komme ich wieder mit Tante Auguste . « Der allerliebste Schwätzer hüpfte mit einer Zierlichkeit hinaus , als ob er auf elastischen Sohlen ginge und kehrte auch sehr bald mit einer jungen Dame wieder zurück , deren Schönheit von dem süßen Zauber jungfräulicher Befangenheit noch erhöht ward . » Der da ist ' s , Tantchen , « rief mit schalkhaftem Lächeln der Knabe , » den sollst Du zu Deinem Mann machen , so hab ' ich mir ' s ausgedacht , und das wird gewiß ein prächtiges Brautpaar geben . O , wie freue ich mich , wenn Euch der Bischof mit dem schönen blauen Bande die Hände zusammenbinden wird ! « Ich kann Dir gestehen , Ferdinand , daß ich nicht weiß , wer von uns Beiden durch diese naive Prophezeiung mehr in Verlegenheit gesetzt wurde . Mein erstes Begegnen mit Auguste war sehr seltsam . Ich vermochte weder zu sprechen noch aufzusehen , aus reiner Albernheit präsentirte ich der jungen Dame einen Stuhl . Indeß verflog der Rausch momentaner Betäubung , und wir mußten beiderseits unsern sorgfältig verheimlichten Empfindungen Luft machen in einem herzlichen Gelächter . Felix war darüber ganz glücklich und hätte uns durch seine wiederholten Ausbrüche kindischer Freudigkeit bald auf ' s Neue in Verlegenheit gesetzt . Unablässig klatschte er in die Hände und rief mit kindlicher Innigkeit : » Sie lachen schon , Sie lachen schon ! und Mutter sagt , was sich anlacht und neckt , das liebt sich . « Auguste ist Rosaliens Stiefschwester und wie diese katholischer Religion . Noch ganz Mädchen besitzt sie nicht die stille Sanftmuth , die mehr ein Product weiblicher Ergebung in das Schicksal als reine Ausgeburt sittlichen Bewußtseins ist . Rosalie fesselt gleich der Madonna durch den lächelnden Schmerzenszug , der um die bleiche schöne Stirn einen Kranz weißer Rosen flicht , und mit verborgenem Stachel die schöne Dulderin verwundet ; Auguste dagegen reißt hin durch die hohe Unschuld der Weiblichkeit , deren bewältigende Kraft alles Spröde glättet und ein geschworner Gegner des Gemeinen ist . Je länger ich in diese braunen Sterne blicke , die unter dem zarten Seidenflor der Wimper im milden Feuer hervorbrechen , desto fester wird in mir der Glaube , daß nur dem Weibe die Erlösung möglich werden könne im Leben . Eine unerschöpfliche Fülle von Kraft und Stärke liegt in dem keuschen Blick des Weibes , und ich möchte jedem feindlich gegenübertreten , der frech oder gemein genug ist , der Weiblichkeit die süßesten Reize zu rauben , und sie nur dann als begehrenswerth zu schildern , wenn die Psyche in ihr mit halbgebrochenem Fittig ein Emporschwingen zu erringen sucht . Das Weib ist die Erlösung , und so wenig ich mich einen Anhänger nenne alles dessen , was Dogma und Tradition im religiösen Leben als errettend aufgestellt haben , die weltpoetische Mythe von der Geburt des Erlösers könnte ich zum lebendigen Glauben erheben selbst als Muhamedaner . Nur die keusche Jungfrau konnte in der Poesie der Mythe Mutter werden des Welterlösers , nur sie kann auch in unser Tagen , welche die Uebergesittung und der skeptische Hang des ausschweifend gewordenen Jahrhunderts zu dem blendenden Licht der Ungläubigkeit hinreißt , einzig wiederum Gebärerin werden des rettenden Erlösers ! - Dürfte ich doch diese für mich zum Glaubensartikel gewordene Mythe ausbilden in meinem Sinne , unangefochten von dem Splitterrichter der Bigotterie oder der Angst des Diplomaten und Staatsmannes , die in jedem ausgehauchten Kusse des Herzens einen Dolchstoß fühlen , der die kalte Berechnung des Verstandes mordet ! Mir , Ferdinand , ist die Erlösung keine abgeschlossene , sondern eine ewig fortdauernde . So lange das Weib noch webt in dem Himmelsäther ihres keuschen Daseins , zeugt sich in erhabener Sabbathstille von selbst die Welterlösung fort . Jeder Mann , den die Huld und Wonne des reinen , in junger Liebe erzitternden Weibes fesselt , baut an dem Dom dieser Erlösung . Das Weib allein in seiner Unschuld kann dem irrenden Geschlecht , dem zerrissenen Jahrhundert , wiedergeben , was es verloren hat . Darum heiligt die Liebe , die im Moment der Begeisterung die Gottheit zwingt , herabzusteigen auf die Welt ! Scheidet zwischen dem Gelüst , das Abtödtung sucht , und der heiligen Gluth , die den sterbenden Gott beleben will und aus dem todähnlichen Schlummer küssen im Arm der Keuschheit ! Lasset dem Weibe seine heiligen Schauer , seine ehrfurchtgebietenden Schutzengel - die Anmuth , die Grazie und die Sanftmuth , denen jede Kraft sich gern hingibt . Das Moralische des Weibes ist nur die Liebe , und die Liebe ist die Moralität aller Welt ! - Soll ich mich entschuldigen , daß die Einführung einer schönen Jungfrau mich hinriß zu einem Glaubensbekenntniß , dessen religiöse Weihe zwar noch keine Kirche sanctionirt hat ? Ich überlasse es Deiner Discretion , entschuldigend oder verdammend darüber zu Gericht zu sitzen , hoffe aber , daß sich auch in Dir das menschliche Herz regen und von selbst eine Antwort geben wird auf Fragen , die in allen Sprachen auch ohne Dolmetscher verständlich sind . Es war ein Glück für mich , daß nach dieser Introduction bald mehrere junge Damen eintraten . Einige Männer folgten , weniger vielleicht aus Neigung als um der Convenienz zu genügen . Von scherzenden Gesprächen , in die Felix seine naiven Burleskerien wie zischende Schwärmer warf , ging man zu geselligen Spielen über . Es mangelte nicht an beziehungsreichen Zufälligkeiten , die ein klopfendes Herz so gern für glückverheißende Zeichen hinnimmt . Der verhaltenen Stimme im Innern folgt der Blick , der mit sanft verschämtem Licht hinabsteigt in den feuchten Himmelsglanz des bewegten Auges . Es herrschte eine freudige Ungebundenheit in unserm Zirkel , die von ergreifender Wirkung gewesen sein würde , hätte man die ängstliche Hast dagegen gehalten , mit der im anstoßenden Saale Leidenschaft und Heuchelei die Karten zerknitterten . Der muntere Felix scherzte von Mädchen zu Mädchen , hielt sich aber vorzugsweise an Auguste , die seinen Eigenthümlichkeiten am besten zu begegnen verstand