. Dieser Böse ! Die vier Feuersäulen werden brennen um die zehnte Abendstunde . Ein süßes Kinderherz wird sorgen dafür . Und rückt der Loys in der Nacht mit seinem Haupthaufen in den festen Landsack zwischen den Sümpfen hinein , so sperrst du am Morgen der Rückweg . Hast du verstanden ? « » Herr ? « fragte Seipelstorfer ratlos . » Mit unseren dreihundert Gäulen ? « Der Herzog , der wieder taumelig wurde , antwortete heiter : » Wenn es dämmert , stehen im Wald zwischen Dachau und dem Webelsbache dritthalbtausend von meinen Helmen . « Er schloß die Augen und tastete mit der Hand . » Den Kühltrank ! Meinen Kühltrank muß ich haben . « Weil er ins Gras zu rollen drohte , hoben der Hauptmann und Malimmes ihn auf und stützten seine tappenden Schritte . Lallend , doch immer noch mit einem Klang von Lustigkeit , sagte er : » Jetzt wird sich mein Leibarzt freuen , weil er recht behält . Ich muß ins Bett . « Als man ihn durch den Wald zu den Gäulen führte , versagten ihm die Knie . Mit erlöschenden Sinnen befahl er noch : » Mein gesunder Galgenvogel soll mich tragen . « Dann schwanden ihm die Sinne . Bis zum Abend lag Herr Heinrich bewußtlos in seinem Zelte . Als es zu dämmern anfing , flüsterte Jul , der mit drei anderen die Wache hielt , dem Malimmes mit heißem Betteln zu : » So hilf ihm doch ! « Der Söldner schwieg ; er nahm nur das blanke Eisen von der rechten Armbeuge in die linke . Bei Anbruch der Dunkelheit wurde es laut und lebendig im Wald . Die Harnischer und Spießknechte , die vor vielen Tagen von Burghausen aufgebrochen waren , begannen sich zu sammeln , wie es Herr Heinrich befohlen hatte . Sie waren verstärkt durch Kriegshaufen , die von Landshut und anderen Städten und Burgen des Herzogs kamen . Ohne Feuer verbrachte das Heer die Nacht . Nur im Zelte des kranken Fürsten flackerte das Kerzenlicht , während der Leibarzt , das Übelste besorgend , den Fiebernden aus seinen Delirien zu wecken suchte . Der Herzog schwatzte wirre Worte , die sehr heiter klangen , lachte und kicherte , stieß mit den Füßen wie beim Reiten , und gleich einem Kämpfenden schlug er mit der rechten Faust gegen einen unsichtbaren Feind . - - - Zu Beginn der gleichen Nacht brach Herzog Ludwigs Hauptmann Wessenacker mit siebenhundert Gäulen bei Planegg aus den Wäldern an der Würm heraus . Durch stille Dörfer , die unter dem Schutz der nahen und starken Hauptstadt von schweren Kriegsschäden bisher verschont geblieben , und über abgeerntete Wiesen und Felder jagte die klirrende Reitermasse auf das schlafende München zu . Ein feiner , schwarzer Schattenriß , hundertfältig ausgezähnelt , heben sich die Basteien , Mauern , Dächer und Türme der Isarstadt gegen den mit funkelnden Sternen besäten Himmel . An vielen Stellen ist dieses Schattenbild unruhig überschimmert vom Schein der Pfannenfeuer , die bei den Toren und über den Zinnen der Wachtürme brennen . Gleich einem Murmellied von vielen Stimmen gaukelt das Rauschen der Isar durch die stille Nacht und übertönt den Hufschlag der Pferde . Kleine Häuser und Hütten , die schon dunkel sind , stehen vereinzelt unter Stauden und Bäumen am Ufer des breiten Stromes , in dem die weißen Kiesbeete wie mächtige Linnenstücke schimmern . Mit dem Rauschen des Wassers mischt sich das Fauchen des kräftigen Nachtwindes , der kühl aus den Bergen kommt und die ersten welken Blätter von den Bäumen schüttelt . Im Wehen dieses Windes tönt von der Stadt ein verschwommener Hall , zehn Schläge einer großen Glocke . Bei den Holzhöfen zwischen dem Glockenbach und der Isar klingen ein paar Männerstimmen . Hier sind zu dieser späten Stunde noch Menschen bei der Arbeit , heitere Menschen . Sie lachen , sie schwatzen lustig . Eine Jünglingsstimme trällert einen kecken Vierzeiler . Es sind Oberländer Flößer , die sich auf der Fahrt versäumten und ihre Flöße noch festlegen wollen . Nun steigen sie schwatzend über die Böschung des Ufers herauf , um die Herberge zu suchen . Verwundert gucken sie die vielen Reiter an , die neben dem Glockenbach aus den Sätteln springen . Freundlich grüßen sie : » Gut Nacht , ihr Herren ! « Das ist das letzte Wort ihres fröhlichen Lebens . Ein Klingen von Eisen , klatschende Schläge , wehes Stöhnen und ein gräßlicher Schrei . Fünf blutende Körper rollen über steiles Ufer in das rauschende Wasser hinunter . Hundert Reiter sind abgesessen . Zwei Feldbüchsen , unter deren Gewicht die Saumtiere gekeucht hatten , werden abgeladen und hastig aufgeholzt ; ihre kopfgroßen Kugeln sollen Bresche in das Tor schießen ; vierzig Gepanzerte spannen sich an die Zugstränge . Und Hauptmann Wessenacker sprengt von einem Reitertrupp zum andern und verteilt die Befehle zum Sturm auf das Angertor , das er für den Handstreich wählte , weil es unter den Toren Münchens das älteste und schwächste ist . Da sieht er in der Gegend , aus der die siebenhundert gekommen waren , eine grelle Feuerröte gegen den Himmel steigen . » Teufel , was ist das ? « Und dort , gegen Pasing hin , steigt eine zweite Feuersäule auf ! Eine dritte ! Eine vierte ! Im Milchwinkel der Hauptstadt München brennen die Dörfer Germaring , Gauting , Pasing und Aubing . Wer hat den roten Hahn auf diese Hunderte von Dächern gesetzt ? Ein feindlicher Zufall ? Oder haben wider den strengen Befehl des Wessenacker die Nachzügler das Sackmachen und Brandschatzen schon vor dem Sieg begonnen ? Oder ist Verrat im Spiel ? Der Hauptmann zittert vor Wut und findet in dieser brennenden Gefahr keinen Rat . Diese vier verfrühten Feuersäulen können für Herzog Ludwig zu einem bösen Irrtum werden . Sie lügen ihm vor , daß München genommen ist . Und der Ingolstädter Haupthaufe rückt sorglos in den schmalen Landsack ein , der zwischen den weglosen