Sachen sorgfältig zusammengepackt , das Kleidchen mit den rothen Schleifen ebenfalls in ein Tuch gewickelt , und war gerade fertig geworden , als der Wagen wieder kam und Schwindelmann ihr winkte , mitzufahren . Es war ein kalter dunstiger Abend ; die Gaslaternen brannten mit einem röthlichen Lichte , und den Athem der Pferde sah man deutlich wie weißen Dampf aus ihren Nüstern hervorkommen . Das Rollen der Räder auf dem Pflaster klang dumpf , und da die Calesche ringsum verschlossen war und fünf der ziemlich erhitzten Tänzerinnen in sich schloß , so liefen die Scheiben so dicht an , daß keine derselben ihre Straße erkennen konnte und es bei jedesmaligem Anhalten eine kleine Debatte gab , wo man sich eigentlich befinde . Schwindelmann schlichtete diesen Streit aber augenblicklich , indem er die betreffende junge Dame bei ihrem Namen rief . Endlich erklang der von Demoiselle Clara , worauf diese mit ihren beiden Paketen den Wagen verließ , ihren Colleginnen gute Nacht wünschte und an die Hausthüre trat . » Soll ich für Sie anläuten ? « fragte der freundliche Schwindelmann . Doch das Mädchen erwiderte eifrig : » Ich danke recht sehr ; ich habe meinen Hausschlüssel , und wünsche eine gute Nacht . « Ehe sich aber Schwindelmann hierauf entfernte , sagte er leise zu der jungen Tänzerin : » Sie werden mir schon erlauben , Fräulein Clara , daß ich morgen Früh ein Bouquet für Ihr kleines Schwesterchen bringe ; ich habe einen Freund , der Handelsgärtner ist und der es mir fast umsonst gibt . « Nachdem der Theaterdiener diese Worte angebracht , wartete er keine Genehmigung oder keinen Dank ab , sondern trat an seinen Wagen , schloß geräuschlos den Schlag , nannte dem Kutscher eine Straße und fuhr davon . Clara blieb an ihrer Hausthüre stehen , ohne den erwähnten Schlüssel herauszuziehen . Sie horchte auf den davonrollenden Wagen , und als er ihr weit genug entfernt schien , verließ sie das Haus wieder und ging die Straße hinab , bis sie in der schon völlig dunkeln Häuserreihe den noch spärlich erleuchteten Laden eines Bäckers erreichte . Hier trat sie ein , zog eine magere Börse hervor , und nachdem sie ein paar kleine Weißbrode gekauft , ging sie sehr langsam nach ihrem Hause zurück . Wir sagen sehr langsam ; ja mehrere Male blieb sie beinahe stehen , öfters aber schaute sie hinter sich , und jeden Augenblick horchte sie auf das entfernte Rollen eines Wagens oder auf schallende Fußtritte , die sich in irgend einer Nebenstraße verloren . Dann schüttelte sie den Kopf und sagte mit leiser Stimme : » Sonderbar ! Es ist heute das erste Mal , daß ich ihn nicht gesehen ; er war nicht im Theater auf seinem Platze , er stand nicht am Wagen , als wir einstiegen , und auch hier ist nichts von ihm zu sehen . « Mit diesen Worten hatte sie ihre Hausthüre wieder erreicht , suchte ihren Schlüssel hervor , drehte das Schloß auf und wollte gerade in den finstern Gang schlüpfen , als sich eilige Schritte auf der Straße näherten , die Gestalt eines Mannes sichtbar wurde und eine leise Stimme rief : » Fräulein Clara - nur einen Augenblick ! « Die Tänzerin blieb in der geöffneten Thüre stehen und erwartete ruhig die Ankunft dieses Mannes , der darauf in drei Sprüngen neben ihr in dem dunkeln Flur stand . Er holte tief Athem und konnte kaum sprechen . » Ich bin so gelaufen , « sprach er nach einer kleinen Pause , » um Sie noch einen Augenblick zu sehen ; wie froh bin ich , daß ich noch zur rechten Zeit komme . « » Sie waren nicht im Theater , « versetzte das Mädchen . » Ich hatte nicht erwartet , Sie heute Abend noch zu sehen . « » Ich konnte nicht , Fräulein Clara , es war mir unmöglich , das Theater zu besuchen . Ah ! hören Sie , wie ich gelaufen bin ; ich war in einer großen , sehr langweiligen Gesellschaft , und erst vor einer Viertelstunde gelang es mir , mich wegzuschleichen . Ich bin nur gekommen , Ihnen eine gute Nacht zu wünschen . « » Das freut mich in der That , « entgegnete das junge Mädchen und sah ihn treuherzig mit ihren großen Augen an . » Sie haben mich ganz verwöhnt , und wenn ich Sie nicht im Theater sehe oder am Wagen oder hier eine Sekunde , so fehlt mir etwas . « » Wie danke ich Ihnen für dieses Wort , und wie bin ich so froh , daß Sie mir wenigstens erlauben , Sie einen Augenblick zu sehen und zu sprechen . Ach , Fräulein Clara , wenn Sie nicht so hart und unerbittlich wären , so hätte ich schon lange einen Vorwand gefunden , mich bei Ihrem Vater einzuführen . « » Nein , nein , « erwiderte eifrig das Mädchen ; » ich will keine Vorwände und kann Sie auch bei uns nicht sehen . Ist es nicht genug , daß ich Ihnen hier an der Thüre eine freundliche gute Nacht sage ? Ich habe so Etwas in meinem ganzen Leben noch nicht gethan . Sind Sie damit nicht zufrieden ? « » Doch , doch , liebe Clara ! ich bin ja damit zufrieden . - Aber Ihre Hand werden Sie mir heute Abend nicht versagen . « » Nun meinetwegen ! « entgegnete freundlich lachend die Tänzerin . » Eine Hand will ich Ihnen reichen , aber dann müssen Sie auch still nach Hause gehen . « » Und zufrieden , « sagte ebenfalls lachend der junge Mann . Clara nahm nicht ohne einige Mühe die Pakete , den Hausschlüssel und das Brod in die eine Hand , um die andere ihrem jungen Freunde reichen zu können . Er faßte sie eifrig mit seinen beiden und drückte in aller Geschwindigkeit mehrere Küsse auf ihre niedlichen Finger , eine Überschreitung der