, der über Dich lacht , und drüben den Savigny , der über Dich lächelt , und der sich so offenherzig rasieren läßt . Clemente , die ungeheuren Stricke , mit denen Du gebunden Dich wähnst , sind nur Spinnweb . Und Du fürchtest , daß wenn Du einen Ruck tust , so reißt das ganze liebesgewebte Netz , Du willst ' s aber gar nicht zerreißen . Gäb sie Dir einen solchen Rheingauer Schmatz , so fiel die Lieb Dir nicht mit der Tür ins Haus . Was solltest Du damit , Du fühlst es selbst . Der Savigny mag sie meinetwegen schon geküßt haben , im Weingarten oder am Brunnen oder sonstwo , er kommt herbei , man sieht ' s ihm nicht an , er macht einen ganz trocknen Mund . Du aber , Clemente , würdest mit allen Sternen Dich darüber besprechen und Echo würde es Dir abluchsen , um es durchs ganze Donnergebirg zu widerhallen , und Du selbst würdest schwanken wie ein Trunkner , des süßesten Weines voll . - Und Walpurgis hat recht , daß es würde Streit setzen im Wirtshaus . Denn das Wirtshaus würde alles entgelten müssen , und wenn das Dachfenster nachts im Winde klapperte , so wär ' s ein Eingriff in Deine Träume , grade da , wo Du vielleicht gewünscht hättest , das Dachfenster hätte Dich um alles nicht geweckt , und wär die Walpurgis zutunlich mit dem Pommer oder mit dem Spitz , so würdest Du ihr vorwerfen , daß sie freundlicher mit den Hofhunden sei wie mit Dir , und würdest dabei ungerecht sein , denn ein Hündchen , das man hat aufgefüttert , und das einem so absichtslos treu ist , das kann einem wohl näher am Herzen liegen als ein durchreisender Liebhaber . Und sei doch ein kaltblütiger Dichter , der gern eine Rolle übernimmt in dem eignen Lustspiel , was er dichtet . Du und der gelehrte Jurist , der so ernsthaft jung ist , und der Bettelmann , der so lustig alt ist , und das Mädchen , das nach den Äpfeln und Birnen sieht , ob sie heuer reifen , und dabei den Liebhabern zublinzelt , nun würde ich , wenn ich der Dichter wär , das Stück oder auch den Akt so enden , daß ich den kräftigen Bettelmann und den schmächtigen Gelehrten dem zurückgesetzten Studenten recht übermütig gegenüberstellte , der sich eben auf seinen Philistergaul schwingt , weil die Ferien aus sind und die beiden Nebenbuhler spottend von ihm Abschied nehmen ; allein wie er eben auf dem trägen Klepper den kotigen Dorfweg nehmen will , siehe da , gleichwie im Homer die alte Bettlerin am Wege sitzend ihre Kleider von sich abwirft , um plötzlich als blendende Göttin Minerva in die Wolken zu steigen , wirft dieser Schimmel auch plötzlich die alte Stalldecke ab und schüttelt seine blendende Flügelmähne und steigt in die Wolken so hoch mit meinem Clemens , und der wirft Kränze herab von seiner himmelansteigenden Bahn und schenkt den beiden Nebenbuhlern , was sie ohne ihn nicht fassen konnten , nämlich , daß es lebende schwebende Natur ist , ihr himmlischer Sinnenreiz - der zu Füßen der schönen Rheingauerin sich entfaltet und mit reinem Lebensodem sie anhaucht im jungen Grün in der tausendfältigen Blumenflur , im klaren Rhein sich spiegelt und wie Tau von der Sonne wird geküßt , und dann , lieber Clemens , lebst Du ja nicht Deine eigensüchtige kleine Liebschaft , nein , den ganzen liebenden Frühling von 1804 , und träufelst ihn herab von den fünf Saiten Deiner Leier und betäubst Deine Nebenbuhler , daß sie schlummern und Wunder träumen von Seligkeit , die Du ihnen zumessest . Das wär nun das Ende von dem Melodrama , das hab ich mir erdacht am Pfingsttag in der Liebfraukirch , wo vom Heiligen Geist gepredigt wurde , wie es mich fürchterlich langweilte , und ich konnte meine Füße nicht ruhig halten vor Ungeduld , ich mußte immer einen über den andern stellen , und in Gedanken war ich am Rhein bei Dir und bei dem Bettelmann , der gar nicht unfreundlich gegen mich war , denn wenn Du meinst , daß ich manche Züge ähnlich mit der Walpurgis ihrem Gesicht habe , so fühl ich , daß ich wieder sehr viel Ähnlichkeit hab mit ihrem Naturell , und ich glaube , der Bettelmann hätte auch bei mir den Sieg davongetragen , wenn nicht ! - Ja , wie soll ich Dir ' s beschreiben ? - nämlich , als ich eben von meiner Vision im Rheingau zurück in meiner Kirchenbank ankam , da war der Kaplan noch immer dran , als Pfingsttaube aus seinem Kröpfchen die Gemeine mit dem Heiligen Geist zu füttern . Der Bettelmann also hätte auch bei mir den Sieg davongetragen , wenn meine Vision nicht plötzlich mir den lieben Bruder Clemens daherzauberte , wie der plötzlich statt der Taube im feurigen Galopp aus dem Schalloch herabgeflogen kam mitten in die Kirche ! Der Prediger auf der Kanzel erstarrt , die Gemeine in ihrem Gesang verstummt , der herrliche Clemens aber auf seinem Pegasus karakoliert gleich einem englischen Reiter und macht wunderschöne Künste auf seinem Wolkenstampfer ; und auf dem Gewölk , was seinem herrlich melodischen Ritt zum Tanzboden dient , schweben wunderschöne Rosenkränze von einer Wolkenstufe zur andern und blühen und duften immer schöner , und die Menschen haben das Beten vergessen , alle fangen sie die Rosen auf , und das war Dir ein Getümmel in der Kirche und ein Jauchzen über die aufgefangnen Kränze ! Ach , ich könnte Dir noch mehr erzählen , wenn ' s nicht zu lang dauerte für ein Rosenfest , dessen höchster Reiz ist , daß er bald verblüht . Die Kirche war aus , eh ich ' s dachte , die Leute tummelten sich zur Kirchtür hinaus . Die Bäcker liefen mit weißgepuderten Kuchen , es war so heißer Sonnenschein . Den zweiten Pfingsttag ganz früh war ich mit dem