davon erlangt und tat seine Pflicht , wie ein echter Mann sie tun soll . Nachdem ein hochehrwürdiges Oberkonsistorium und die Regierung sein Adjunktentum bestätigt hatten , lud ihm der greise Tillenius lächelnd ein gut Teil seiner Amtsbürde auf den Rücken , und bereitwilliger hatte Hans Unwirrsch noch niemals eine Last auf sich genommen . Trotzdem daß er ein Mann aus dem Binnenlande war , war das seefahrende Volk mit seinen Predigten zufrieden und gewann ihn lieb . Er taufte das erste Kind und legte die erste Leiche in die Erde , er gab das erste Paar zusammen und hatte sich nur selten von Ehrn Josias Tillenius sagen zu lassen , daß weder er - Ehrn Josias - noch die Leute von Grunzenow ihn - den Herrn Pastoradjunkt - verstanden hätten . Solch einen Frühling und solch einen Sommer wie im ersten gesegneten Jahre seines Wohnens in Grunzenow hatte er noch nicht erlebt . Alle Herrlichkeiten des Traumes reichten nicht an die Wirklichkeit dieser goldenen Tage seines Bräutigamsstandes am Ufer der Ostsee . Klar und mutig sah er in das Leben ; alles Unbestimmte und Schwankende , welches Natur und Schicksal in seinen Charakter gelegt hatten , suchte er mit männlichem Willen von sich zu weisen . Soviel er dem Glücke zu verdanken hatte , soviel und mehr suchte er durch treues Bemühen und ernstestes Streben zu verdienen . Der unbestimmte Hunger seiner Jugend war nun zu dem ruhigen , überlegten , still anhaltenden Streben geworden , das , in den Millionen wirkend , die Menschheit auf ihrer Bahn erhält und weiterführt . Johannes Unwirrsch hatte das Leben wohl kennengelernt im Guten wie im Bösen . Nun waren die Kreise , die er durchwandert hatte , mit allen ihren Gestalten , lieblichen wie schreckhaften , versunken ; er stand nun inmitten des Ringes , den sein Wirken ausfüllen sollte . Es war ihm nicht gleichgültig , daß ihn kein Band mehr an die Heimatstadt fesselte , daß er aus der Kröppelstraße in das neue Leben nichts mit hinübernehmen konnte als die süße , wehmütige Erinnerung an die glänzende Glaskugel , welche vordem über seines Vaters Tische hing . Diese Glaskugel warf ihren Schein jetzt über das Leben , welches der Meister Anton Unwirrsch in seinen Träumen vom wahren Dasein auf Erden aufbaute ; aber kein Geschlecht der Menschen reicht weit genug in die kommenden Geschlechter , daß es seine Ideale , die dann selten noch die ganzen Ideale sind , erfüllt sähe . - Herbst ! Die Tage des Frühlings und des Sommers waren vorüber ; aber die Sonne des Herbstes leuchtete so lieblich wie je , und Land und Meer freuten sich ihrer . Der Adjunktus am offenen Fenster jedoch hatte das Recht , ihrer trotz aller Holdseligkeit nicht zu achten ; man schrieb den siebenten September , und morgen , am achten September , einem Sonntag , sollte seine Hochzeit sein . Er hatte die Reime nicht in dem Augenblick gemacht , in welchem er sie zwischen die andern Gedankenschnitzel hinkritzelte . Der Pastor Tillenius hatte den Hochzeitstag ausgewählt und bestimmt ; der Pastor Tillenius hatte dem Onkel Rudolf und dem Oberst von Bullau die Einwilligung künstlich und diplomatisch genug abgelockt und sie festgehalten , als die beiden alten Herren sie zurücknehmen und » ihr Mädchen « aus ihrem Kastell nicht herausgehen wollten . Der Pastor Tillenius , gestützt auf den apostolischen Satz : » Ein Bischof soll sein eines Weibes Mann « , hatte das Feld gegen die beiden hartnäckigen , eigensinnigen Kriegsmänner behauptet . Es stand fest , daß das Fränzchen das Haus Grunzenow verlassen und auf die Hungerpfarre ziehen müsse ; - das Fränzchen hatte ja ebenfalls seine Einwilligung dazu gegeben , und dies war im Grunde ja doch das Wichtigste . Herbst ! Was war alle Wonne des Frühlings und des Sommers gegen die Seligkeit , die der Herbst zu geben versprach ! Es war , als ob alle Zugvögel im Lande bleiben müßten , um die Hochzeit und die Flitterwochen mitzufeiern . Nachdem sich Haus Grunzenow in das Unabänderliche gefunden hatte , zog es unendliches Vergnügen aus der Notwendigkeit und stürzte sich wieder mit einem Eifer , der alles hinter sich zurückließ , in die Vorbereitungen zu dem festlichen Tage . Der Oberst befand sich Tag und Nacht in einem gelinden Fieber , der Leutnant in einem ähnlichen Zustand ; aber wahrhaft groß war Grips , der Mann für alles . » Wer preist genug des Mannes kluge Hand ? « Hier schlug sie einen allzu » unbegrifflichen « Hofjungen » hinter den Löffel « ; dort schlug sie wohlüberlegt einen Nagel ein , um zierlich eine selbstgewundene Girlande daran aufzuhängen . Grips hatte etwas gelernt auf seinen Feldzügen .. Im Dorfe regte es sich ebenfalls . Alt und jung wollten das Ihre dazu tun , den achten September zu einem Gedenktag in der Chronik von Grunzenow zu machen ; - wochenlang vorher waren die Frauen und Mädchen in Bewegung , wochenlang vorher schlief der Küster , welcher der lieben Jugend die Hochzeitskantate einstudierte , sehr schlecht vor innerer Aufregung und allzu lebendigen Träumen von Gelingen und Glorie , von Mißlingen , Schmach und Jammer . Ehrn Josias Tillenius verfertigte seine Hochzeitsrede , und da er die schönsten , wenn auch traurigsten Erinnerungen seines eigenen Lebens , sein ganzes , gutes , altes , volles Herz dazu gab , so geriet sie vortrefflich , ohne niedergeschrieben oder auswendig gelernt zu werden . Am siebenten September waren alle Vorbereitungen beendet ; es mangelte auf Haus Grunzenow weder an Speisen noch an Getränk ; die Pfosten und Säulen waren bekränzt , die Türen standen offen , den Hochzeitsjubel herein- und die Braut herauszulassen . - Lichtblauer Schleier Sank nieder leise ; Im Liebesweben , Goldzauberkreise - Ist nun mein Leben , hatte der Bräutigam in seinem Studierstübchen auf der Hungerpfarre auf das bekritzelte Blatt geschrieben . Es war alles bereit , und das Fränzchen legte leise dem Verlobten die Hand auf die Schulter , sah