, Frau von Meining ist bei uns « , wurde mancher Einladung hinzugefügt . Clementine lächelte oft selbst , wenn sie bedachte , wie sie gar Nichts dazu thue , den Ruf der Liebenswürdigkeit und des anmuthigsten Geistes zu verdienen . Sie gefiel , weil sie einen Jeden gewähren ließ , sie sprach im Ganzen wenig und ruhig , hörte mit Verstand zu , konnte aber doch bisweilen , wenn ihr Gefühl angeregt wurde , zu lebhaftem Gespräche hingerissen werden oder einen Streit durch eine geschickte Wendung beenden . Das nahm die Männer für sie ein . Und obgleich sie nach jener Unterhaltung mit Marianne mehr Sorgfalt als bisher auf ihre Kleidung wendete , um nicht wieder zu ähnlichen Bemerkungen Anlaß zu geben , machte ihr gänzliches Verzichten auf jene Bewunderung , die durch eigene Schönheit und durch Pracht der Kleidung hervorgerufen wird , den Neid und die Eifersucht der Frauen schweigen . Meining ' s zärtliche Eitelkeit auf seine Frau fand hier in dem größern Kreise die reichlichste Nahrung , und er gefiel sich darin , sie mit Schmuck und Luxus zu umgeben , um den Edelstein , den er in ihr besaß , auch in der glänzendsten Fassung zu zeigen . Hatte er sie früher geachtet und werth gehalten , so war er nun recht eigentlich verliebt in sie . Sie war ihm die treue Gefährtin von früher und doch eine ganz neue Erscheinung , und er hatte Nichts lieber , als wenn man ihn um des Besitzes dieser Frau willen glücklich pries . Dann unterließ er nie , ihre häuslichen Tugenden , von deren Ausübung jetzt gar nicht mehr die Rede war , auf das Eifrigste zu rühmen und hinzuzufügen , wie thöricht es sei , zu einer glücklichen Ehe Gleichheit des Alters als wesentliche Bedingung zu betrachten , er sei fast noch einmal so alt , als seine Frau , und doch vollkommen glücklich . Und in der That , die Ehe des Geheimraths konnte man für ein Muster von Zufriedenheit betrachten . Denn daß Clementine unter den Spitzen und Perlen ihr Herz leer und sich mitten in der größten Gesellschaft häufig verlassen fühlte , das konnte die Welt nicht wissen . Sie sehnte sich , da ihre Ehe kinderlos zu bleiben schien , nach Mariens Kindern , sie hätte viel darum gegeben , wenn Marie ihr eines derselben anvertraut hätte , aber weder Marie noch der Geheimrath , der das unruhige , kindliche Treiben nicht mehr liebte , zeigten dazu Neigung , so daß sie auch diesen Wunsch bald aufgeben mußte , und das Liebebedürfniß in ihrer Seele blieb unbefriedigt . Sie fühlte sich alt werden und arm in all ' dem Reichthum , der sie umgab , und die Ueberzeugung , in ihrem Leben könne keine Freude mehr erblühen , wurzelte immer tiefer in ihrem Herzen . Dazu kam , daß die neue Lebensweise sie aufregte und angriff , und , was sie sich selbst kaum zu gestehen wagte , das Bild des einst Geliebten trat hier , wo sie die schönste Zeit ihres Lebens mit ihm verlebt hatte , unaufhörlich vor ihr inneres Auge . Wenn sie bisweilen einsam und abgespannt in ihrem Mädchenstübchen saß , das sie sich jetzt zum Arbeitszimmer eingerichtet hatte , gedachte sie mit inniger Wehmuth an die Stunden , die sie hier in Robert ' s Andenken verträumt , und ein Gefühl von Trostlosigkeit bemächtigte sich ihrer , ohne daß sie selbst sich dessen deutlich bewußt war . In dieser Stimmung traf sie in den ersten Tagen des Decembers folgendes Billet von einer Frau , die für einige Zeit ihren Wohnsitz in Berlin aufgeschlagen hatte , um sich von dem Geheimrath berathen zu lassen , wodurch auch Clementine mit ihr bekannt geworden war . Werthe Frau ! hieß es in demselben , der Geheimrath verläßt mich eben , mit dem Versprechen , heute Mittag bei mir auf gut Glück ein Mittagbrod einzunehmen , wenn Sie ihn begleiten wollen . Und wollen müssen Sie diesmal ; wäre es nur , um einen meiner geistreichsten Bekannten kennen zu lernen , der mich heute besuchte , und den ich eingeladen habe . Ich , die Fremde , habe ihm , der nur für wenige Tage hier ist , alles Schöne seiner Vaterstadt versprochen und ihm zugesagt , daß er die liebenswürdigste der hiesigen Frauen bei mir finden solle . Machen Sie , daß ich mein Versprechen halten kann . Der Geheimrath läßt Ihnen durch mich sagen , er werde Sie abholen kommen . Auf Wiedersehen also ! Clementine war um vier Uhr bereits fertig , als der Geheimrath nach Hause kam , um mit ihr zu dem Diner zu fahren . Sie fanden die aus wenig Personen bestehende Gesellschaft schon beisammen : Frau von Stein mit einer Dame im ersten Zimmer , die Männer in der Nebenstube , die eben angekommenen Zeitungen durchblätternd . Auch Meining ging in das Kabinet und kehrte nach einiger Zeit mit einem Manne zurück , den Clementine , da sie mit dem Rücken gegen die Thür gesessen hatte , erst erblickte , als der Geheimrath ihn zu ihr führte . Herr Thalberg , sagte er , der , wie ich eben höre , ein Freund Deines väterlichen Hauses war . Clementine war keines Wortes mächtig . Ein furchtbarer Schmerz durchzuckte ihre Brust , ihr Herz schlug so heftig , daß es sie betäubte , und ihre Aufregung wäre sicher Niemandem entgangen , wenn nicht Frau von Stein in komischem Verdrusse ausgerufen hätte : Also Sie kennen einander ? O ! das ist ein himmelschreiendes Unrecht ! Das ist ja der interessante Fremde , den ich Ihnen angekündigt hatte , und nun ist es ein ganz alter Bekannter Ihrer Familie , den Sie besser kennen , als ich selbst ! Clementine erwiederte den Scherz mit einem erzwungenen Lächeln und Robert entgegnete : Für mich , gnädige Frau ! ist die Ueberraschung , die Sie mir zugedacht , um so größer , da ich Frau von Meining noch