umher , und zu der trüben Schwester hin , deren Worte immer so schwer in ihre Seele fielen . Ihr stiegen die Thränen in die Augen , sie ging zum Fenster , öffnete das , und erheiterte schnell ihren Blick , an den schönen , vollen Früchten , den Blumen , den Cither- und Mandolinen- Klängen , den freudigen Menschenstimmen , an all dem bunten Wesen der Menge . Sieh , o sieh ! liebe Antonie , rief sie dieser zu , hier ist es wirklich gar nicht so traurig ! Die Menschen sehn recht lustig aus ! bemerkst Du wohl das kleine Mädchen , mit dem glänzenden Strohhut ! wie allerliebst ! sieh , wie zierlich ihr die Mandoline über der Schulter hängt , wie sie mit einer Hand zwei Orangen spielend in die Höhe wirft , und immer eine wiederfängt , indeß sie mit der andern Hand leicht über die Saiten hinfährt , als greife sie die Töne und den Takt aus der Luft , mit welchen sie die tanzende Bewegung ihres Körpers begleitet ! komm , ich bitte Doch , laß uns das näher sehn , geh mit mir hinunter ! Antonie folgte ihr Gedankenvoll in den Vorsal . Er war noch leer . Sie traten in die Halle . Hier saß Alexis auf dem Sessel des Oheims , vor dessen Arbeitstisch , und einen Stift in der Hand grub er , diesen nachahmend , in eine kleine Silberplatte lauter Pünktchen , einen neben den andern . Antonie verwies es ihm , aus Furcht , daß er etwas verderben möchte . Das Kind hatte immer eine große Scheu vor ihr gehabt . Ihr strenger Blick und die starre Schönheit ihrer Züge machten ihn heben . Jetzt sah sie besonders strafend auf ihn nieder . Er fuhr bei dem Ton ihrer Stimme zusammen , und wollte erschrocken fliehen , als er unversehens den Stuhl , auf dem er saß , mit dem Tisch und allem darauf liegenden , zur Erde warf . Antonie ward sehr bestürtzt über diesen Vorfall . Denn Gold und Silber , Feile , Schmelztiegel und Goldwage , Cirkel und Maaßstab , alles lag neben edlen und unedlen Steinen bunt durcheinander . Marie war ihr sogleich behülflich , alles wieder an Ort und Stelle zu legen . Auch Antonie wollte das Ihre thun , als sie , ein aufgesprungenes Futteral schließend , einen schön gearbeiteten Dolch erblickte , der sie erst mit einer Art Entsetzen erfüllte , dann aber ihr Blut glühend durch die Adern trieb . Dunkel sagte sie sich : ich will dem Goldarbeiter davon sagen , und steckte ihn in den Busen . Da klopfte eine leise Hand auf ihre Schulter , sie wandte sich , und die Frau in Trauer stand vor ihr , ein Kästchen mit Arbeitsgeräth und ein Kissen , worauf angefangene Spitzen befestigt waren , unter dem Arm tragend . Verzeihen Sie , sagte diese im feinsten Pariser Accent , wenn ich eine Unbescheidenheit begehe , indem ich Sie frage , ob Sie sich gestern mit einem ältlichen Herrn am Eingang der großen Kathedrale befanden ? ob dieser Herr Ihr Vater war ? ob Sie - O mein Gott vergeben Sie , setzte sie hinzu , als Antonie etwas zerstreuet , und mit dem Vorhergehendem beschäftigt , ungeduldig auf sie hinsah , aber ich muß Sie bitten , mir das zu beantworten . Nun ja , sagte Antonie , er ist mein Vater . Der aber rief jene unbeschreiblich bewegt , ist kein anderer , kann kein anderer sein , als der Marquis von Villeroi ! und ein Fräulein Villeroi steht hier vor mir ! Mein liebstes Kind , umarme mich immer ! ich habe Rechte auf Dein Herz , glaube mir das ! Sie zog Antonien an ihre Brust ; dann aber , sich besinnend , fragte sie hastig , wo ist Deine Schwester ? lebt sie nicht mehr ? Marie näherte sich , und ihre Hand mit Schüchternheit fassend , sagte sie leise , ich bin es ! Arme hübsche Kinder ! rief die Dame ! wandte sich dann ab , und weinte einige Augenblicke heftig in ihr Taschentuch . Wo soll ich denn anfangen , sagte sie drauf gefaßter , Euch kenntlich zu werden ! Ihr wißt nichts von Eurer Familie ! Ihr seid so jung , die Vergangenheit ist so alt ! es ist so lange her , daß Frankreich schön war , daß Freunde und Verwandte von einander wußten . Ihr kennt wohl Niemand ! habt niemals von mir sprechen hören ! und geträumt hat Euch auch nicht von der armen ausgestoßenen , bejammernswerthen Tante Clairval ! Marie lag schon lange schluchzend an ihrer Brust , als Antonie nachsinnend sagte : ich habe Sie früher gesehn , meine Tante , ich erinnere mich dunkel ! Niemals , niemals , mein Kind , entgegnete die Baronin . Nach dem Tode Deiner armen Mutter hat der Marquis sich und seine Kinder von der Welt fern gehalten . Die Aebtissin Eures Klosters war nicht meine Freundin . Seit dem ersten Jahre Eures Lebens trafen wir nicht wieder zusammen . Doch ! doch ! sagte Antonie in sich zurücksehend , als der Marquis eben in den Vorsaal trat . Die Baronin blieb einen Augenblick überrascht stehn ! Das ist er also geworden ! rief sie , so hat die Zeit gearbeitet ! Der Marquis ward bei dem Ton ihrer Stimme von verworrner Erinnerung getroffen . Er sah fragend auf seine Töchter . Armer Schwager ! sagte die Baronin , so ist alles todt ! die schöne Jugend , und die Liebe , und das Andenken an den Wahnsinn der Leidenschaft , und den beruhigenden Balsam treuer Freundschaft ! Mein Gott , Pauline , rief der Marquis , wie vom Blitze getroffen , meine liebe , meine unglückliche Pauline ! Was machen Sie hier ? was wollen Sie hier ? in diesem Aufzuge , in Trauer sehe ich Sie wieder ! Was ich hier will ? erwiederte sie