Logen mit einer wahren Perlenschnur von Medusenköpfen gesäumt ist . Die eigentlichen Flamländerinnen haben Gliedmaßen , wie sie sich nie ein weibliches Wesen erlauben sollte . Die Walloninnen , schwarzäugig und lebendig zwar wie Französinnen , verlieren sehr durch ihren mangelhaften Teint . Fragt man in Lüttich nach schönen Frauen , so heißt es : » Oh , gehen Sie nur par exemple nach Brügge , dort finden Sie noch viel spanisches Blut . « Erkundigt man sich in Brügge nach hübschen Damen , so heißt es : » Oh , gehen Sie nur nach Lüttich , dort herrscht die französische Rasse vor . « Leider fand ich weder Spanier noch Franzosen in Belgien - nur Belgier ; rien que cela . Jedenfalls sind die Belgier schöner als die Belgierinnen . In Holland ist dies gerade umgekehrt , wenigstens in dem eigentlichen Holland , dem klassischen Lande des Kaffee- und Zuckerschachers . Die Männer sind dort entweder infolge eines wüsten Lebens der Hafenstädte zu wahren Skeletten , zu windhundartigen Figuren abgemagert oder im reifern Alter zu so enormen Wänsten aufgeschwemmt , daß man erst einige Zeit suchen muß , ehe man in jenen Fleischkolossen ein menschliches Wesen findet . Die holländischen Frauen sind dagegen fast durchgängig hübsch ; sie haben blondes Haar , himmelblaue Augen , eine sehr weiße Haut ; nur leider durch den Gebrauch der unterirdischen Kohlenpfannen und Feuerstübchen bisweilen entsetzlich - große Füße . Aber eine Holländerin kann sehr schön und liebenswürdig sein , und wenn sie mit ihren roten Lippen jene fürchterliche Sprache lispelt , welche in dem Munde der Männer wie das Grunzen und Brummen einer Walkemühle klingt , da bleibt man verwundert stehn und sieht aufs neue , daß von schönen Lippen : alles schön klingt , sogar Holländisch . Es verstand sich von selbst , daß Herr von Schnapphahnski auf dem Ball der Brüsseler Oper im vollen Glanze seiner Ritterlichkeit umherspazierte und nicht wenig damit beschäftigt war , jede einigermaßen erbauliche Maske Zoll für Zoll zu studieren . Tanzende zu beschauen , ist ein Kunst- und Naturgenuß zu gleicher Zeit . Der Tanz enthüllt nicht nur manchen Körperteil , den wir bei der Prüderie unsres Jahrhunderts selten en masse zu bewundern Gelegenheit haben , nein , die melodisch dahinflutende Bewegung der Gestalten zeigt uns , daß diese und jene Glieder auch noch einer ganz andern als der gewöhnlichen Tätigkeit fähig sind , und unwillkürlich söhnen wir uns mit unsern alltäglichen Erinnerungen aus , wenn wir die Menschen wieder einmal so kindlich-sonntäglich vor unsrer Nase herumspringen sehen . Die Kunst- und Naturstudien auf einem Brüsseler Balle haben freilich ihre Grenzen , und unser Ritter würde mit seinen Forschungen bald zu Ende gewesen sein , wenn nicht eine ungemein lebendige und graziöse Maske seine Aufmerksamkeit stets von neuem in Anspruch genommen hätte . Bald einen entzückend kleinen Fuß , bald eine zierliche Hand und bald einen Nacken zeigend , der durch seine herrlichen Formen alle übrigen Gestalten des Balles hinter sich ließ , wußte die Geheimnisvolle unsern Ritter stundenlang zu fesseln . Vergebens suchte er aus der Verschleierten irgendein bekanntes Wesen herauszufinden : sie widerstand seinen genauesten Beobachtungen durch so rätselhafte Gebärden und seinen kühnsten Fragen durch so zweideutige Antworten , daß er zuletzt davon überzeugt war , von einer durchaus Fremden intrigiert zu werden . Der Reiz eines derartigen Spieles wird durch den Widerstand , den man findet , nur erhöht . Ein zahmes Roß zu reiten , ist keine Kunst ; ein wildes zu bändigen : die höchste Lust . Der Schwache wünscht Nachgiebigkeit und Kapitulation ; der Kühne : Widerstand und Sieg . Der Schwache genießt nur einmal ; der Kühne tausendmal , denn jede Stufe des Widerstandes wird durch ihr Überwundensein eine Stufe der Glückseligkeit , die nur der letzte Sieg an Wonne überbietet . Suche Widerstand , und du wirst ein Mann sein ; lerne Weiber besiegen , und du wirst die Welt erobern ! Herr von Schnapphahnski war zufällig nicht in der Stimmung , seinen Liebesfeldzug auch nur durch eine Nacht hin auszudehnen . Sei es , daß er alle Hoffnung aufgeben zu müssen glaubte oder daß er an ähnlichen Orten rascheren Erfolg gewohnt war - genug , es ennuyierte ihn mit der Zeit , sich so den ganzen Abend für nichts und wieder nichts an der Nase herumführen zu lassen ; und als die verhängnisvolle Maske wiederum mit sehr spöttischem Gruße an ihm vorüberhuschte , da vergaß unser Held plötzlich , daß er nicht in der Wasserpolackei und auf dem Ball einer zwar belgischen , aber nichtsdestoweniger zivilisierten Stadt sei , und - es ist kaum zu glauben - ja , unser Ritter griff der Vorübereilenden mitten in die Maske - - Die so brutal Angegriffene stutzt , stößt einen Schrei aus , und vierzig bis fünfzig andre Masken stellen sich rings um den Ritter und die Dame . Der Schleier der Schönen ist indes gefallen , und der Ritter erkennt zu seinem nicht geringen Schrecken die Gattin des belgischen Künstlers . Der unglückliche Ehemann , » déguisé en quelqu ' un , qui s ' embête à mort « , ist ebenfalls herbeigesprungen . Er beobachtete den fremden Ritter und die eigne Gattin den ganzen Abend hindurch ; seit einigen Stunden schon fühlte er seine Hörner wachsen , und mit der freudigen Wut eines erretteten Familienvaters stürzt er sich auf unsern Ritter . Eine Szene entspinnt sich , wie man sie in Brüssel vielleicht noch nicht erlebt hatte . Herr von Schnapphahnski begreift gar nicht , wie ihn die Brüsseler Bourgeois so langweilen können . Er nennt seinen Namen , seine Titel - - » Je m ' en f ... « , brüllt der entrüstete Ehemann wie ein Hirsch in der Brunstzeit , und : » Oui Monsieur ! Oui Monsieur ! « schreit der Chor wie im ersten Akt des » Barbiers von Sevilla « . Schnapphahnski gibt seine Karte - - » J ' aurai ta carte dans ma poche et toi la mienne