Tropf und dem andern Tropf . Laßt eine Leidenschaft überhaupt im Herzen eines Menschen sich ansetzen , so wird sie euch gleich einem losgebundenen Element , das alles verzehrt , was in sein Bereich kömmt , und erst in sich zusammensinkt , wenn alles verzehrt ist , wenn es keine Nahrung mehr findet . Laßt Eheleute dauernd grollen , so nimmt nicht nur das ganze Haus diese Färbung an , wird unheimlich , sondern alle Interessen gehen in diesem Grolle auf , alle Gefühle verlieren mehr und mehr ihre Kraft , und wie die Gedanken an diesem Grolle unausgesetzt nagen , so verlieren sie ihre Schärfe für alles andere , ja es ist fast , als ob sie auch die Augen schwächte , daß sie das Notwendigste nicht mehr sehen , für das Liebste keinen Sinn mehr haben . Diese Zustande wachsen so allmählich , man weiß nicht wie , denn wie gesagt , der Teufel geht nicht immer umher wie ein brüllender Löwe , sondern sehr oft auch als ein schleichender , und die Hölle hat viel Ähnlichkeit mit einem Ofen , sie wird nicht auf einmal glühend , sondern zuerst nur lieblich warm . So ging es auch dem armen Ehepaar . Wohlverwahrt trugen sie ihren Groll in ihren Herzen , ließen ihn anfangs nicht unter die Leute , blieben bei ihren angeerbten Sitten , und anständig ging es zu wie vorhin . Aber expreß verkaufte nun Christen seine Kühe nicht , expreß hielt er nicht weniger Leute , förderte die Arbeit nicht rascher , sondern alles eher das Gegenteil , und Änneli , weil sie dieses sah , so ward sie nur um so freigebiger und hieß manche Frau vor Christens Ohren bald wieder kommen . So trotzte eins dem Andern , während Keines die fünftausend Pfund vergaß und jedes meinte , sie sollten wieder erhuset werden ; aber jedes meinte , auf anderem Wege , und je weniger das Husen vorwärts wollte auf diese Weise , um so mehr wuchs die innere Mißstimmung . Diese wurde zuerst fühlbar den Kindern . An allen ihren Angelegenheiten nahmen die Eltern immer weniger teil , achteten sich derselben kaum , die Kinder konnten gehen und kommen , weder Vater noch Mutter fragten : woher , wohin ? Schlechten Kindern ist das recht , guten Kindern aber hat es etwas unbeschreiblich Unheimliches . Wenn Annelisi sonst heimkam von irgend einer Lustbarkeit , so hörte die Mutter gerne erzählen , wie es zugegangen , wer zugegen gewesen , und lockte wohl durch Fragen hervor , was Annelisi gerne sagte . Dann ließ sie Worte fallen über diesen Burschen und jenen Burschen , daß die Tochter wohl merken konnte , wer als Schwiegersohn willkommen wäre und wer nicht . Solche Gespräche waren auch die beste Gelegenheit , über Nebenbuhlerinnen sich zu beschweren und der Mutter zu sagen : » Nein aber , Mutter , einen neuen Kittel muß ich notwendig haben . Es sind Meitschi dagewesen , wo sie daheim mit den Zinsen noch genug zu tun haben , aber einen so schlechten Kittel , wie ich einen habe , hat keins angehabt . Und Göllerketteli habe ich nur die , welche ich erhalten , als mir der Herr erlaubt hat , und die sind so leicht und altmodisch , es trüge leicht eine hoffärtige Magd sie nicht . « In solchem Zusammenhang hatte die Mutter wider neue Anschaffungen am wenigsten , und wenn die Mutter einmal Ja gesagt hatte , so sagte der Vater seinem Annelisi nie Nein . Das ward auf einmal anders . Es gab allemal saure Augen , wenn es irgendwohin wollte . Kam es heim und wollte mit einem Bericht des Erlebten wieder gut Wetter machen , so schwieg die Mutter oder sagte , sie möge des Gstürms nicht , und ehemals seien die Mädchen daheim geblieben und hätten den Eltern etwas abgenommen , statt in der Welt jeder Lustbarkeit nachzufahren wie die Vögel dem Hirs . Und wenn es etwas vom Anschaffen sagte , eine Kappe gerne gehabt hätte oder ein Gloschli , so seufzte die Mutter und schwieg oder sagte : Wenn es einmal fehle , so komme gerne alles zusammen und helfe einander , um einen zu Boden zu machen , und sie hätte geglaubt , es hätte mehr Verstand als so . Wenn es dann weinte , weil es der Mutter nichts mehr treffen könnte , und der Vater fragte ihns zufällig : » Was plärest aber ? « und es antwortete , es mache es niemand mehr recht und Freude sollte es keine mehr haben , es erleide ihm , so dabei zu sein , und zuletzt nehme es den Ersten den Besten , nur um fortzukommen , so antwortete ihm der Vater : » He nun so denn , so nimm , und komme dann , mir brav Ehesteuer zu fordern , es geht in einem zu . Es ist besser , man mache gleich hintereinander fertig , so weiß man doch auch , woran man ist . « Das tat dann Annelisi grusam weh . Es war ein gutes Kind und liebte seine Eltern , aber daß es das Unglück allein entgelten und nur für andere Menschen auf der Welt sein sollte , das meinte es doch auch nicht . Wie der Bauernsohn gerne ein Bauer wird , warum sollte die Bauerntochter nicht auch gerne eine Bäuerin werden ? Es ist nicht nur wegen dem Manne selbst , der doch auch allerdings nicht zu verachten ist , sondern wegen dem unabhängigen Regiment , das eine rechte Bäuerin führt , und der Achtung , in der sie steht ; denn eine rechte Bäuerin , deren es im Kanton Bern viele gibt und welche die Sonnseite des Bauernlebens sind , ist die Mittlerin des Hauses zwischen Gott und Menschen , ist die sichtbare Vorsehung in allen leiblichen Dingen . Und jetzt sollte Annelisi keine werden , weil der Vater fünftausend Pfund verloren und eine Ehesteuer ihm zu hart ankam ! Das tat