eine Quarantaine der Treue aushalten müssen , und die alle Dinge mit einander theilen , ausgenommen das Herz und den - Sarg . « » Gut , trefflich ! « rief Romeo , » Ihr fallt nie aus Eurer Rolle , theurer Vater . Was ist dies ? « fragte sie weiter Eduarden , indem sie aus Jokondens Schooß einen Zettel aushob , der mit zwei umgestürzten Altären die Unterschrift verband » Unglückliche . « » Unglückliche , « rief Eduard stockend , und warf einen glühenden Blick auf das reizende Knabenmädchen , » Unglückliche sind solche , die , wenn man ihnen Mandeln anbietet , immer die bittern herausfinden , denen das Butterbrod stets auf die rechte Seite fällt und die , wenn sie einmal an ihren Thränen ersticken , auf dem Kirchhof im ärmlichsten , dunkelsten Winkel begraben werden . « » O schön , « triumphirten Robert und Massiello , » das war in unserem Styl gesprochen . « » Nur still , die Reibe kommt an Eure Hoheit , « lachte Romeo und wühlte unter dem Tuche , sie zog eine Rose hervor und hielt sie dem Componisten hin . Er erschrack : » Erbarmen ! was läßt sich Neues hier sagen ! « Dann zuckte aber ein schwindender Glanz über sein Antlitz und er lispelte vor sich hin : » Rosen sind Blumen mit sechs Staubfäden , die schönsten findet man auf Wangen von Mädchen , die zum erstenmal gestehen , daß sie aus einfachen Blumen gern in doppelte oder gefüllte verwandelt seyn möchten . « Eine Stille herrschte , alle Wangen errötheten , ausgenommen die Enzios und des Abts , erstere , weil sie noch zu jung und zart , letztere , weil sie schon zu gelb und dickhäutig geworden . Die Gräfin warf die Blume fast zürnend dem Musiker hin , und glitt schnell zu einer neuen Frage ; sie wandte sich an Robert , doch der entriß ihr mit einer geschickten Wendung das Tuch mit den Devisen , und streute sie bunt auf den Tisch aus ; als Romeo zürnte , küßte er ihr mit leidenschaftlichem Entzücken die Hand . » Sie eingehen uns nicht , « rief Jokonde dazwischen , » Massiello und Robert sind in Strafe verfallen , ersterer , weil er zu viel , letzterer , weil er zu wenig gesagt , beide müssen uns etwas erzählen oder dichten , oder beides zusammen , wie Ihr wollt . « Sie war aufgesprungen und Enzio brachte ihr ein Glas Wasser , sie standen im Augenblick nebeneinander . » Himmel ! « rief Massiello , » welch ein himmlisches Ebenmaaß bei beiden und doch welche Verschiedenheit . - Stehen Sie , gräfliches Mädchen , und Du Enzio , halte Dich gerade neben ihr , nicht auf die Zehe erhoben , den Kopf in die Höh ! - knöpfe deine Jacke fester , wahrlich , Ihr könntet Brüder seyn , oder Schwestern , so lieblich variirt die Natur in den lüsternsten , süßesten Linien dasselbe Thema , nur das kernige Dur der Rückenlinie bei ihm gegen den Moll-Wellenschlag der reizendsten Form dort , dennoch aber beide ineinanderspielend , weiblich sehnsüchtig bei dem Buben , knabenhaft trotzig bei ihr . Sein großes blaues Auge sucht durch den Nebel das Räthsel der Form zu ergründen , es ahnet Geheimniß auf Geheimniß und schrickt immer wieder zurück , sie zu enthüllen , indeß die jungfräuliche Psyche den blinden tappenden Amor gern mit einemmal an ' s Ziel führen möchte , um sich mit einem Triumphlächeln an seinem Entzücken zu laben . « Enzio erröthete und richtete seinen Blick verstohlen aber mit Glut auf Romeo , als ihm dieser die Hand reichte , drückte er seine Wangen so heftig darauf , daß die blonden glänzenden Locken über sein Antlitz niederstürzten und es einhüllten . Als er wieder aufblickte , füllten Thränen sein Auge ; Massiello schloß ihn in seine Arme und wünschte dem Gesunden heimlich Glück zu seinem aufdämmernden Liebesmorgen . Robert und Jokonde winkten und riefen schon lange , der erstere wollte etwas erzählen und hub jetzt an : » Ich wohnte in Rom in einer Villa bei einem ehrlichen Pächter aus der Campagna . Der Sommer war heiß , doch vor meinem Fenster , das ein dichtes Laubgewebe umspann , und wo mein Arbeitstisch stand , war es kühl , und wenn ich dichtete , pflegten die Blumen stärker zu duften . Meine Stube war klein ; ein Bett , ein Tisch , auf dem ein Kruzifix stand , und eine Kopie der Schule von Athen an der Wand - dies war alles ; über der Thüre hing meine Flinte und auf einem Schränkchen stand eine Bronce-Büste Byrons . Mein Wirth war aus Albano und seine Tochter Lucia in der That ein schönes Mädchen ; ihr Antlitz , ihr Hals umspann jenes süße geheimnißvolle Blaß-gelb das die ilalienischen Mädchen der Nacht ähnlicher macht als dem Tage , nur ihre Lippen waren vom lebhaftesten Roth ; die Augen schwarz , die Wimper lang . Die Haare trug sie mit einem Knoten hinaufgezogen , so daß der Contour des kleinen Ohres sich klar darstellte . Nie sah ich sie lächeln , wenig sprechen , ihr Gang war langsam aber fest , männlich fest . Sie kam öfters in meine Stube , und wir redeten mit einander von den Heiligen und Märtyrern , als ich aber einmal von Liebe sprach , und ihre runde Schulter küßte , blieb sie weg , und schickte ihren kleinen Bruder , wenn ich etwas nöthig hatte . Wo ist Lucia , fragte ich diesen eines Morgens , warum kommt sie nicht ? hat der Vater es ihr verboten ? Nein , sagte Matteo , der Vater verbietet der Lucia nichts . - Warum kommt sie nicht ? - Weiß nicht , Signor . - Liebt deine Schwester ? - Ja , mich und den Vater . - Sonst Niemand ? - Und die Heiligen . - Sonst Keinen ? - Nein