und tat alles mögliche , um an den Tag zu geben , daß er heimlich besitze und daß er sich verstelle . Sie waren endlich auf einen Fuhrweg gelangt , der sie bequem zu jenen Besitztümern hinführen sollte ; Fitz aber behauptete , einen näheren und bessern Weg zu kennen ; auf welchem der Bote sie nicht begleiten wollte und den geraden , breiten , eingeschlagenen Weg vor sich hinging . Die beiden Wanderer vertrauten dem losen Jungen und glaubten wohlgetan zu haben , denn nun ging es steil den Berg hinab , durch einen Wald der hoch- und schlankstämmigsten Lärchenbäume , der , immer durchsichtiger werdend , ihnen zuletzt die schönste Besitzung , die man sich nur denken kann , im klarsten Sonnenlichte sehen ließ . Ein großer Garten , nur der Fruchtbarkeit , wie es schien , gewidmet , lag , obgleich mit Obstbäumen reichlich ausgestattet , offen vor ihren Augen , indem er regelmäßig , in mancherlei Abteilungen , einen zwar im ganzen abhängigen , doch aber mannigfaltig bald erhöhten , bald vertieften Boden bedeckte . Mehrere Wohnhäuser lagen darin zerstreut , so daß der Raum verschiedenen Besitzern anzugehören schien , der jedoch , wie Fitz versicherte , von einem einzigen Herrn beherrscht und benutzt ward . Über den Garten hinaus erblickten sie eine unabsehbare Landschaft , reichlich bebaut und bepflanzt . Sie konnten Seen und Flüsse deutlich unterscheiden . Sie waren den Berg hinab immer näher gekommen und glaubten nun sogleich im Garten zu sein , als Wilhelm stutzte und Fitz seine Schadenfreude nicht verbarg : denn eine jähe Kluft am Fuße des Berges tat sich vor ihnen auf und zeigte gegenüber eine bisher verborgene hohe Mauer , schroff genug von außen , obgleich von innen durch das Erdreich völlig ausgefüllt . Ein tiefer Graben trennte sie also von dem Garten , in den sie unmittelbar hineinsahen . » Wir haben noch hinüber einen ziemlichen Umweg zu machen « , sagte Fitz , » wenn wir die Straße , die hineinführt , erreichen wollen . Doch weiß ich auch einen Eingang von dieser Seite , wo wir um ein gutes näher gehen . Die Gewölbe , durch die das Bergwasser bei Regengüssen in den Garten geregelt hineinstürzt , öffnen sich hier ; sie sind hoch und breit genug , daß man mit ziemlicher Bequemlichkeit hindurchkommen kann . « Als Felix von Gewölben hörte , konnte er vor Begierde sich nicht lassen , diesen Eingang zu betreten . Wilhelm folgte den Kindern , und sie stiegen zusammen die ganz trocken liegenden hohen Stufen dieser Zuleitungsgewölbe hinunter . Sie befanden sich bald im Hellen , bald im Dunkeln , je nachdem von Seitenöffnungen her das Licht hereinfiel oder von Pfeilern und Wänden aufgehalten ward . Endlich gelangten sie auf einen ziemlich gleichen Fleck und schritten langsam vor , als auf einmal in ihrer Nähe ein Schuß fiel , zu gleicher Zeit sich zwei verborgene Eisengitter schlossen und sie von beiden Seiten einsperrten . Zwar nicht die ganze Gesellschaft : nur Wilhelm und Felix waren gefangen . Denn Fitz , als der Schuß fiel , sprang sogleich rückwärts , und das zuschlagende Gitter faßte nur seinen weiten Ärmel ; er aber , sehr geschwind das Jäckchen abwerfend , war entflohen , ohne sich einen Augenblick aufzuhalten . Die beiden Eingekerkerten hatten kaum Zeit , sich von ihrem Erstaunen zu erholen , als sie Menschenstimmen vernahmen , welche sich langsam zu nähern schienen . Bald darauf traten Bewaffnete mit Fackeln an die Gitter und neugierigen Blicks , was sie für einen Fang möchten getan haben . Sie fragten zugleich , ob man sich gutwillig ergeben wolle . » Hier kann von keinem Ergeben die Rede sein « , versetzte Wilhelm ; » wir sind in eurer Gewalt . Eher haben wir Ursache zu fragen , ob ihr uns schonen wollt . Die einzige Waffe , die wir bei uns haben , liefere ich euch aus « , und mit diesen Worten reichte er seinen Hirschfänger durchs Gitter ; dieses öffnete sich sogleich , und man führte ganz gelassen die Ankömmlinge mit sich vorwärts , und als man sie einen Wendelstieg hinaufgebracht hatte , befanden sie sich bald an einem seltsamen Orte ; es war ein geräumiges , reinliches Zimmer , durch kleine , unter dem Gesimse hergehende Fenster erleuchtet , die ungeachtet der starken Eisenstäbe Licht genug verbreiteten . Für Sitze , Schlafstellen , und was man allenfalls sonst in einer mäßigen Herberge verlangen könnte , war gesorgt , und es schien dem , der sich hier befand , nichts als die Freiheit zu fehlen . Wilhelm hatte sich bei seinem Eintritt sogleich niedergesetzt und überdachte den Zustand ; Felix hingegen , nachdem er sich von dem ersten Erstaunen erholt hatte , brach in eine unglaubliche Wut aus . Diese steilen Wände , diese hohen Fenster , diese festen Türen , diese Abgeschlossenheit , diese Einschränkung war ihm ganz neu . Er sah sich um , er rannte hin und her , stampfte mit den Füßen , weinte , rüttelte an den Türen , schlug mit den Fäusten dagegen , ja er war im Begriff , mit dem Schädel dawiderzurennen , hätte nicht Wilhelm ihn gefaßt und mit Kraft festgehalten . » Besieh dir das nur ganz gelassen , mein Sohn « , fing der Vater an , » denn Ungeduld und Gewalt helfen uns nicht aus dieser Lage . Das Geheimnis wird sich aufklären ; aber ich müßte mich höchlich irren , oder wir sind in keine schlechten Hände gefallen . Betrachte diese Inschriften : Dem Unschuldigen Befreiung und Ersatz , dem Verführten Mitleiden , dem Schuldigen ahndende Gerechtigkeit . Alles dieses zeigt uns an , daß diese Anstalten Werke der Notwendigkeit , nicht der Grausamkeit sind . Der Mensch hat nur allzusehr Ursache , sich vor dem Menschen zu schützen . Der Mißwollenden gibt es gar viele , der Mißtätigen nicht wenige , und um zu leben , wie sich ' s gehört , ist nicht genug ,