fast laut vor sich hin : » Warum kann ich dir ' s nicht sagen , daß ich dir nichts thun will ? bleib ' nur da ! « Aber der Vogel war scheu und versteckte sich immer wieder . Und Amrei sagte schnell überlegt vor sich hin : » Es ist doch wieder gut , daß die Vögel scheu sind ; man könnte ja sonst die diebischen Sperlinge nicht vertreiben . « Als am Mittag die Marann ' kam , sagte Amrei : » Ich möcht ' nur wissen , was so ein Vogel den lieben langen Tag zu sagen hat , und er schwätzt sich gar nicht aus . « Darauf erwiderte die Marann ' : » Schau , so ein Thierlein kann nichts bei sich behalten und in sich hinein reden , im Menschen aber spricht sich auch immer etwas in ihm fort , das hört auch nie auf , aber es wird nicht laut ; da sind Gedanken , die singen , weinen und reden , aber ganz still , man hört ' s selber kaum ; so ein Vogel aber , wenn er zu singen aufgehört hat , ist fertig und frißt oder schläft . « Als die schwarze Marann ' mit ihrer Holztraget fortging , schaute ihr Amrei lächelnd nach : » Die ist