Zügen rechts schwenkt , Trab ! « , und im nächsten Augenblick suchten wir den Abhang und gleich darauf die Höhe zu gewinnen . Einzelne überschlugen sich und stürzten zurück ; die meisten aber erreichten die Crête , rangierten sich und gingen zur Attacke vor . Erst im Anreiten sahen wir , wo wir waren . Keine dreihundert Schritt vor uns brannte Dorf Semenowskoi ; zwischen uns und dem Dorfe aber , und dann wieder über dasselbe hinaus , standen schachbrettartig sechs russische Carrés , Gardegrenadierbataillone , die berühmten Regimenter Ismailoff , Litauen und Finnland . Ihr Feuer empfing uns aus nächster Nähe , aber ehe eine zweite Salve folgen konnte , waren die diesseits des Dorfes stehenden Vierecke niedergeritten , und durch das brennende Semenowskoi hindurch ging die Attacke , ohne Signal oder Kommandowort , aus sich selber heraus im Fluge weiter . Innerhalb des Dorfes freilich stürzten viele der vordersten Reiter in die den ehemaligen Wohnungen als Korn- und Vorratsräume dienenden , jetzt mit glühendem Schutt gefüllten Kellerlöcher , aber die nachfolgenden Rotten passierten glücklich die gefährlichen Stellen , und alles , was jenseits stand , teilte das Schicksal derer , die diesseits gestanden hatten . Das Regiment Litauen verlor in zehn Minuten die Hälfte seiner Mannschaften . Aber nicht die ganze Brigade Thielmann war durch das brennende Dorf geritten ; ein kleines Häuflein derselben , nicht hundert Mann stark und aus Bruchteilen beider Regimenter gemischt , hatte sich vielmehr , gleich nach dem Niederreiten der ersten Carrés , nach rechts hin tiefer in die russische Schlachtordnung hineingewagt , um hier dem Angriff einer eben hervorbrechenden feindlichen Kavallerieabteilung zu begegnen . Es glückte ; die feindlichen Kürassiere wurden geworfen , und in Ausbeutung des auch an dieser Stelle beinahe unerwartet errungenen Erfolges jagten wir - ich selber gehörte dieser Abteilung zu - zwischen den massiert dahinterstehenden Bataillonskolonnen hindurch und erwachten erst wieder zu voller Besinnung , als wir uns plötzlich im Rücken der gesamten russischen Aufstellung sahen . Wir hätten von dieser Stelle aus leichter bis Moskau reiten können als bis an den Semenowskagrund zurück . Und doch mußten wir diesen Grund , die Scheidelinie zwischen Freund und Feind , wieder zu gewinnen suchen . Also kehrt ! Jeder hing an dem Wort unseres Führers , willig , ihm zu folgen , aber ehe wir noch wenden konnten , brachen aus zwei links und rechts befindlichen Waldparzellen dichte Baschkiren- und Kalmückenschwärme hervor , irreguläre Truppen , denen man , weil man ihnen in der Front nicht traute , diese Reserveposition angewiesen hatte . Im Nu saßen sie uns mit ihren Piken in Seite und Nacken , und eine Niederlage , der wir in zweimaligem Kampfe mit den Elitetruppen des Feindes glücklich entgangen waren , sie harrte jetzt unserer im Angesichte dieses Gesindels . Oberst von Leyser wurde vom Pferde gestochen , gleich nach ihm Major von Hoyer , und ehe fünf Minuten um waren , waren von unserem ganzen Häuflein nur noch zwei übrig : Brigadeadjutant von Minckwitz und ich . Wir hieben uns aus der immer dichter werdenden Gesindelmasse heraus und jagten dann auf unseren müden Pferden durch dieselben Intervallen , durch die wir gekommen waren , wieder zurück . Was uns rettete , waren sehr wahrscheinlich die schwarzen Kürasse , die das Regiment von Zastrow trug , so daß wir beim Passieren der langen Infanterieflanken für russische Kürassiere gehalten wurden . Unsere Pferde , Wunders genug , dauerten aus , und ehe eine halbe Stunde um war , hielten wir wieder in der Reihe unserer Kameraden , so viele deren überhaupt noch waren . Von unserem Todesritt zu erzählen , dazu war keine Zeit . Denn eben jetzt bereiteten die Russen , zur Rückeroberung der Position von Semenowskoi ( von einem Dorfe gleichen Namens war nicht mehr zu sprechen ) , einen großen Angriff vor , und alles , was noch jenseits des Grundes hielt , mußte wieder nach diesseits zurück . Auch wir . Es mochte jetzt Mittag sein oder doch nur wenig später . Unsere Anstrengungen , dies konnten wir uns nicht verhehlen , waren im wesentlichen ebenso resultatlos verlaufen wie die voraufgegangenen Kavallerieangriffe Grouchys , Montbruns , Nansoutys ; wir hatten die feindliche Seite des Semenowskagrundes erstiegen , sechs Gardebataillone niedergeritten , russische Reiterregimenter geworfen und die feindliche Schlachtaufstellung vom Rücken her gesehen , aber der endliche Abschluß war doch der , daß wir , wenn auch tausend Schritt vorgeschoben , abermals am diesseitigen Rande des Grundes standen und die Aufgabe , die Russen auch vom jenseitigen Rande zu vertreiben , aufs neue aufnehmen mußten . Daß dies geschehen würde , war unzweifelhaft ; ein Verzicht darauf würde soviel wie Verlust der Schlacht bedeutet haben . Es war also nur die Frage : wann ? Zwei Stunden blieben wir in Erwartung ; es schien , daß man an oberster Stelle schwankte ; endlich kam Befehl , alle in Front stehenden Kräfte zusammenzufassen und auf der ganzen Linie noch einmal vorzugehen . Unserer Brigade Thielmann , bis auf die Hälfte zusammengeschmolzen , war dabei der Löwenanteil zugedacht ; sie erhielt Ordre , die gefürchtete Rajewskischanze , den festesten Punkt der feindlichen Zentrumsstellung , zu stürmen . Ein Schanzensturm mit Kavallerie ! Es war Ney selbst , der diesen Befehl überbrachte . General Thielmann zeigte statt aller Antwort auf die zertrümmerte Brigade : vierhundert Reiter auf müden Pferden . Aber Ney , in der furchtbaren Erregung des Moments , zog das Pistol aus dem Halfter und hielt es im Anschlag , zum Zeichen , daß er bereit sei , jeden Versuch eines Widerspruchs zum Schweigen zu bringen . Thielmann setzte sich vor die Front , die Trompeter bliesen , und abermals ging es gegen den Grund . Diesmal mit halblinks , weil die Rajewskischanze um fünfhundert Schritte weiter flußabwärts lag . Was und wen wir im Anreiten verloren , weiß ich nicht mehr , weil sich alles , was nun kam , in wenige Minuten zusammendrängte . Nur so viel , daß die Verluste bedeutend