uns nicht der Prunk , nicht die leckere Tafel , nicht das weiche Lager , von dem wir uns kaum erheben . « » Verblendete ! « eiferte Jochai : » In Fesseln liegst Du , aber in denen der verdammlichen Eitelkeit , die über dem Spiegel das Gesetz vergißt . Gefallsüchtige ! Nicht auf den unzüchtigen Tänzen der Ungläubigen , nicht bei ihren heidnischen Feierlichkeiten und unsittlichen Schmausereien sollst Du glänzen . Gefalle Deinem Vater , gefalle Deinem Manne ! Die übrige Welt kenne Dich nicht . « Purpurfarbe überzog Esthers Gesicht . Verlegen lächelte sie , schlug dann die großen schwarzen Augen , um Versöhnung flehend , zu dem Alten auf , und reichte ihm die Hand . - » Dir und dem Vater will ich ja auch nur gefallen , « sprach sie bittend : » und einst dem Manne , den mir Ben David erwählen wird . - Wo bleibt aber der Vater ? Die Sanduhr zeigt bereits die siebente Stunde . Es wird ihm doch kein Leid zugestoßen seyn ? « » Den wahre der Fürst Israel ! « erwiederte Jochai mit glaubigem Vertrauen . - » Gewiß ist mein Sohn zurückgehalten worden von den Freunden , oder es hat ihn der Sabbath auf freiem Felde überrascht , und ein wahrer Gesetzfreund heiligt ihn durch Ruhe und ein friedlich Mahl , wo es auch sey . « In dem Augenblicke pochte es gelinde an die Hausthüre . Der Schall verbreitete sich schnell durch den leeren Vorderbau in das festliche Gemach . Großvater und Enkelin fuhren etwas zusammen . Die alte Christenmagd zündete die Traglampe an , und langte nach dem Schlüssel an der Wand . - » Bedächtig ! « flüsterte ihr Jochai zu : » Ich gehe mit , um vom Fenster herab zu ersehen , wer der Klopfende ist . Komme , alte Magd ! Vorsicht ist von Nöthen . « - Die Alte leuchtete dem Hausherrn vor , und Esther blieb allein zurück , sinnend den Kopf in die Hand gestützt . » Hm ! « seufzte sie nach einer Weile : » der Großvater hat gut reden . Das Eis seiner hundert Jahre hat eine Rinde um ihn gelegt , daß er das Sehnen und Wünschen der Jugend nicht begreift . Und dennoch , trotz seinen Ermahnungen und Bußreden wird er mich nicht überzeugen . - Ich bin recht unglücklich ! « fuhr sie nach einer kleinen Stille fort : » unglücklicher als ich mir ' s vielleicht selbst träumen lasse , ... und , ach ! - nur Eines fehlt zu meinem Glücke ; aber auch das unerringbar Einzige ! « Schwermüthig ließ sie das Haupt sinken . Da trat Jochai herein , hinter ihm sein Sohn Ben David , ein Knäbchen an der Hand führend . Freudig eilte die Tochter an des Vaters Hals , und erkundigte sich angelegen ob seines langen Wegbleibens . » Ich brach spät auf von der Nachtherberge , « sprach Ben David : » der kurze Wintertag hat mich verlassen , da ich noch über eine Stunde von hier entfernt war . Mein Begleiter da konnte auch nur schlecht voran mit seinen Beinchen , und so trug ich ihn denn die letzte halbe Stunde auf dem Rücken hieher . Die Einlaßpforte Hab ich mir geöffnet , mit einem dicken Groschen und da bin ich . Gut Schabbes ! « Esther erwiederte freundlich den Gruß , und musterte neugierig den Knaben , der vor Müdigkeit beinahe in die Kniee sank , und von Ben David auf den Sitz am Ofen gebracht wurde . Der alte Jochai jedoch sah mit finsterer Miene auf das Treiben seines Sohns , und sprach : » Ich kann nicht segnen Deinen Eingang , denn Du hast den Sabbath entheiligt durch Deine Reise während seines Beginnens , durch die Last die Du auf Dich nahmst , indem Du diesen Buben auf die Schultern nahmst , und durch den Einlaßpfennig , den Du berührtest zu verbotner Zeit . « » Frommer Vater ! « versetzte Ben David : » so ich gesündigt habe und das Gesetz beleidigt , indem ich den kleinen Menschen der hinzusinken und zu erfrieren dachte , in Sicherheit gebracht , so will ich , wenn Du befiehlst , gern auf meinen Platz verzichten am Tische , am Boden liegen und Fasten , bis Du sagst : genug ! nur befiehl , daß der Knabe gesättigt werde , und eines warmen Lagers sich freue . « » Was soll er hier ? « fragte Jochai streng wie zuvor : » Er ist ein Christenknabe , dessen Leib das Kleid des Unreinen ist , der abstammt von dem Adam Belial , und nicht Platz soll nehmen im Hause der Gerechten , sondern gehört in die Höhle des Esau . « » Vater ! « erwiederte Ben David unterwürfig : » Dein Wort sey gelobt , doch der Unmündige ist noch Gottes allein , der das Kind regieret in seinen Gedanken und Werken . Erlaube , daß dieser , der noch nicht ist , weder ein Sohn des Gesetzes , noch ein Sohn Baals , hier bleibe bis ich ihn übermorgen zu seiner Mutter führe . « » Esther vereinigte ihre Bitten mit denen ihres Vaters , und der rauhe Alte erlaubte endlich , daß der Knabe bleibe , unter der einzigen Bedingung jedoch , - daß die Christenmagd ihn sättige , und in ihrer Kammer zur Ruhe bringe . Grete nahm demzufolge den bereits Entschlummerten auf die Arme , und trug ihn hinaus . - Nach einer langen Ermahnung , in Zukunft den Sabbath würdiger zu feiern , bot Jochai seinem Sohn den Kuß des Friedens , und den Platz am Tische , und das Mahl begann , nachdem der Greis gleich einem Patriarchen , Brod , Wein , Salz und Fisch gesegnet , und Ben David sein Haupt bedeckt hatte . Als sie zu Tische saßen , fragten Vater und Tochter neugierig nach Ben Davids Geschäften , und besonders