der Herzog . Wilhelmi brach auf und rief : » Von unsrem Abenteurer ! « Er las folgende Zeilen : » Es ist mir eine unerträgliche Empfindung , in dem hohen und freundlichen Kreise , welcher mich einige Stunden in seiner Mitte duldete , eine herbe Nachwirkung befürchten zu müssen . Ich habe mich gegen Sie vergangen , und ich gestehe Ihnen mein Unrecht aufrichtig ein . Die Unart des Jünglings kann einem Manne , wie Sie sind , nicht empfindlich sein . Aber um meinetwillen und zu meiner Beruhigung lassen Sie mich glauben , daß Sie mir vergeben . Ich möchte an den heutigen Tag so gern ganz heiter zurückdenken , und ich kann es nicht , wenn Sie mir wegen meiner Torheit zürnen . « Der Herzogin Antlitz glänzte vor Freude . Der Herzog sagte : » Ich hoffe , du hältst mich wegen des braven Jungen nicht beim Worte « ; und Wilhelmi rief mit der Gutmütigkeit , die sich bei den Hypochondristen einstellt , wenn sie tüchtig auf die Welt geschmält haben , aus : » So möchte ich mich wohl alle Tage in einem Menschen irren ! « Neuntes Kapitel Hermann war indessen nach dem Walde hinausgeeilt , worin er das wilde Mädchen gefunden hatte . Rasch war , sobald er von der Herzogin die Mittel besaß , sein Plan zu Flämmchens Rettung entworfen worden . Vorerst sollte sie in dem Dorfe jenseits des Waldes untergebracht werden , dann wollte er die Sache mit dem Komödianten abmachen , und wenn dies geschehen , hatte er vor , das Kind in eine benachbarte Pension zu geben , deren Vorsteherin ihm bekannt war . So war sein Entwurf , an dessen Gelingen er nicht zweifelte . Es war bei ihm ein Ehrenpunkt geworden , diese Angelegenheit zur Zufriedenheit der Herzogin zu Ende zu bringen , die ihn nach seiner Meinung so ungerechterweise von ihrem holden Antlitze hinwegwies . Flämmchens romantische Gestalt schwebte vor seinem Geiste , sein Blut befand sich in heftiger Wallung . Vielleicht bewirkte es dieser aufgeregte Zustand , daß er im Walde , den er halb laufend erreicht hatte , bald von der Richtung , die er am Morgen genommen , abkam . Der umgestürzte Stamm , welcher ihm den Ort , wo Flämmchen weilte , zeigen sollte , blieb unsichtbar , und es dauerte nicht lange , so sah er sich zwischen fünf bis sechs Kreuz- und Quersteigen verirrt . Anfangs wählte er noch unter denselben , dann ließ er den Zufall walten , und endlich war er durch Wahl und Zufall im dichtesten Forste . Erschöpft sank er an einer Quelle nieder , die durch aromatische Kräuter hinrieselte . Nachdem er seinen brennenden Durst gelöscht , und sich hinlänglich ausgeruht hatte , wollte er seine Irrgänge wieder anfangen , obgleich er bei dem fast taghellen Scheine des inzwischen aufgegangnen Mondes an seiner Uhr sah , daß Mitternacht herannahte . Ein Rascheln wurde im Laube hörbar . Hermann erblickte eine schwarze Gestalt , die gebückt am Stabe daherschlich . Das alte Weib kam näher , setzte sich auf einen Stein , und sagte : » Nun wird mich , wie ich meine , das Ding nicht wiederfinden . Dieses Flämmchen kann wohl eine Flamme heißen ! « Hermann trat heftig auf die Alte zu , faßte sie bei der Schulter , und rief : » Wer bist du ? Von wem sprichst du ? « Ohne aus der Fassung zu kommen schlug die Alte ihr dunkelfarbiges Kopftuch zurück , und ein braungelbes , scharfkantiges , runzelvolles Antlitz sah ihn im Mondenstrahle an . » Das bin ich « , sagte die Alte , » und von dem Flämmchen , dem jungen Teufel , sprach ich . « » Wo ist sie ? « fragte Hermann . » In den Fichten « , versetzte die Alte . » Ich habe sie hingeschickt , um sie loszuwerden , und dort mag sie den Geist erwarten , den ich ihr zitieren sollte . « Er nahm so viel aus den Reden des alten Weibes ab , daß Flämmchen sie vor dem Zusammentreffen mit ihm gesprochen , und nachher wieder aufgesucht habe . Was sie ihr gewahrsagt , vermochten weder Bitten noch Drohungen herauszubringen . - » Es ist gegen unser Gewissen « , sagte sie . » Unsre Reden gehen nur zu zweien Ohren ein ; so lautet ein Sprichwort . « - Den Ort , wohin sie die Abergläubische geschickt , wollte oder konnte sie nicht angeben , sie sei selber fremd in der Gegend , sie habe den Narren auf das Geratewohl nach einem Fichtenkampe gehen heißen , dessen Lage sie nicht mehr bezeichnen könne . Er sei wohl eine Stunde von hier ; ob er nach Morgen oder Abend stehe , wisse sie nicht . » Wenn du mich belögest ! « rief Hermann , » wenn du mit dem Mädchen etwas Schlimmes vorgenommen hättest ... « Die Alte erwiderte : » Ich bin eine gute Christin , und glaube an Himmel und Hölle . Bei dem Kreuz ! Ich habe dem Mädchen nichts zuleide getan . Wartet die Nacht ab , morgen wird sie schon wieder zum Vorschein kommen , und Ihr werdet Eure Perle nach Herzenslust beschauen können . Ich glaube , vor der nimmt Wolf , Bär , Löwe und Tiger Reißaus . Ihr seid ein Aufgeklärter , das sehe ich Euch auch bei Mondenschein an . Ihr würdet mich nur auslachen , wollte ich in Eure Hand sehn , und sagen : so und so . Aber nehmt von einem alten Weibe einen Rat an . Hütet Euch vor dieser Flamme ! Sie hat zehntausend böse Geister im Leibe . Ich habe geschlummert die Nacht hinter dem Dorn am alten Raubschloß , auf der Bahre im Beinhause , im weißen Klippentale und auf der grauen Heide , und ich habe mich nicht gefürchtet . Heute aber fürchtete ich mich , als sie vor mir stand , die junge Hyäne