fassen Sie sich - wir haben ... getanzt . - Ob die Erde nicht bebte ? ob sich die Sonne nicht verfinsterte ? - Ach nein ! Aber der Obriste hat , vor Schrecken und Ärger , einen Schwindel davon getragen . Gott weiß es ! Dies hat auch mich fürchterlich erschreckt ; aber .... Doch sie mögen selbst urtheilen . Nach , wer weiß wie vielen abschlägigen Antworten , bittet uns der König heute zu dem letzten Balle . Wie gewöhnlich sucht man Entschuldigungen hervor . Aber er läßt sich nicht irre machen , und besteht darauf , uns wenigstens als Zuschauerinnen daran Theil nehmen zu sehen . Julie frägt mich unentschlossen mit den Augen . Ich gebe ihr durch Zeichen zu verstehen , daß ja nichts dabey zu wagen ist , und ... wir versprechen zu kommen . Hoch erfreut eilt der König davon ; aber Angst , Reue und Schrecken ziehen nun augenblicklich bey uns ein . » Was wird der Obriste denken ! - Man hätte ihn um Rath fragen , man hätte schlechterdings nicht zusagen sollen . « Ich gestehe , diese übertriebene Bedenklichkeiten erbitterten mich . Um so mehr , da der König , trotz meiner kindischen Furcht , sich bis diesen Augenblick mit musterhafter Anständigkeit betragen hat . Wie gesagt , die Bedenklichkeiten erbitterten mich und ich hielt eine Strafpredigt über Freiheit , Selbstschätzung u.s.w. die sich vor Meister und Gesellen konnte hören lassen . Julie schwieg . Es scheint ihr unmöglich , einem heftigen Menschen zu widersprechen . Freilich , wer durch die stille Trauer auf diesem Engelgesichte nicht zur Besinnung kommt , mögte wohl schwerlich dazu gelangen . Ich aber suchte mich jetzt absichtlich dagegen zu verhärten , verliebte mich immer mehr in meine Tiraden , und würde ohne Zweifel noch eine gute Stunde damit fortgefahren haben , hätte mich der Durst nicht in einer der schönsten überfallen . Hastig ergrif ich ein Glas Wasser ; aber eben so schnell fiel mir Julie in den Arm : » Trink nicht - sagte sie mit einer Stimme , die sich zu der meinigen wie eine Flöte zu einem kleinen Brummbaß verhielt - das Wasser ist eiskalt , und Du bist schrecklich erhitzt . « Noch wollte ich trotzen ; aber da sah ich in das Himmelauge , aus dem die Liebe nicht weicht , alle meine Tiraden waren vergessen und ich mußte froh seyn mich an ihrer Schulter verbergen zu können . Das Andenken dieses Augenblicks hat etwas so feierlich rührendes für mich , daß ich meine Erzählung schlechterdings auf ein andres Mal verschieben muß . Ich will Sie durchaus weder feierlich , weder rührend noch gerührt machen . Denn , wahrhaftig ! würde hier die ganze Welt gerührt ; so mögte es schlimm um uns aussehen . Nur so viel zur Nachricht : Der Obriste ist außer Gefahr , und wie gewöhnlich von fünf Uhr an gestiefelt , gespornt und vollkommen marschfertig . Zum Niederlegen bey Tage haben ihn weder die Bitten des Königs noch des Arztes vermögen können . Sein Kammerdiener - der ihn , wohlbemerkt , niemals anrühren darf - versichert , er habe ihn bis diese Stunde noch nicht in Nachtkleidern gesehen . Dagegen aber müssen eine wohlgereinigte Uniform mit Wäsche und allem Zubehör auf den andern Tag bereit liegen , um dem Obristen beim Erwachen sogleich in die Hände zu fallen Sonderbar ! Ihnen das wie eine Neuigkeit zu erzählen ! Was will ich damit ? - Nun es macht eine dumme Empfindung in mir rege . Meine Feinde würden sagen ; es verdrüßt mich . Acht und vierzigster Brief Olivier an Reinhold Sie ist mein ! Ach das war zu viel gesagt ! - Nein ! noch ist sie nicht ganz mein ; aber sie wird nie eines Andern . Das hat sie mir versprochen und das gilt mehr , als wenn Andre schwören . Höre wie es kam ! Geschäfte halber war ich den ganzen Tag ihres Anblicks beraubt gewesen . Nur erst gegen Abend konnte ich auf ein paar Minuten zu ihr fliegen . Sie war nicht zu Hause . Mir unbegreiflich ; denn ich hatte sie ja immer gefunden . Ich fühlte die Unbescheidenheit ; konnte mich aber nicht enthalten zu fragen : » wo ist sie denn ? « - » Auf dem Balle . « Ich muß sehr blaß geworden seyn ; denn ich sah das Mädchen erschrecken . Aber ohne mich weiter einzulassen , eilte ich davon . Wie ich in den Saal trete , finde ich alles in einer Ecke zusammengedrängt . » Was giebts ? « - frage ich den Lieutenant D ... - » Der König tanzt mit Fräulein S .... « - antwortet er - » Aber mein Gott ! was fehlt Ihnen , Herr Obrister ? « - » Nichts ! nichts ! « - sage ich , und dränge mich vor . Sie ! sie selbst ! mit ihm , an seiner Hand , tanzte - Nein ! nein ! das ist nicht wahr ! schwebte leise , unhörbar . Nur von fern berührte er sie , bückte sich jedesmal , wenn sie sich näherte . Jetzt sollte gewalzt werden , und ich grif krampfhaft an den Degen . Ob ich es gleich wußte , nicht zweifelte . - O ich hatte Recht ! Er wagte es nicht , und sie konnte es nicht dulden , oder sie wäre nicht sie selbst gewesen . - Mit schüchterner Achtung - ja wahrhaftig mit Schüchternheit - führte er sie hinauf , während die Andern ras ' ten . O , er ist noch nicht ganz verwahrlost ! Er fühlt noch ihren Werth . - Ich war wieder zu mir selbst gekommen , ich hatte mich gefaßt . Aber jetzt trat Antonelli hervor , und ehe er noch um ihre Hand bitten konnte , war ich aus dem Saale , riß meinen Braunen in den Garten , und stürmte mit ihm durch die Felder . Mit einem