bin unschuldig ! - sie hat mich gereizt ! hat mich auf das Aeußerste gereizt ! Diese Beschuldigung trieb Amaliens Wuth bis zur Raserey . - Ich hatte ein Weib geliebt ; aber das war kein Weib , das war kein menschliches Wesen mehr , was ich da vor mir sah . - Meine Liebe entfloh ; und das Gefühl wie tief ich gekränkt war , kehrte in seiner ganzen Stärke wieder zurück . » Ruhig Madame ! ruhig « - rief ich - » was Sie wünschen soll geschehen ! auch ich verlange nicht Sie wieder zu sehen ! - trösten Sie sich ! Hannibal ist zu ersetzen ! - In der That ! ich ruhte nicht eher , bis ich einen eben so großen und noch schönern Hund aufgetrieben hatte . Diesen schickte ich der Gräfin , mit einem Zettel , den sie wahrscheinlich Niemand mitgetheilt haben wird ; und kündigte Heinrichen an : daß ich entschlossen sey morgenden Tages Berlin zu verlassen . Nichts von Allem was er mir einwandte , vermochte etwas über mich ; und ich reiste mit dem festen Entschlusse ab : eine vollgenügende Rache an dem ganzen weiblichen Geschlechte zu nehmen . Viertes Buch Erstes Kapitel Die Freude meiner Tante , mich nach einem Jahre wieder zu umarmen , war unbeschreiblich . Sie fand mich größer , männlicher , und wollte einen besondern Zug von Erfahrung in meiner Phisiognomie entdecken . Ich lächelte schweigend und nahm mir die neue Kammerjungfer ein wenig in Augenschein . Es war noch dieselbe kleine Brünette im grünen Corsettchen , und , wie wie mich dünkte , nichts weniger als zu ihrem Nachtheile verändert . Auch sie war gewachsen ; war noch voller und blühender ; aber , wenn ich nicht irrte , auch um ein ganz Theil stolzer geworden . Diese Vermuthung fand sich durch die Aeußerungen der Bedienten vollkommen bestätigt . Nach ihrer Aussage , war Röschen die grausamste , widerspenstigste Schöne auf dem Erdboden ; und sie würde - meynten sie - eher einen Mann zu ihren Füssen sterben lassen ; als einen mitleidigen Blick auf ihn werfen . » Kinder ! Kinder ! « - sagte ich - » ihr macht es auch gar zu arg ! « - » Nein gnädiger Herr ! « - rief Friedrich der Jäger , ein hübscher , schlanker Bursche - » Gott soll mich verdammen ! wo die kleine Hexe nicht ein Herz von Stahl und Eisen hat ! « » Hm ! « - antwortete ich - der Rechte ist noch nicht gekommen ! « - Friedrich . Ja das sagt sie auch ! - und da mögte man gleich ! .... Na ich will es noch erleben ! - » Sey ruhig Friedrich ! « - unterbrach ich ihn - » es giebt ja der hübschen Mädchen mehr ; und ein Bursche wie du , findet allenthalben noch eine Frau . « » Ja ! « antwortete er mißmüthig - » das sagen die Andern auch ! - aber wenn man einmal seinen Kopf darauf gesetzt hat ; so ärgerts einen doch ! « - Zweytes Kapitel Friedrich hat Recht ! - dachte ich - seinen Kopf muß man nun freylich nicht darauf setzen ; aber zum Spas kann man doch sehen was an der Sache ist . - » Höre ! Röschen ! - sagte ich am folgenden Morgen ; als ich ihr im Garten begegnete - man hat dich erschrecklich bey mir verklagt . « » Bey dem gnädigen Herrn ? « - fragte sie ; und ward roth bis an die Augen . Ich . Ja ! bey mir . Du bist ja ein entsetzliches Mädchen ! bringst alle Männer zur Verzweiflung . - Sie . Oh da hat gewiß Friedrich einmal wieder geschwatzt ! der hat immer dummes Zeug im Kopfe ! Ich . Er findet dich liebenswürdig ! kannst du das dumm nennen ? das thut mir leid ! - da wirst du mich auch dumm , sehr dumm nennen müssen ! - » Ach ! « - rief sie lebhaft - » mit dem gnädigen Herrn , das ist ja ganz was anders ! « - » Wirklich ? liebes Mädchen ! « - sagte ich ; indem ich ihre Hand zärtlich in der meinigen drückte , und meinen Ton so treuherzig als möglich zu machen suchte . Mit dem Tone gelang es mir so ziemlich ; aber ich mogte doch ein gewisses schalkhaftes Lächeln bey ihrer Naivetät nicht ganz unterdrückt haben . Sie fühlte jetzt was in ihrer Antwort lag , und ihre Verwirrung war unbeschreiblich . » Habe ich dich böse gemacht ? mein süßes Mädchen ! « sagte ich ; und fand meinen Ton jetzt meisterhaft - » wie innig leid würde mir das thun ! « - » Ach Gott nein ! « - antwortete sie - » ich bin nur böse auf mich selbst , weil ich immer so schwatze wie es mir in den Mund kömmt . « » Thue das immer lieber Engel ! « - fuhr ich fort ; indem ich meinen Arm um ihre Hüften schlang . - » Niemand kann es besser mit dir meynen als ich . Sieh mich als deinen Freund , als deinen Bruder an ! « » Ach lieber Himmel ! « - unterbrach sie mich - » wie könnte ich denn das ! « » Das kannst du ! das mußt du ! « - wiederholte ich ; und drückte schnell einen Kuß auf ihren niedlichen Mund . Sie verschwand mit einem Schrey ; und ich ärgerte mich , durch eine einzige Aufwallung beynahe alles verdorben zu haben . Drittes Kapitel Von diesem Augenblicke an , vermied sie mich eben so absichtlich , wie ich sie suchte , und ich war nahe daran , mit Friedrich einerley Schicksal zu haben : als ich mich noch zur rechten Zeit eines Mittels erinnerte , das ein sehr erfahrner Mann , mir als untrüglich empfohlen hatte .