werden soll , denn ich bin nun kein Kind mehr , und wenn ich Euch bisher oft durch meinen Unverstand betrübt habe , so hab ich mir jetzt vorgenommen , Euch hinfüro ein treuer , gehorsamer Sohn zu sein . « » Mach nicht so viel Redensarten ! « sagte der Alte . » Wenn dir ' s Ernst ist , so tu ' s , ohne davon zu reden ; aber versprich nichts , was du nicht halten kannst . Setz dich und iß . « » Ja , Vater , aber ich hab zuvor eine großmächtige Bitte « , fuhr Friedrich fort , ohne sich durch den Empfang irremachen zu lassen . » Ich möcht eine Seele vom Verderben retten , und das kann ich nicht , wenn Ihr mir nicht dazu helft . « Der Alte erhob sein Gesicht . Die Stiefmutter sah ihn mit gespannter Neugier und finsterer Miene an . Er hatte sie noch nicht gegrüßt , er hatte nur für seinen Vater Augen gehabt . » Ihr meint gewiß , Vater « , sprach er weiter , » da , wo ich herkomme , hab ich nur lauter schlechtes Zeug gelernt . Aber so ist ' s nicht , vielmehr bin ich in gute Hände geraten und hab Christentum gelernt . Ich hab gelernt , daß jeder gute Christ und redliche Mensch seinen verachteten Mitbrüdern aufhelfen müsse . Weil das aber nicht einer für alle tun kann , so mein ich , es sei genug , wenn ein Mensch oder eine Familie sich eines einzigen annimmt . « » Wo will denn das hinaus ? « fragte der Alte barsch . » Vater , ich hab Euch einen Menschen mitgebracht , der keine Heimat hat , eine vater- und mutterlose Waise , denn das ist er , und wenn auch seine Eltern noch leben . Und ich bitt Euch , so lieb Euch Euer Sohn sein mag , der Euch freilich schon Kummer und Verdruß gemacht hat - so lieb es Euch sein mag , daß der ungeratene Sohn noch was Ordentliches in der Welt werde , so hoch bitt ich Euch , Vater : laßt den Menschen , den ich mitbringe , als Euren Knecht in Eurem Hause sein . « » Wo ist er denn ? « fragte der Alte ungeduldig . » Er wartet hinterm Haus am Garten . « Die Stiefmutter gab dem Chirurgus einen Wink , und er schlich sich unbemerkt hinaus . » Wer ist er denn ? « fragte der Alte weiter . Friedrich schwieg eine Zeitlang in sichtlicher Verlegenheit ; die siegesfrohe Zuversicht , die er bei seinem Eintreten gezeigt hatte , war allmählich von ihm gewichen . » Vater « , hob er endlich an , » Ihr werdet in Eurem Herzen nicht sogleich die Stimme finden , die für ihn spricht . Man hat gegen diese Leute manches einzuwenden , und das ist auch kein Wunder , denn man behandelt sie auch danach . « » Mach ' s kurz und gut « , rief der Alte und schlug auf den Tisch . » Was ist das vor eine Manier ? Wenn ' s was Rechtes ist , so sag ' s frei heraus , und ist ' s was Dummes , so halt das Maul ! Was brauchst du mir durch die Ränkeleien da das Essen zu verderben . « Indessen war der Chirurg wieder eingetreten . » Es ist ein Zigeuner « , sagte er langsam und nachdrücklich , indem er zu dem Tisch trat . » Ein Zigeuner ? « rief die Stiefmutter und schlug ein gellendes Gelächter auf . Die beiden Müller und der Knecht , welche aufmerksam zugehört hatten , lachten aus vollem Halse mit . Auch das Gesinde am Tische stimmte in das Gelächter ein , doch nur allmählich und schüchtern , da der Sonnenwirt nicht mitlachte , sondern die Stirne in dräuende Falten gelegt hatte . Magdalene war mit einem wehmütigen Blick auf den Bruder hinausgegangen . » Ich weiß wohl , Vater , daß es eine Zumutung ist « , fuhr Friedrich unerschrocken fort . » Aber soll ' s denn der arme Teufel büßen , daß seine Eltern Zigeuner gewesen sind ? « Der Chirurgus unterbrach ihn . » Das hängt vielleicht « , sagte er mit etwas näselnder Stimme , » das hängt vielleicht mit der Prädestination zusammen , die der Herr Pfarrer predigt . « » Ich red mit meinem Vater und nicht mit Ihm ! « warf Friedrich stolz von der Seite dem Chirurgus zu . » Wie kann man denn verlangen , daß diese Leute ehrlich werden sollen , wenn man nicht endlich einen Anfang mit ihnen macht ? Und wie kann man denn anders anfangen , als mit dem christlichen Zutrauen , das man in einem christlichen Hause einem von diesen armen Leuten schenkt ? Wenn man dann in einem Haus angefangen hat , so machen ' s die andern nach , und eben darum sprech ich zu Euch , Vater , weil Ihr ein angesehener Mann seid und ein Beispiel geben könnt . « Die Stiefmutter hatte inzwischen Blick und Winke mit dem Chirurgus ausgetauscht . » Wie sieht er denn aus ? « fragte sie jetzt mit dem Tone der Neugier . » Er schielt auf einem Aug ' und sieht aus wie ein leibhaftiger Galgenvogel « , antwortete der Chirurgus . » Was will denn Er ? « fuhr Friedrich erzürnt herum . » Wenn man Ihn auf ein Erbsenfeld setzen tät , so könnt man vor den Spatzen sicher sein . « Der alte Sonnenwirt fuhr auf und versetzte seinem Sohne eine derbe Ohrfeige : » Ich will dir unartig gegen meine Gäste sein . Man muß dir die Äste abhauen , wenn du zu krattelig wirst . Halt ' s Maul jetzt und pack dich . Ich will dich heut nicht mehr vor Augen haben . Das käm mir geschlichen , einen Zigeuner ins Haus