mich wie einen alten , sehr lieben und sehr werten Bekannten . » Ich bin dein Freund , « fügte er hinzu . » Laß mich dein Bruder werden . Zeig ' mir deine Squaw und auch die meine , damit ich beide begrüße ! « Ich hatte keine Ahnung , wo die sogenannte Küche zu suchen war . Zum Glück erschien in diesem Augenblick unser riesiger Intschu-inta , der uns nach der richtigen Stelle brachte . Das war im Parterre , hinter einer großen , offenen Halle . Man sah uns kommen . Da traten sie heraus , die beiden , die wir suchten : das Herzle die Aermel aufgeschlagen und die beiden Arme bis an die Ellbogen mit Teig beklebt , und Aschta , die Mutter , auch beide Aermel aufgeschlagen , die Arme aber glänzend von Backfett , Salatöl und ähnlichen guten Dingen . Wir lachten alle vier . Eine gegenseitige Berührung war unmöglich . Darum nahm die Begrüßung einen weniger intimen Verlauf , worauf wir beiden Männer unsere Frauen ihrem schmackhaften Berufe zurückgaben . Intschu-inta nahm das Pferd des Medizinmannes in Verwahrung . Ich aber hielt mich für verpflichtet , Wakon zunächst zu Tatellah-Satah zu führen . In seinem Hause angekommen , hörten wir , daß er sich in der Bibliothek befinde . Diese lag im zweiten Hause . Ich übergehe die Begrüßung dieser hochbedeutenden Männer , auch die sehr wichtige Konferenz und Aussprache , welche hierauf folgte . Dann geleitete Tatellah-Satah uns durch die sämtlichen Räume der Bibliothek und nach dem dritten und vierten Hause , wo wir den Tempel und die weit ausgedehnten Räume fanden , in denen die geheimnisvollen Zeugen vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende untergebracht waren . Eigentlich betrachten konnten wir nichts ; dazu war die Zeit zu kurz . Es handelte sich nur um einen schnellen , allgemeinen und nur orientierenden Blick auf alle die Reichtümer und Herrlichkeiten , von deren Vorhandensein die Angehörigen der außeramerikanischen Rassen gar nichts ahnten . Wenn ich » Winnetous Testament « veröffentliche , werde ich auf diese Räume zurückkommen und habe dann Zeit , ihrer so ausführlich zu gedenken , wie sie es verdienen . Eins nur will ich erwähnen . Nämlich wir sahen im Tempel die Riesenhaut des » längst ausgestorbenen Silberlöwen « , von welcher der Medizinmann der Komantschen im » Haus des Todes « gesprochen hat . Dieser Löwe war allerdings ganz bedeutend größer gewesen , als die jetzigen Pumas sind . Die Schrift war noch vorhanden . Daneben hing die Haut des großen Kriegsadlers , die von dem Medizinmann der Kiowa erwähnt worden war . Wir waren mit diesem unserem Rundgange noch lange nicht zu Ende , so mußte ich Tatellah-Satah bitten , uns für heut zu entlassen . Es waren nur noch Minuten , so mußten unsere Gäste erscheinen . Es gab da zwei Punkte , an die ich mit großer Spannung dachte . Der eine war , ob Old Surehand und Apanatschka erscheinen würden oder nicht . Hierauf kam sehr viel an . Der andere Punkt betraf das Mahl und das ganze Arrangement dieses sehr wichtigen , festlichen Empfanges . In letzterer Beziehung hatte ich mich auf Intschu-inta verlassen , der von Tatellah-Satah mehr als genügend instruiert worden war . Und in ersterer Beziehung war abzuwarten , ob wir uns mit den Künsten der roten und der weißen Küchensee blamieren würden oder nicht . Ich bat Wakon , mir beim Empfange der Gäste ebenso beizustehen , wie seine Aschta meinem Herzle im Backen und Braten Hilfe leistete . Er war gern einverstanden . Der Empfang fand nicht in demselben Raume statt , in dem später gegessen werden sollte , sondern in dem , wo die Platte mit den Friedenspfeifen stand . Kaum hatten wir uns da eingestellt , so kamen die ersten Gäste ; die anderen folgten schnell hinterher . Die beiden letzten waren - - Old Surehand und Apanatschka . Als sie eintraten , suchten sie mit den Augen nach mir . Sie sahen mich , und da brach alles , alles , was früher gewesen war , durch , und all der gegenwärtige Zwist war verschwunden . Sie eilten jubelnd auf mich zu , drückten mich wieder und wieder an sich und baten , sich zu meiner Rechten und Linken niedersetzen zu dürfen . Wie froh ich war ! Ich wußte nun mit einemmale , daß ich gewonnen hatte . Die Pfeifen wurden gefüllt . Ich hatte die Gäste zu begrüßen . Ich tat dies in kurzer , doch herzlicher Weise . Die Zeremonie des Rauchens braucht nicht beschrieben zu werden . Ein jeder antwortete . Als das vorüber war , galt es , den Hauptgegenstand des heutigen Tages in das Auge zu fassen . Eben wollte ich aufstehen und eine hierauf bezügliche Ansprache halten , da ging die Tür auf , und wer trat herein ? Tatellah-Satah , der » Bewahrer der großen Medizin « . Sobald sie ihn sahen , erhoben sich alle Anwesenden ehrerbietig von ihren Plätzen . Ich brannte schnell eine Pfeife an und gab sie ihm . Er tat die vorgeschriebenen sechs Züge der Begrüßung , gab sie mir wieder und sprach so kurz und prägnant , wie nur jemand spricht , der zu gebieten versteht : » Ich bin Tatellah-Satah . Ihr seid die Stimmen meines über alles geliebten Volkes . Ihr sollt erklingen , und ich will hören . Der edelste aller Männer dieses Volkes war Winnetou , der Häuptling der Apatschen . Ihm soll ein Denkmal werden . Was heißt das ? Der Gedanke Winnetou soll äußerlich Gestalt gewinnen . Einige von euch denken sich diese Gestalt von Erz oder Stein . Sie soll auf der kalten , einsamen Höhe des Berges stehen . Wir andern denken uns diese Gestalt von Fleisch und Blut , nicht tot , sondern lebend . Ein jeder , der zur roten Rasse gehört , soll ein Tropfen dieses warmen , edlen Blutes sein . Der Winnetou der Erstgenannten wird gehämmert , gemeißelt oder gegossen