er hatte nebenbei auch manche geheime Nachricht erspäht , die bis jetzt nur der engere Ausschuß des Rates mit den Bundesobersten teilte . Zufrieden mit dem Erfolg seiner vielen Geschäfte kam er gegen Mittag nach Hause und sein erster Gang war nach seinem Gaste zu sehen . Er traf ihn in sonderbarer Arbeit . Georg hatte lange in einem schöngeschriebenen Chronikbuch , das er in seinem Zimmer gefunden hatte , geblättert . Die reinlich gemalten Bilder , womit die Anfangsbuchstaben der Kapitel unterlegt waren , die Triumphzüge und Schlachtenstücke , welche mit kühnen Zügen entworfen , mit besonderem Fleiße ausgemalt , hin und wieder den Text unterbrachen , unterhielten ihn geraume Zeit . Dann fing er an , erfüllt von den kriegerischen Bildern , die er angeschaut hatte , seinen Helm und Harnisch , und das vom Vater ererbte Schwert zu reinigen und blank zu machen , indem er , zu großem Ärgernis der Frau Sabine , bald lustige bald ernstere Weisen dazu sang . So traf ihn sein Gastfreund . Schon unten an der Treppe hatte er die angenehme Stimme des Singenden vernommen ; er konnte sich nicht enthalten noch einige Zeit an der Türe zu lauschen , ehe er den Gesang unterbrach . Es war eine jener ernsten , beinahe wehmütig tönenden Weisen , wie sie durch ihren innern Wert erhalten und fortgetragen , bis auf unsere Tage herabkamen . Noch heute leben sie in dem Munde der Schwaben , und oft und gerne haben wir , ergriffen von ihrer einfachen Schönheit , von den gehaltenen Klängen ihrer vollen Akkorde , an den lieblichen Ufern des Neckars sie belauscht . Der Sänger begann von neuem : » Kaum gedacht War der Lust ein End gemacht . Gestern noch auf stolzen Rossen , Heute durch die Brust geschossen , Morgen in das kühle Grab . Doch was ist Aller Erden Freud und Lüst ' . Prangst du gleich mit deinen Wangen , Die wie Milch und Purpur prangen , Sieh , die Rosen welken all . Darum still Geb ich mich , wie Gott es will . Und wird die Trompete blasen , Und muß ich mein Leben lassen , Stirbt ein braver Reitersmann . « » Wahrlich , Ihr habt eine schöne Stimme « , sagte Herr von Kraft , als er in das Gemach eintrat , » aber warum singet Ihr so traurige Lieder ? Ich kann mich zwar nicht mit Euch messen , aber was ich singe , muß fröhlich sein , wie es einem jungen Mann von achtundzwanzig geziemt . « Georg legte sein Schwert auf die Seite und bot seinem Gastfreunde die Hand . » Ihr mögt recht haben « , sagte er , » was Euch betrifft ; aber wenn man zu Feld reitet wie wir , da hat ein solches Lied große Gewalt und Trost , denn es gibt auch dem Tode eine milde Seite . « » Nun , das ist ja gerade was ich meine « , entgegnete der Schreiber des Großen Rates , » wozu soll man das auch noch in schönen Verslein besingen , was leider nur zu gewiß nicht ausbleibt . Man soll den Teufel nicht an die Wand malen , sonst kommt er , sagt ein Sprüchwort ; übrigens hat es damit keine Not , wie jetzt die Sachen stehen . « » Wie ? ist der Krieg nicht entschieden ? « fragte Georg neugierig . » Hat der Württemberger Bedingungen angenommen ? « » Dem macht man gar keine mehr « , antwortete Dieterich mit wegwerfender Miene , » er ist die längste Zeit Herzog gewesen , jetzt kommt das Regieren auch einmal an uns . Ich will Euch etwas sagen « , setzte er wichtig und geheimnisvoll hinzu , » aber bis jetzt bleibt es noch unter uns ; die Hand darauf . Ihr meint der Herzog habe 14000 Schweizer ? Sie sind wie weggeblasen . Der Bote , den wir nach Zürch und Bern geschickt haben , ist zurück ; was von Schweizern bei Blaubeuren und auf der Alb liegt - muß nach Haus . « » Nach Haus zurück ? « rief Georg erstaunt , » haben die Schweizer selbst Krieg ? « » Nein « , war die Antwort , » sie haben tiefen Frieden , aber kein Geld ; glaubt mir , ehe acht Tage ins Land kommen , sind schon Boten da , die das ganze Heer nach Haus zurückrufen . « » Und werden sie gehen ? « unterbrach ihn der Jüngling , » sie sind auf ihre eigene Faust dem Herzog zu Hülfe gezogen , wer kann ihnen gebieten , seine Fahnen zu verlassen ? « » Das weiß man schon zu machen ; glaubt Ihr denn , wenn an die Schweizer der Ruf kommt , bei Verlust ihrer Güter und bei Leib- und Lebensstrafe nach Haus zu eilen14 , sie werden bleiben ? Ulerich hat zuwenig Geld , um sie zu halten , denn auf Versprechungen dienen sie nicht . « » Aber ist dies auch ehrlich gehandelt « , bemerkte Georg , » heißt das nicht dem Feinde , der in ehrlicher Fehde mit uns lebt , die Waffen stehlen und ihn dann überfallen ? « » In der Politica , wie wir es nennen « , gab der Ratschreiber zur Antwort , und schien sich dem unerfahrenen Kriegsmann gegenüber kein geringes Ansehen geben zu wollen , » in der Politica wird die Ehrlichkeit höchstens zum Schein angewandt ; so werden die Schweizer z.B. dem Herzog erklären , daß sie sich ein Gewissen daraus machen , ihre Leute gegen die freien Städte dienen zu lassen ; aber die Wahrheit ist , daß wir dem großen Bären mehr Goldgülden in die Tatze drückten als der Herzog . « » Nun , und wenn die Schweizer auch abziehen « , sagte Georg , » so hat doch Württemberg noch Leute genug , um keinen Hund über die Alb zu lassen . « » Auch dafür wird gesorgt