brauchen , welche es vergessen , daß ich hier zu gebieten habe , daß ich der Herr bin ; und es ist mir ganz recht , daß ich dieses Exempel an dem ersten , dem obersten meiner Leute statuiren kann . Die Anderen werden sich um so besser danach zu richten wissen . Ich dränge ihn nicht , fortzugehen , er mag seine und meine Angelegenheiten in Ruhe abwickeln . Ist dies gethan , so soll er gehen ! Der Caplan neigte das Haupt . Dann freilich habe ich nichts mehr zu sagen ! sprach er und stand auf , um sich zurückzuziehen . Der Freiherr hielt ihn nicht zurück . Erst als jener der Thüre zuschritt , sagte er : Nur Muth , mein alter Freund ; man muß den Kopf hoch tragen , wenn man ihn in diesen Tagen des Mißgeschickes überhaupt oben auf seinem Rumpf behalten will ! Sie thaten , was Ihres Amtes ist , ich thue das Meinige ! Geschieht das überall , weicht Niemand von seinem Platze , vergiebt man nichts von seiner Würde , von seinem Rechte , zeigt man sich unerschütterlich , wer und was sollte uns da erschüttern ? - Ich habe leider nach einer Seite kein Glück gehabt , lassen Sie mich also an meiner alten Ueberzeugung um so fester halten , daß ich Glück in der Freundschaft habe , daß ich mich zu den nicht eben zahlreichen Personen rechnen darf , die es verstehen , die Freundschaft zu ehren und zu pflegen ! Und glauben Sie mir , die Frau Herzogin theilt meine Freundschaft , ja , meine Sorge für und um Sie . Nur Geduld bis in den Sommer , bis wir die Kirche fertig haben und die Steinerts fort sind ; dann schaffe ich Ihnen ein eigenes Haus , ein Asyl , in dem es Ihnen wohler sein soll , als hier unter uns , die wir ja leider einmal Weltkinder sind und bleiben ! O , ich kenne den Antheil , den die Frau Herzogin an mir nimmt ! sagte der Caplan , während ein schmerzliches Lächeln um seine Lippen spielte . Aber der Freiherr schien dies nicht zu bemerken , und die Bedeutung nicht zu verstehen , welche der Geistliche in seine Worte legte . Er reichte ihm mit freiem Anstande freundlich die Hand und begleitete ihn bis gegen die Thüre hin , obschon jener die ihm zum Abschiede dargebotene Rechte zum ersten Male nicht ergriffen hatte . Drittes Buch Erstes Capitel Die Tage waren mild und ohne Wind . So weit das Auge reichte , bedeckte wieder der Schnee das Land . Auf dem Amthofe in Rothenfeld ertönte laut der Schall der Arbeit . Der Takt der Dreschflegel , die Axt des Holzhauers , das Knarren des Brunnenrades , das Brüllen und Blöcken der Hausthiere , das aus den weiten Stallungen herübertönte , unterbrachen die Stille , und das Thun der Menschen , ihr Kommen und Gehen belebte mit der sich alljährlich wiederholenden nothwendigen Beschäftigung in gewohnter Weise die Einsamkeit . Es war Alles , wie es im vorigen Winter , in allen ihm vorangegangenen gewesen war , obschon es der letzte sein sollte , welchen die Bewohner des Amthauses in demselben zubrachten . Im Schlosse zu Richten war es anders . Dort hörte man nichts von der wohlthätig wiederkehrenden Gleichmäßigkeit der Arbeit , und der Winter ist sehr lautlos auf dem Lande . Die großen Portale waren geschlossen , um der Kälte den Eingang zu wehren ; auf weichen Teppichen bewegte die Dienerschaft sich geräuschlos in den Gängen und auf den Treppen umher , und nur wenn man an die Fenster trat , sah man in weiter Ferne gelegentlich einen Schlitten wie einen flüchtigen Schatten halb verschleiert von dem feinen Dufte , der die ganze Luft erfüllte , über die weite Ebene gleiten . Was unter der weißen Hülle im Schooße der Erde arbeitete , was in den heimlichen Nestern und Schlupfwinkeln geschah , in die das Leben der Feldthiere , der Vögel und der Insecten sich zurückgezogen hatte , das verbarg sich dem Auge des oberflächlichen Beobachters ; und wer flüchtig an dem Schlosse vorüberging , in dessen weiten Gärten und auf dessen prächtigem Hofe die lustigen Spatzen und die immer rührigen Krähen ihr Wesen trieben , oder wer nur als Gast in das Schloß kam und die glänzende und würdige Gastfreiheit der Schloßherrschaft genoß , der hätte meinen müssen , es sei auch hier im Schlosse Alles noch so , wie es in dem vorigen und in den ihm zunächst vorangegangenen Jahren gewesen war . Aber auch über das Leben der Schloßherrschaft lag , wie draußen die kühle , weiße Decke des Schnee ' s , der verhüllende Mantel der formvollen Gewohnheit und der feinen Sitte gebreitet und entzog dem Auge , was sich unter ihm verbarg . Es war ein Schweigen über die Menschen gekommen . Angelika kränkelte und sah noch übler aus , als ihre seltenen Klagen über ihr Befinden es rechtfertigten . Der Freiherr hatte , weil er spät zu wachen liebte und weil Angelika , wie er sagte , Ruhe haben sollte , ihre Zimmer verlassen und die Wohnung bezogen , welche er vor seiner Verheirathung inne gehabt hatte , und alle einzelnen Personen hielten sich mehr als je bisher in ihren besonderen Gemächern auf . Die Herzogin erschien sehr niedergeschlagen . Man glaubte , daß sie den Marquis vermisse und daß sie Langeweile fühle , denn sie ließ den Caplan öfter zu sich bitten , hatte lange Gespräche mit demselben , und doch sah man nicht , daß sich eine wirkliche Annäherung zwischen den beiden Personen gebildet hätte oder auch nur allmählich bildete . Was sich allein und immer gleich blieb , war die Freundschaft , welche der Freiherr für die Herzogin an den Tag legte , und die rücksichtslose Freigebigkeit und Zuvorkommenheit , mit welcher er allen ihren Neigungen begegnete . Der Freiherr zeigte sich immer ruhig , Angelika sanft , aber zurückhaltend , und