als die andern Menschen . Ich kann nicht heiter sein , mein Leben war Verlust , mein Tod wird mein erster Gewinn sein , ihn werden meine Freuden begleiten , sie gehören ganz dir , und ich werde nur die mit dir teilen , daß ich dir ein solches Erbteil erschaffen habe . Heute sind es - Jahre , daß der Schauspieler zu einer großen traurigen Rolle der Schicksale geboren wurde . Ich habe mehr getan als sie gespielet , ich habe sie gefühlt , sie hat mich vernichtet , der Vorhang ist gefallen , und ich weine hinter der Szene . Du bist zu früh geboren , du mußtest ohne Schuld noch mit aus dem Tränenbecher trinken , den ich gern , sehr gern allein in der Lebenslinie , die der Funke der Allmacht , der in mir wohnt , zu durchlaufen hat , ausgeleert hätte , damit dir die reine ungestörte Freude übrig bleibe . Ich werde bald deine Mutter , mein treues , edles Weib , wiedersehen , ich werde auch Jene wiedersehen , die mein Wiedersehn tötete . Ach ! wenn ich es nicht glaubte , so wäre ich ganz elend , so hätte ich keinen Wunsch mehr und nicht einmal den Wunsch zu sterben . « Hier verbarg er sich in meinen Schoß , ich umklammerte ihn fest , sein Schmerz wütete in mir , und ich rief aus : » So sterben , ach ! so sterben ! « Ich weiß nicht , was nachher geschehen ist ; ich weiß nicht , wie er aus meinen Armen gekommen ist . Als ich erwachte , fühlte ich kalte Tropfen auf meiner Stirne , und eine tiefe schwarze Nacht hatte mich bedeckt . Plötzlich goß sich das Licht des Mondes durch die Halle , zu meinen Füßen saß Werdo , ich sah in seine Augen , die mich lange nicht so himmlisch , so voll Vaterliebe angeblickt hatten . Kaum blickte das Auge , das freundliche Auge der Nacht so wehmütig und so vertraut in unsere Wohnung , als mein Vater die Harfe zu spielen und zu singen anfing . Es war mir , als habe er sein Lied an dem Monde angezündet , es war so rein , so hell , und doch so mild , was er sang , daß ich nie von ihm so etwas gehört habe ; er sang mit einer festern Stimme als je , und der Inhalt des Liedes brachte in mir die nämliche Empfindung hervor , erfüllte mich ebenso mit Ahndungen , wie es der Mond tut , wenn ich allein oder mit Eusebio am Abende am Turme sitze . Es ist dann alles so klar um mich , und doch kann ich die Ferne hinter mir und die vor mir nicht beschreiben , es verwebt sich der Himmel mit der Erde ; Wolken und Berge , Höhe und Tiefe fließt in ein Meer von unergründlich tiefem stillen Leben zusammen , das auf seinem Scheiden und Kommen ruhig meinen Blick fortbewegt und ihn dem freundlichen Monde entgegenträgt . Ich nenne den Mond , wenn ich ihn denke , immer , wie Eusebio , la luna , denn es ist mir lieber , und ich kann mir ihn besser wie ein Weib denken . Da mein Vater so sang und es wieder dunkel ward , steckte ich unser Lämpchen an , und hörte ihm wieder zu ; sein Lied ward immer tröstender und ging dann in eine sanfte Freude über . Er stand auf , küßte mich und sagte : » Nun ist uns beiden wieder wohl ; nicht wahr , meine Liebe , so mußte ich endigen , damit du ruhig von mir gehen kannst , und damit ich heute nacht denken kann , daß du nicht um mich weinst und sanft schläfst ? « Er gab mir die Hand , und ich ging auf meine Stube . Ich setzte mich hin , um deinen Brief nochmals zu lesen , und da ich ihn auseinanderlegte , fand ich einen Ring an meinem Finger , den ich nie gesehen habe . Ich wußte nicht , wie er an meine Hand gekommen war , zog ihn ängstlich ab , betrachtete ihn von allen Seiten , und konnte mir es gar nicht erklären . Er ist aus zwei Armen gebildet , die einen schönen Diamant halten , und in dem Reif war der Name Marie * * * eingeschnitten . Der Ring machte mir ganz bange ; meinen Vater konnte ich doch nicht mehr wecken , um ihn zu fragen . Ich legte ihn sorgfältig eingewickelt in meinen Schrank , sahe einigemal wieder nach ihm , denn es war mir , als könnte er wieder verschwinden , da er so sonderbar angekommen war . Nun las ich deinen Brief , dachte an dich auf alle Weise , wie du ihn schriebst , wie du dabei ausgesehen , gesessen , und angekleidest warst ; ach ! es ist so lange , daß ich nichts von dir gehört habe , ich sehnte mich so nach dir , es war so leer in meinen Armen , du warst nicht drinne , um die viele Liebe lesen zu können , die in meinem Herzen erwachte . Ich verschränkte die Arme und umarmte dich in meinem eignen Herzen . Es ward mir so ruhig ; ernsthaft war ich nicht , denn vor meinen Augen tanzten leichte Gestalten , die alle aussahen wie du , auf einer großen Blumenfläche , sie schwebten höher und höher , und wiegten sich wie Sonnenstrahlen auf den Blüten der Bäume , ich saß unten allein , sie grüßten mich freundlich und winkten mir , aber ich konnte nicht kommen , die Schwermut liegt auf mir und drückt meine heiße Wange an die kühle Erde ; ach ! ich mochte nicht kommen , denn ich war so glücklich , und fühlte mich so gut , so frei , so wohl , ich konnte nie ein beßres Mädchen sein ; ich glaubte die Freundin