brauche nur 14 zu seyn - aufsuchen . Habe dieser junge Mann noch niemals aus Eitelkeit einem jungen Mädchen gefallen wollen - aus Liebe schade es nichts - und überhaupt noch keine bösen Gedanken gehabt ; so dürfe er nur ein Stückchen von dem feinsten Scharlache Nachts und Tags , drei Monate lang , auf dem Herzen tragen , und er könne damit das Mädchen retten . Wie so ? Ja , das Stückchen Tuch müsse ihr dann auch aufs Herz gebunden werden . Habe der junge Mensch aber , in der Zeit , wo er es getragen , etwas Böses gedacht oder gethan ; so helfe es nichts . Nun wie ging es ? Half es wirklich ? Ach sie haben keinen solchen jungen Menschen gefunden . Ich glaube es ! Aber du , Gretchen , könntest das einmal mit dem Maler versuchen . Ich hab ' es schon versucht . Du hast es versucht ? Ja ! aber auf eine andere Art. Die Dame setzte noch hinzu : wenn auch die Leute einen solchen jungen Mann gefunden hätten , wär ' es noch immer die Frage gewesen , ob er die Liebe des Mädchens gewünscht hätte . Dafür sey aber auch Rath . Man brauche nur nicht das Stückchen Tuch dem Mädchen gerade aufs Herz zu binden , sondern nur Alles , was sie an sich trage , und berühre , damit zu bestreichen , so werde sie doch gleich ruhig und alle ihre Leidenschaften gemässigter . Und du ? Ja , mein seliger Vater sagte immer , all dergleichen sey Aberglauben . Man sieht aber doch heut zu Tage , daß manches für Aberglauben gehalten worden , was es nicht ist , sondern wirklich tief in der Natur liegt . So dacht ' ich dann : hilft es nicht , so schadet es doch auch keinem Menschen , du kannst es immerhin versuchen . Du trägst ein solches Stückchen Tuch ? Ja , ich trage es . Und nach drei Monaten wirst du es ihm aufs Herz binden lassen ? Gott bewahre ! Warum Gott bewahre ? Es wäre ihm ja dann für immer geholfen . Ach Gott , nein ! ich mag es nicht ! Das ist sonderbar ! Du willst ihm helfen , und dann willst du es wieder nicht . Ach , gnädiger Herr ! - rief ich - Verstehen sie mich doch nur recht ! Ich will ja wohl , daß ihm geholfen ; aber nicht , daß er gezwungen werde , mich zu lieben . Ich sehe nicht ein - sagte er nun ganz heftig - warum du dich so sehr dagegen wehrst ! Liebe ist ja Liebe , sagst du , sie mag kommen , woher , und mag vermischt seyn , womit sie will . Wie schlecht er dich Anfangs auch liebt , er wird es schon einmal lernen . Ach , gnädiger Herr ! - rief ich nun , und konnte das Weinen nicht mehr zurückhalten - das hätte ich nicht geglaubt , daß Sie meine einfältigen Worte so gegen mich kehren , und so durch und durch bös auf mich werden würden ! Was ich Ihnen jetzt vertrauete , hat noch kein Mensch , ja meine Mutter nicht einmal erfahren . Nicht wahr ? - sagte er nun recht bitter lächelnd - es gereuet dich , daß du so aufrichtig warest ? Doch nein ! es darf dich nicht gereuen , und du mußt nun aufrichtig bleiben , sonst verliert ja der Scharlach seine Kraft . Das war mir nun ein rechter Stich durchs Herz . Ich riß das Stückchen Tuch hervor , hielt es ihm hin und rief : nehmen Sie es , gnädiger Herr ! wenn Sie das glauben . Sie haben keinen Freund , sagen Sie , und trauen keinem Menschen recht mehr , als mir . Aber nun trauen Sie ja auch mir nicht mehr , und da sind Sie noch viel unglücklicher als der arme junge Herr . Er sah mich mit grossen Augen an , nahm das Stückchen Tuch und betrachtete es von allen Seiten . Dann gieng er schnell damit zum Fenster - ich erschrack und dachte ; er wolle es hinaus werfen ; denn er glaubt doch nicht daran , das konnt ' ich an seinen Mienen sehen - verbarg es in seinen Busen und kam dann wieder ganz freundlich auf mich zu . Gretchen ! - sagte er - ich sehe nun wohl , daß wir beiden , der arme Maler , so wie ich , uns nur deines Mitleids zu erfreuen haben . Viel können wir uns freilich nicht darauf einbilden . Grosser Gott ! - rief ich - was könnten Sie sich denn auch darauf einbilden ? - Laß das ! - sagte er - untersuche das nicht ! Was wir auch könnten ; du hast uns davor geschützt . Geh lieber Engel ! ( es war närrisch , daß er mich nun mit einemmale einen Engel nannte , nachdem er kurz zuvor geglaubt hatte , meine ganze Aufrichtigkeit komme von dem Stückchen Tuche her ) . Ich habe mancherlei zu überlegen , besonders aber , wie ich dir meine grossen und manchfaltigen Schulden abtragen will . So nahm ich dann mein Körbchen , und ging voller Gedanken über all das Sonderbare , was ich von dem Fürsten gesehen und gehört hatte . Er ist wohl , wie sie immer gesagt hat , daß die Männer sind , aufbrausend und launisch , aber doch gleich wieder gut und herzlich , und gar nicht so , wie der Herr Vetter sagt , daß die Fürsten sind . Sie sieht auch , herzliebste Mutter ! daß ich ihr Alles , wie sie es verlangt hat , schreibe . Das werde ich auch immer thun , damit sie weiß , daß sie nicht nöthig hat , angst meinetwegen zu seyn . Nun lebe sie wohl , herzliebste Mutter ! Ich arbeite viel auf die Weihnacht für die Frau Präsidentin ;