mit einander ein italienisches Duett , voll Sehnsucht und Liebe . Gabriele kannte es , sie hatte es einigemal mit ihrer Mutter gesungen , in ihrem Innern sang sie auch jetzt es mit , und ihr ganzes Wesen verschwebte im süßesten Verein mit Ottokars Tönen . Die Verzierungen und Manieren , welche nach der neueren Weise Aurelie der einfachen Melodie anhängte , schienen Gabrielen ein fast frevelhaft störendes Beginnen , obgleich sie ihre Kunst , so wie ihre sehr schöne Stimme , bewundern mußte . Ihr Leben hätte sie in der Minute freudig hingegeben , um an Aureliens Stelle so neben Ottokar zu stehen , und doch fühlte sie in der nächsten , wie unmöglich es ihr seyn würde , nur einen Ton hervorzubringen . » Leidvoll und freudvoll « eilte Gabriele gleich nach dem Konzert hinauf in ihr stilles Zimmer , zu welchem später , wie aus weiter Ferne , die frohe Tanzmusik herüber tönte . Ihr Herz war übervoll von allen Ereignissen dieses bangen und freudigen Abends , zu voll zur Mittheilung ; nur Ernestos Erscheinung blieb ihr ganz klar , und diese war ein großer Trost für die um das Kind ihrer innigsten Liebe mütterlich besorgte Frau Dalling . Mit schwerem , sorgenvollem Herzen war am folgenden Morgen Frau Dalling beim Anbruch des Tages von ihrer Gabriele geschieden , und diese suchte nun mit der neuen , ihr von der Tante zugegebenen Kammerjungfer sich einigermaaßen zu befreunden . Es war ihr unmöglich , gegen die hübsche , zierlicher als sie selbst geputzte Annette den Ton der Gebieterin anzunehmen , und Annette konnte sich auch nicht sogleich in die freundliche Art ihrer neuen Herrschaft finden , die gar nichts zu ersinnen wußte , was sie ihr hätte befehlen können . So waren beide ein Paar Stunden in ziemlicher Verlegenheit einander gegenüber geblieben , als Ernestos früher Besuch , der erste , den Gabriele je erhielt , der Noth endlich ein Ende machte . » Ich erscheine in dieser unschicklich frühen und deshalb visitenfreien Stunde , um Sie zu zwei Freundinnen zu geleiten , die mit offnen Armen und Herzen Sie erwarten , « sprach Ernesto ; » Frau von Willnangen sendet mich . « » Frau von Willnangen ? « unterbrach ihn Gabriele , aufs neue von dem Namen heftig aufgeregt ; » höre ich recht ? wirklich Willnangen ? um Gotteswillen ! wer ist diese Frau , die meiner Mutter so ähnlich sieht ? Ist sie mit Ferdinand von Willnangen verwandt ? Gewiß , Sie kannten auch diesen Ferdinand . « » Wohl kannte ich auch ihn , « erwiederte Ernesto , von trüben Erinnerungen sichtbar bewegt . » Frau von Willnangen , « fuhr er fort , » ist die Mutter seiner Tochter , eines lieben Mädchens , das wohl verdient , ihre schwesterliche Freundin zu werden . « » O Auguste ! meine liebe , liebe Mutter ! « rief tief erschüttert , in fast betender Stellung , Gabriele , » auch dorthin verfolgt dich unerbittlich dein Geschick ! Der selige Geist deines Freundes hat dich auf deinem stillen Lebenswege nicht schützend umschwebt , wie du fromm es wähntest , er geleitete dich nicht aus der bittern Stunde deines Scheidens zur frohen Ewigkeit , die keine Trennung kennt ; Ferdinand lebt , er war dir nah , und vergaß deiner , die du wie ein Heiligthum sein Andenken in treuer Brust bewahrtest ! So lieben Männer , « fuhr sie mit zürnendem Ernst fort ; » treue Liebe wohnt nur im Herzen der Frauen und bleibt dort ihr eigner , einziger Lohn . So lehrte mich meine Mutter mit Recht ; wer darf noch hoffen , sie außer sich zu finden , wenn diese Frau vergessen werden konnte ! « Mit theilnehmendem Staunen blickte Ernesto auf das schwärmende , sich seinem Gefühl ganz überlassende Mädchen . » Ich mag Ihren schönen Glauben von unsern Erwartungen jenseits nicht stören , wenn er auch nicht ganz der meinige ist , « sprach er endlich mit sehr bewegter Stimme , indem er ihre gefalteten Hände sanft ergriff . » Erlauben es die Gesetze jenes Landes , von dessen dunkeln Gränzen noch nie ein Wandrer zurückkehrte , der uns Kunde brachte , so empfing Ferdinands seliger Geist Augusten beim Scheiden aus dieser Welt , so umschwebte er sie schützend schon lange vorher auf ihrem Lebenspfad , denn seit mehreren Jahren verließ er dieses Leben , in welchem sein Geschick ihn rastlos umhertrieb und nur späte Ruhe ihm vergönnte . Ich führe Sie jetzt zu seiner Witwe , die gestern hocherfreut in Ihnen die Tochter der Frau erblickte , deren Andenken , ohne daß sie jemals sie sah , ihr dennoch heilig ist , weil es der Mann , den sie liebte , stets im Herzen trug . Sie glaubt es nicht besser ehren zu können , als indem sie Gabrielen mütterliche Liebe entgegen trägt ; doch wähnt sie deshalb nicht , ihr jemals Augustens Verlust ersetzen zu können . Das reine , stille Gemüth dieser seltnen Frau war stets zu demüthig , dies sogar bei Ferdinanden zu hoffen , und ohne alles neidische Streben begnügte sie sich immer damit , sein Leben durch Liebe zu erheitern , mit ihm zu trauern , wenn Wehmuth über verlornes Jugendglück in ihm erwachte und ihm die Gegenwart trübte . Kommen Sie , Gabriele , « fuhr Ernesto eifriger fort , » folgen Sie mir in das Haus der Frau von Willnangen , Sie werden einen dem Andenken Ihrer Mutter geweihten Tempel betreten . Die Blumen , die sie vor allen liebte , werden dort noch immer sorgsam gepflegt , ihr Bild ist noch immer der geehrteste Schmuck des Hauses , ich malte es heimlich in Rom für mich und konnte Ferdinands ungestümen Bitten eine Kopie davon nicht versagen ; Ferdinands Tochter erhielt bei ihrer Geburt den ihm so theuren Namen Auguste . Glauben Sie mir , Sie werden dort heimisch seyn wie unter verwandten Freunden ; vielleicht auch dort überzeugt werden ,