das nicht Gott , nicht Glauben , nicht Treue kennt ! Vergiß es nicht , daß Deinem Blick das Unwürdige nicht begegnen darf , nicht begegnen kann , wenn er rein ist . Mein Sohn bete , und harre aus . Schlage das Kreuz Morgens und Abends auf Brust und Lippen , laß nichts Unreines hineinfallen , nichts Unbesonnenes herausgehn . Bete mein Kind , Deine Mutter betet mit dir . Bewahre Auge und Sinn . « Er hielt das Blatt in der Hand , und sah starr auf die strengen , heftig bewegten Züge . Seine Augen füllten sich mit Thränen . Hat sie dich verstanden , Unglückseliger , rief er unter gewaltiger Angst , hat ihr ahndendes Herz es ausgesprochen , ohne es zu wollen , ohne es zu wissen ? und ist es nun wahr ? Mein Gott ja , der Streit ist es , der Haß und die Liebe , die mich noch um Sinn und Verstand bringen werden . Er preßte die gefaltenen Hände schmerzlich gegen die Brust . Blansches Bild stieg fromm und rührend in ihm auf , er sah das liebe Auge , den kleinen , rosigen Mund , das zarte weiche Minenspiel , es kam ihm vor als weine sie , als rede sie zu ihm ! Ach Blansche , rief er , willst du den Freund nicht lassen , rufen Deine sanften Engelblicke ihn zurück ? Armes Herz , du weißt nichts von Feindschaft und Eigensinn der Menschen ! - Eilftes Kapitel Einen ganzen langen Tag hatte Alonzo zugebracht , ohne Blansche zu sehen . Es war so wüst und dumpf in ihm , daß er nichts dachte , nichts zu wollen vermochte . Was in ihm vorging , was trübe und schwer aus der tiefen Seele heraufdrängte , und die Bande lang gehegter Festigkeit und Ruhe zu sprengen drohte , es schwebte ihm dunkel vor , er wußte es nicht zu nennen , doch an der gährenden Angst im Herzen spürte er , daß er sich länger selbst nicht trauen dürfe , und arbeitete nun über einen Gedanken , der ihn retten könne . Unter dem unsichern Dämmern ging die Zeit unbemerkt an ihm hin . Der Abend nahete , er hatte nichts gewonnen , der Pfeil steckte nur noch tiefer in der Wunde . Und wie denn Umstände und Ereignisse selten die Hand bieten uns zu retten , wenn wir es selbst nicht anzufangen wissen , im Gegentheil Kraft und Wille nur noch ängstlicher verstricken , so waren auch folgende Zeilen , die Alonzo jetzt erhielt , wenig geeignet es zu einem klaren Entschluß in ihm kommen zu lassen . Frau von Saint Alban schrieb ihm : » Was hält Sie ab , daß Sie nicht kommen ? Ich bin glücklich , und deßhalb brauche ich Sie ; Türgis ist heut so still , so schmerzensfrei , ich hoffe so viel , dürfen Sie uns fehlen , wenn wir hoffen ? Lassen Sie jetzt alles andre bei Seite , auch ihren gestrigen chinesischen Ernst , Sie waren mir ganz fremd geworden . Ueberlegen Sie nicht lange , kommen Sie . Wir rechnen auf Sie , « Hat denn , rief Alonzo plötzlich aufgeschüttelt , hat denn die Ehre zwei Stimmen ? Darf sie das Eine gebieten und zugleich untersagen ? Kann ich hier zurückbleiben ? Soll ich den Verdacht auf mich laden , als habe ich wie ein Mörder meines Gegners Tod gewollt , zweideutig mit dem Worte Versöhnung gespielt und dem Genesenden jetzt gehässig den Rücken gewandt ? Soll ich kleinmüthig mit mir selber heucheln und aus früherer That eine Lüge machen ? Blansche , darf ich das Gift des Mißtrauens in deinen Freudenbecher gießen ? Nein Engel , zweifeln sollst du nie an deinem Freund . Er war unter diesen Worten schon über die Schwelle der Thür , schon aus dem Hause getreten . Immer schneller und schneller trug ihn die Ungeduld nun vorwärts . Er hatte zuletzt keinen Athem mehr , und stand verschnaufend an dem Gartenpförtchen . Es war nur angelehnt , er trat hinein . Der Tag war fast ganz gesunken . Der Himmel unendlich rein und duftig . Hin und her funkelte schon ein Sternchen durch das bleichende Licht . Die blassen Umrisse des Mondes traten leuchtend hervor . Alles war still ; schweigend ging er an den flüsternden Blumenwänden hin . Die glühende Lichnis , der hochflammende Mohn neigten sich grüßend auf ihren zarten Stengeln , von fern sah er in den geöffneten Saal , die Thüren standen auf , Blansche schwebte daran hin und wieder . Wie sie ihn erblickte , flog sie zurück , bald darauf trat sie mit der Mutter heraus , ihm entgegen . Alle drei hatten eine Freude , als wären sie einander aufs neue gegeben . Zuerst schalt Frau von Saint Alban , dann erzählte sie von ihrer Hoffnung , von Türgis sichtlicher Besserung . Alonzo hatte beiden den Arm geboten , er ging , ohne Worte zu finden , zwischen ihnen . Blansche war so innig , so gerührt , ihre Blicke richteten sich aufwärts zum Himmel . Alonzo suchte ihr Auge , sie sah ihn lächelnd an , aber es schwebte eine Wehmuth um ihren Lippen , vor der sein ganzes Herz zitterte . Leise drückte er ihren Arm an seine Brust . Die Mutter trat zuerst in den Saal . Alonzo hielt noch Blansches Hand , ihre Finger schlüpften leicht durch die seinigen , ihm war als flöge ein sanfter Druck , fast wie ein Lufthauch , drüber hin . Alle Nerven bebten ihm , die glühenden Augen lagen verzehrend auf Blanches Gestalt . Sie war schon weit von ihm , neben dem Bruder , der aufgerichtet im Bett , Alonzo freundlich zunickte . Diesem ging die Welt noch in wunderlichen , ungleichen Kreisen hin und wieder . Er sahe und hörte nur halb . Gleichwohl fiel ihm die außerordentliche Blässe und der feste , beinah verklärte Blick des Kranken auf . Er